Freitag, 31. März 2017

Die AfD – „Angst für Deutschland“ – eine journalistische Darstellung

Die Journalistin Melanie Amann legt mit „Angst für Deutschland. Die Wahrheit über die AfD: wo sie herkommt, wer sie führt, wohin sie steuert“ ein Buch zu der Partei vor. Es lebt inhaltlich von den Ergebnissen der intensiven journalistischen Recherche, ihm fehlt es aber an analytischem Tiefgang.

Buchcover: Angst für Deutschland

Bislang gelang es in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland noch keiner neu gegründeten Partei binnen so kurzer Zeit so hohe und kontinuierliche Wahlerfolge zu verzeichnen wie der „Alternative für Deutschland“ (AfD). Wie erklärt sich diese Entwicklung und womit hat man es da eigentlich zu tun? Derartige Fragen erörtern die unterschiedlichsten Kommentatoren aus den Medien und der Wissenschaft. Eine dieser Akteurinnen ist die Journalistin Melanie Amann, promovierte Juristin und Redakteurin beim „Spiegel“. Dort hat man sie mit der Berichterstattung über die AfD, was zahlreiche Artikel von ihr mit Rechercheergebnissen zeigen. Als eine Art bilanzierende Betrachtung erschien jetzt von Amman das Buch „Angst für Deutschland. Die Wahrheit über die AfD: wo sie herkommt, wer sie führt, wohin sie steuert“. Bereits hier sei darauf hingewiesen, dass die Autorin selbst nicht den Anspruch erhebt, „die Wahrheit“ über die Partei zu präsentieren. Sie will aber die Fragen aus dem Untertitel beantworten, bei einer Journalistin auf journalistische Weise.

Am Beginn steht nicht die organisatorische Entstehungsgeschichte, sondern die politische Stimmungslage, wobei die Autorin die Erinnerung an den Bestseller von Thilo Sarrazin bemüht. Darin sieht sie ein erstes Anzeichen für einen politischen Meinungswechsel hin nach rechts. Erst danach geht es um die Gründung und Wurzeln der Partei, wobei hier mit Berichten über Personen gearbeitet wird. Dies sind der zwischenzeilich wieder ausgetretene Idealist Michael Heendorf und die konservative Multifunktionärin Beatrix von Storch, aber der einst als angesehener Journalist geltende Alexander Gauland. Danach steht der parteiinterne Bruch im Mittelpunkt, entwickelte sich die AfD doch thematisch von einer Anti-Euro- in eine Anti-Flüchtlingspartei. Amann erinnert an die Entwicklung des heute schon nahezu wieder vergessenen Parteibegründers Bernd Lucke und den Essener Parteitag mit dem internen Zerwürfnis. In diesem Kontext wird auch den Aktivitäten und Auffassungen von Björn Höcke, der als ideologischer Fanatiker gilt, größeres Interesse gewidmet.

Erst danach geht es um „die Chefin“, also Frauke Petry. Der Rückblick macht übrigens anschaulich deutlich: Haltlosigkeit und Kurswechsel prägen ihre Parteiführung. Es ist tatsächlich unklar, wofür Petry eigentlich steht. Sie schwankt in vielen Fragen hin und her und bleibt unglaubwürdig, weil unklar. Dem folgend fragt die Autorin: „Warum die AfD erfolgreich ist“ (S. 215) und nennt dazu einige Gesichtspunkte: „Krisen, eine entsprechende angstaufgeladene Stimmung und einige glückliche Zufälle“ (S. 238). Darin wird auch der Unterschied zu früheren ähnlichen Projekten wie dem „Bund freier Bürger“ gesehen. Außerdem habe sich die Bundeskanzlerin als unfreiwillige Helferin entpuppt. Und schließlich erörtert Amann noch die aus ihrer Sicht angemessenen Umgangsformen. Man solle doch auf Fakten setzen, sich nicht wegducken, keine falschen Vorwürfe formulieren, keine Angst vor der Identitätsfrage haben, aber auch nicht kopieren. Ganz am Ende werden – was für jeden Autor ein Wagnis ist - noch Prognosen für die Zukunft der Partei formuliert.

Das Buch lebt davon, dass Amann in den letzten Jahren hauptsächlich über die AfD gearbeitet hat. Sie führte Gespräche mit Funktionsträgern und besuchte Parteitage. Darüber hinaus hatte sie auch einen eingeschränkten Einblick in die interne Kommunikation. Dies alles macht in Kombination zusammen das Buch lehrreich und lesenswert. Es ist aber auch eine journalistische Darstellung. Wer mehr als Beschreibungen und Analysesplitter erwartet, wird enttäuscht werden. Dies macht das Kapitel „Warum die AfD erfolgreich ist“ deutlich. Hier findet man zwar einige Faktoren, viele andere Ursachen aber nicht. Darüber hinaus liefert die Autorin kein abgerundetes Erklärungsmuster. Stoff ist dafür durchaus vorhanden. Auch wird die AfD nicht als Parteityp erörtert: Ist sie rechtsdemokratisch, rechtsextremistisch, rechtspopulistisch? Antworten auf derartige Fragen findet man in dem Buch nicht. Der Klappentext verspricht es im werbenden Sinne. Dafür muss die Autorin aber nichts können, den Anspruch sollte man schon bedeutend tiefer hängen.

Melanie Amann
Angst für Deutschland. Die Wahrheit über die AfD: wo sie herkommt, wer sie führt, wohin sie steuert
Droember-Verlag, München, 2017
319 Seiten, 16,99 Euro