Dienstag, 07. Februar 2017

Pegida München feiert brennende Moschee

Der Pegida-Ableger in der bayerischen Landeshauptstadt dümpelt vor sich hin. Die zunehmende Bedeutungslosigkeit scheint der führende Kopf Heinz Meyer mit gesteigerter Radikalität begegnen zu wollen. Dabei distanzierte er sich sogar von AfD-Chef Frauke Petry und sagte den Kölner Karneval ab.

Leinwand bei Pegida München, Foto: Thomas Witzgall

Jubelnde Anhänger und am Ende sogar ein Victory-Zeichen. Was die nur knapp 70 Teilnehmer beim gestrigen Pegida-Aufmarsch am Münchner Stachus so verzückte, war das Bild und später Video einer brennenden Moschee im kleinen Städtchen Victoria in Texas. Der lokale Pegida-Chef Heinz Meyer verband das Unglück, dessen Ursache noch nicht aufgeklärt ist, mit einer angeblich berechtigten Ablehnung von Muslimen, in zeitlicher Nähe zum versuchten „muslim ban“ des neuen US-Präsidenten.

Was Meyer den Anhängern verschwieg, war nicht nur die bislang ungeklärte Brandursache. Die Tragödie wurde zum außergewöhnlichen Symbol von Solidarität und Zusammenhalt über jene Grenzen hinweg, die Hardliner wie er gerne gezogen wollen wissen. Die etwa 30 Juden vor Ort stellten die Gebetsräume ihrer Synagoge den Muslimen zur Verfügung. „When a calamity like this happens, we have to stand together“, zitierten Medien den Verantwortlichen des Tempels.

Über eine Fundraising-Plattform wurden innerhalb weniger Tage über 900.000 US-Dollar zum Wiederaufbau gesammelt. Der Organisator nennt die große Hilfsbereitschaft ein Beispiel für „true American spirit“. Eine Strafbarkeit der jubelnden Pegida-Anhänger wegen Billigung einer Straftat ähnlich des Bautzener Husarenhofs könnte deshalb ausscheiden, weil eben nicht geklärt ist, ob überhaupt ein Verbrechen vorliegt. Politisch bezeichnend ist es allemal.

Pegida München fällt auf Satireseite herein

Viel Spott dürfte Meyer dagegen mit einer anderen Meldung aus seiner „Presseschau“ ernten. Ziemlich überraschend verkündete er die Absage des Kölner Karnevals. Seine Begründung war szenetypisch. Die Übergriffe der Silvesternacht und bereits in „normalen Jahren“ hohe Anzahl an Körperverletzungsdelikten bis hin zu sexualisierter Gewalt gegenüber Frauen zwinge Oberbürgermeisterin Reker dazu. Er berief sich dafür auf die „Neueste-Nachrichten.eu“.

Die Seite hat allerdings die Meldung ziemlich exklusiv für sich, alle anderen Medien berichten von normalen Vorbereitungen auf die Faschingszeit, was vor allem daran liegen könnte, dass es sich bei Meyers „Quelle“ um Satire handelt. Im Impressum der Seite heißt es bezeichnenderweise „Die Meldungen auf dieser Seite sind frei erfunden. Dennoch wurde bei der Recherche größtmögliche Sorgfalt angewandt.“ Ein typischer Fall von: „Man hält im Netz das für wahr, was man glauben will!“

Nur Höcke passt dem Pegida-Chef noch in den Kram

Eine eher überraschende Wende erlitt das Verhältnis zur AfD. Meyer, sonst ein Fan der Partei mit Lob in den allerhöchsten Tönen, fand, dass sich die „Alternative“ zu einer Partei wie alle anderen entwickeln würde. Nur der in den letzten Wochen wegen seiner Dresdner Rede vielgescholtene Thüringer Hardliner Björn Höcke sei noch halbwegs in Ordnung. Eine Kritik an der AfD von einer Position rechts des völkischen Flügels.

Der gescholtenen Petry kann es egal sein, der Pegida Ableger in Münchner ist nichts mehr als ein polternder Mini-Geist ohne Bedeutung, da mag ihn NPD-Politiker Karl Richter noch so loben für seine Aufgabe der „Distanzeritis“. Am Montag zog die Veranstaltung vor allem ältere Leute an, die sich von Meyer mit einigen Nachrichten – oder was er dafür hielt – versorgen ließen. Für nächsten Montag hat sich die Splittergruppe den Marienplatz reserviert.

Zuerst erschienen auf / weitere Fotos: ENDSTATION RECHTS.Bayern