Donnerstag, 28. Januar 2016

Sigrid Schüßler provoziert Rauswurf aus Münchner Stadtratssitzung

Münchens Oberbürgermeister musste während der gestrigen Stadtratssitzung von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Anhängerinnen von Rechtsaußen Karl Richter hatten durch Zwischenrufe die Sitzung gestört. Für Sigrid Schüßler, der ehemaligen NPD-Funktionärin, endete der Ausflug auf einer Polizeiwache. Ihr droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch.

Schüßler auf einer Wügida-Demo, Foto: Thomas Witzgall

Ziemlich rüpelhaft verhielt sich die frühere RNF-Vorsitzende und ehemalige Spitzenkandidatin der bayerischen NPD, Sigrid Schüßler. Sie hatte zusammen mit einer weiteren jungen Frau, laut Beobachtern handelte es sich wahrscheinlich um die Neumarkterin Ester Seitz, während der Rede Karl Richters immer wieder applaudiert und war deshalb vom Oberbürgermeister immer wieder ermahnt worden. Zuschauern ist es bei Stadtratssitzungen nicht erlaubt, von den Besucherplätzen aus das Geschehen zu kommentieren. Die Ermahnung durch die Sitzungsleitung stellte somit einen ganz normalen Vorgang dar.

Nach dem Ende von Richters Ausführungen und der Antwort des Oberbürgermeisters darauf, eskalierte die Situation. Schüßler, die zuletzt mit Richter liiert war, startete erneut mit Zwischenrufen. Von einzelnen Stadträten kamen ebenfalls lautstarke Aufrufe, allerdings an die Störerin, Ruhe zu geben. Oberbürgermeister Reiter machte schließlich von seinem Hausrecht Gebrauch [Tondokument BR] und ließ die Frau entfernen. Laut Richter endete der Ausflug der ehemaligen RNF-Vorsitzenden auf der nächsten Polizeiwache. Die Pressestelle der Stadt München bestätigte auf Anfrage, dass der Auftrag erging, Anzeige wegen Hausfriedensbruch zu stellen. Die weiteren Anhänger Richters verließen im Anschluss an den Rauswurf den Saal.

Seitz legt Scheu vor rechtsextremen Kreisen ab

Darunter befanden sich, wenn man Richters Verlinkungen auf seiner Facebook-Seite folgt, die aus rechten Hooligankreisen bekannte Petra K., ein Stammschreiber auf der Pegida Bayern-Seite und eben auch Ester Seitz. Die junge Neumarkterin trat vor etwa einem Jahr beim Münchner Pegida-Ableger als Rednerin auf. Im März verweigerte sie noch die Zusammenarbeit mit dem von der neonazistischen Partei Die Rechte durchsetzten Ableger Nügida. Für den Erfolg ihrer Pegida-Abspaltung Widerstand Ost/West arbeitete sie dann aber schon mit Hogesa-Kreisen zusammen. Nun erfolgt offenbar eine Annäherung an das Duo Richter / Schüßler, das zuletzt die bayerische NPD weiter in die Krise gefahren hatte.

Richter verteidigte bei den Kommunalwahlen mit Mühe und Not den einen Sitz im Münchner Stadtrat, der ihm beträchtliche finanzielle Unabhängigkeit sichert. Für Schüßler hat es noch nie zu einem Mandat gereicht. Die Ausrufung Schüßlers zur Spitzenkandidatin der bayerischen NPD bei der letzten Landtagswahl erwies sich von Beginn an als Rohrkrepierer, weil es die NPD gerade in Unterfranken, der Heimat der vierfachen Mutter, und in Oberbayern nicht schaffte, genug Unterstützungsunterschriften zu sammeln. Richter und Schüßler waren somit nicht wählbar.

Beide warfen kurz danach die Brocken hin, Schüßler trat nach einer aussichtslosen Bewerbung um den NPD-Vorsitz aus der rechtsextremen Partei aus, was sie für rechte Kreise und einzelne Pegida-Ableger interessanter machte. Auch beim Neonazi-Aufmarsch in Magdeburg vor rund zwei Wochen fungierte sie als Rednerin.

Zuerst erschienen auf ENDSTATION RECHTS.-Bayern