Mittwoch, 26. Februar 2014

Nach Magdeburg und Dresden nun Chemnitz: Neonazis mobilisieren für Aufmarsch

Am 5. März jährt sich die Bombardierung von Chemnitz zum 69. Mal. Auch in diesem Jahr wollen Rechtsextremisten mit dem Motto „Erinnerung verpflichtet“ durch die Stadt marschieren. Gleichzeitig formiert sich ein breites Bündnis, dass sich den Geschichtsrevisionisten in den Weg stellen will.

Fronttransparent des "Chemnitz nazifrei"-Bündnisses

Wie bereits in den vergangenen Jahren hat die rechtsextreme „IG Stadtgeschichte Chemnitz“ auch in diesem Jahr einen Aufmarsch in Chemnitz angemeldet. Ihre geschichtsrevisionistischen Parolen wollen sie diesmal unter dem Motto „Erinnerung verpflichtet“ verbreiten. Genaue Route und Treffpunkt der Neonazis sind bisher noch unklar, allerdings haben sie die Anweisung erhalten, über den Südbahnhof nach Chemnitz zu kommen.

Im vergangenen Jahr beteiligten sich rund 300 Rechtsextreme an dem Aufmarsch, konnten aber aufgrund der starken Übermacht von 1.500 Gegendemonstranten nur ein kurzes Stück der geplanten Strecke laufen.

Chemnitzer mobilisieren zum Protest

Die Chemnitzer wollen auch in diesem Jahr Gesicht gegen Rechtsextremismus zeigen und haben bisher 12 Veranstaltungen für den Friedenstag angemeldet. Bereits am Vorabend wird der Chemnitzer Friedenspreis im Rathaus der Stadt verliehen. „Ausgezeichnet und gewürdigt werden mit dem Friedenspreis jeweils Ideen, Initiativen und Projekte, die ein gewaltfreies Miteinander der verschiedenen Kulturen in Chemnitz fördern und unterstützen“, so die Initiatoren des Preises.

Am 5. März hat ein breites Bündnis dazu aufgerufen, sich gegen Rechtsextremismus und für Frieden und Toleranz zu engagieren. Zu dem Bündnis gehören Vertreter der demokratischen Fraktionen des Stadtrates, Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaft, Kultur, Sport, Wissenschaft, Kirchen, der Jüdischen Gemeinde, Initiativen, Vereinen und anderen Akteuren der Zivilgesellschaft.

Im gemeinsamen Aufruf heißt es: „Weder die Geschichte noch die Straße sollte denen überlassen werden, die für Rassismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit stehen. Wir sind darum alle dafür verantwortlich, dass neofaschistisches und rassistisches Gedankengut in unserer Gesellschaft keinen Platz bekommt sich auszubreiten.“

Das Gedenken beginnt um 9.00 Uhr mit einer Kranzniederlegung auf dem Städtischen Friedhof. Ab 11.00 Uhr wird auf dem Neumarkt die Gedenkfläche Friedenskreuz eröffnet, an dem die Chemnitzer ihre Wünsche für den Frieden befestigen können.

Ab 18.00 Uhr findet, ebenfalls auf dem Neumarkt, die Kundgebung unter dem Motto „Es ist unsere Stadt – Nazis haben hier keinen Platz“ statt. Hier melden sich neben Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) auch Dr. Christoph Dittrich, Intendant der Städtischen Theater Chemnitz und Dr. Sadik Al Biladi, Träger des Chemnitzer Friedenspreises 2009, zu Wort. Zudem ist ein künstlerisches Programm geplant.

Erstmals „Täterspurenrundgang“

Auch das Bündnis „Chemnitz Nazifrei“ hat zum Protest aufgerufen. Erstmals veranstaltet die Initiative einen „Täterspurenrundgang“, der um 13.30 Uhr mit der ersten Station Deutsche Bank (Falkeplatz) beginnen soll. Im Anschluss startet die Demonstration des Bündnisses mit einer Kundgebung 16.00 Uhr am Hauptbahnhof und bewegt sich weiter über den Innenstadtring.

Ziel sei: „Wir, das „Bündnis Chemnitz Nazifei“, werden diesen Geschichtsrevisionismus und die Verbreitung menschenverachtender Ideologien nicht hinnehmen! Letztes Jahr ist es uns zum ersten Mal gelungen, den Naziaufmarsch am 5. März durch Blockaden zu stoppen. Es darf keinen Schritt zurück geben. Wir rufen dazu auf, die Geschichtsrevisionist_innen auch 2014 am Marschieren zu hindern.“

Eine weitere Demonstration hat der Studentenrat der TU Chemnitz angemeldet. Sie startet um 16.00 Uhr an der Mensa in der Reichenhainer Straße.

Neben den Demonstrationen gibt es außerdem um 17.00 Uhr eine Friedensandacht in der Lutherkirche und 20.00 Uhr einen Friedensgottesdienst in der Stadt- und Marktkirche auf dem Jakobiplatz.