Freitag, 19. Februar 2016

Erschreckendes Video: Grölender Mob blockiert Zufahrt zu Flüchtlingsunterkunft

Heute Morgen sorgte ein Video für Aufregung in den Sozialen Medien. Zu sehen ist darin ein grölender Mob, der ankommende Asylbewerber im sächsischen Clausnitz mit „Wir sind das Volk“-Gesängen blockiert. Die Angst ist den geflüchteten Menschen ins Gesicht geschrieben. Die Facebookseite, die das Video verbreitete, ist mittlerweile offline.

Der blockierte Reisebus in Clausnitz, Foto: Screenshot

Der Hass auf Flüchtlinge scheint in Deutschland keine Grenzen zu kennen. Ihre Unterkünfte werden beschmiert, angegriffen oder in Brand gesteckt. Menschen werden bepöbelt, geschlagen und getreten. Meist erfährt die Gesellschaft von den Übergriffen aus den Artikeln der Medien, die wiederum auf Polizeimeldungen zurückgreifen. Selten bekommt die Öffentlichkeit Bilder oder gar Filmaufnahmen zu sehen, wie etwa in Heidenau, wo sich ein extrem rechte Gewalttäter im Nachgang einer von der NPD organisierten Demonstration gegen eine geplante Unterkunft für Asylbewerber Straßenschlachten mit der Polizei lieferten.

Hin und wieder stellen rassistische Gruppierungen eigene Aufnahmen von ihren Aktionen ins Netz. „Döbeln wehrt sich – deine Stimme gegen Asylmissbrauch“ veröffentlichte gestern ein Video mit einem „Dank nach Clausnitz“. In dem nur wenige Sekunden langen Streifen ist ein vollbesetzter Bus zu sehen, der offenbar an einem Wohnheim ankommt. Darin: Kinder, Frauen, Männer. Vor dem Fahrzeug haben sich mehrere Personen zusammengerottet, die hasserfüllt immer wieder den Schlachtruf der friedlichen Revolution von 1989 pervertieren und „Wir sind das Volk“ grölen. Die Businsassen haben Angst, eine Frau schimpft, ein Kind kämpft mit den Tränen. Willkommen in Deutschland.

Facebookseite offline

Innerhalb weniger Stunden wurde das Video rund 350.000 Mal angesehen, unter ihm brachen sich angesichts so viel Unmenschlichkeit entrüstete Kommentare Bann. Zur Verbreitung trugen sicherlich Medien und Flüchtlingsunterstützer bei, die die Bilder als abschreckendes Beispiel teilten. In den Twitter-Trends belegt der Hashtag #Clausnitz aktuell die Spitzenposition. Vor wenigen Minuten allerdings wurde die Facebookseite abgeschaltet oder zumindest für nicht der Gruppe zugehörige Mitglieder auf nicht mehr einsehbar gestellt – ebenso wie das Video.

Auf den Vorfall angesprochen, reagierte die Polizei Sachsen auf Facebook. „Es ist nicht hinnehmbar, was dort passiert“, schrieb sie als Antwort auf einen Kommentar. Die Beamten gaben einige Details des Tumultes bekannt, so seien die Zufahrtswege zur Unterkunft von einer großen Menschenmenge mit Autos blockiert gewesen. Die eingesetzten 30 Beamten hätten mögliche körperliche Auseinandersetzungen unterbinden können. Die „psychischen Folgen eines solchen Ereignisses“ seien für die Polizisten aber schwer zu verhindern gewesen. Für weitere Informationen verwies die Polizei auf eine Pressemitteilung, die später erscheinen soll. Zum jetzigen Zeitpunkt könne aber mitgeteilt werden, dass 13 Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen worden sind.