Montag, 26. Januar 2015

Mvgida-Anhänger werben für Demokratie und Nazi-Aussteigerprogramm

Zum mittlerweile dritten Mal fand am Montagabend ein Mvgida-Aufmarsch statt, die Teilnehmer traten erneut äußerst aggressiv auf, wetterten pauschal gegen Asylbewerberheime. Eine Schweriner Gruppe reagierte mit einer kreativen Aktion – für die sich die Mvgida-Anhänger unfreiwillig einspannen ließen.

Mvgida-Anhänger werben für die neue Website

Gegenproteste zu den derzeit vielerorts stattfindenden Pegida-Märschen können auf Dauer ermüdend sein – zumal die „besorgten Bürger“ an Argumenten oder Fakten schlicht kein Interesse zu haben scheinen oder die pauschale Antwort oft „Lügenpresse“ lautet. Der Ableger in Mecklenburg-Vorpommern – Mvgida – stellt zudem eine besonders aggressive Variante dar. Durchsetzt von rechtsextremen Kameradschaften und NPD-Mitgliedern lautete die erste Parole am heutigen Abend: „Wir wollen keine Asylantenheime“. An dem Dresdner Positionspapier scheint in Schwerin niemand Interesse zu haben.

Eine Schweriner Gruppe wollte diesem oft dumpfen Rassismus mit einer kreativen Aktion begegnen. So wurde die Domain mvgida.de registriert und dort mehrere Inhalte platziert, wie sie von der Facebook-Seite der Gruppierung bekannt sind. Schließlich verteilten die Organisatoren unter den Mvgida-Sympathisanten mehrere Schilder, auf denen für die Website geworben wurde. Diese trugen die Pappen in der Tat vor sich her – und dachten, für ihre Bewegung so zusätzlich werben zu können. Bis 19.30 Uhr war dies auch der Fall, dann wurde der Inhalt jedoch komplett ausgetauscht.

In einer Rundmail, die auch die Redaktion von ENDSTATION RECHTS. erreichte, erklären die Organisatoren ihr Anliegen unter dem Titel „Mvgida-Anhänger werben für Demokratie und Nazi-Aussteigerprogramm“:

Tatsächlich fordert die Website „ungeliebte Pegida-Anhänger“ auf, „sich richtig zu informieren und nicht alles nachzugackern“. Ein Link zur Liste der Bundestagsabgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern soll von dieser Seite aus die Möglichkeit geben, mit den demokratisch gewählten Volksvertretern in Gespräch zu kommen. Ein weiterer Link führt zum Leitfaden zur Durchführung einer eigenen Demonstration ohne die Vereinnahmung durch rechtsradikale und demokratiefeindliche Organisationen. Für Menschen, die sich von der rechten Szene trennen wollen, werden im dritten Link Informationen bereit gestellt.


Die Website mvgida.de nach der Umstellung

Am Ende folgt ein Hinweis, dass die Aktion parteiunabhängig und von Schweriner Einwohnern ins Lebens gerufen worden sei. Vor einigen Wochen hatten sich „Die Partei“-Mitglieder mit einem Banner unter die Dresdner Pegida-Demonstranten gemischt und konnten unentdeckt mit dem Slogan „Heimat-Orientierte Marschieren Oeffentlich FÜR Sächsisch-Teutonisches Engagement“ mitlaufen. Die fett markierten Anfangsbuchstaben ergaben den Namen „Homofürsten“. Auch die Aussteiger-Initiative EXIT hatte aus einem Neonazi-Gedenkmarsch schlicht den „unfreiwilligsten Spendenlauf“ gemacht und damit Aufmerksamkeit weit über die Landesgrenzen hinaus erreicht.