Donnerstag, 19. Dezember 2013

Paukenschlag! NPD-Chef Holger Apfel tritt zurück

Nach NPD-Angaben ist Holger Apfel heute morgen von seinen Ämtern als Vorsitzender der NPD und als Chef der sächsischen NPD-Landtagsfraktion zurückgetreten. Grund soll ein Burnout des 42-Jährigen sein. Mittlerweile bringen sich mit dem Schweriner Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs und Apfels Vorgänger Udo Voigt die ersten potentiellen Nachfolgekandidaten in Stellung.

Holger Apfel (Foto: Oliver Cruzcampo)

Der Pressesprecher der NPD, Frank Franz, hat Spiegel Online bestätigt, dass sein Chef Holger Apfel heute morgen von seinem Posten als Bundesvorsitzender der rechtsextremistischen Partei zurückgetreten sei. Auch das Amt als Fraktionschef im sächsischen Landtag soll der 42-Jährige mit sofortiger Wirkung niedergelegt haben. Millerweile liegt auch eine offizielle Bestätigung der NPD vor. 

Als Grund nannte Franz eine schwere Erkrankung des dreifachen Familienvaters. Der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel sprach der Süddeutschen Zeitung gegenüber von einem Burnout. Der Sprecher der Fraktion, Thorsten Thomsen, bestätigte der Leipziger Volkszeitung die Vermutung Gansels. In der zurückliegenden Plenardebatte hatte sich Apfel nach der Aussage von Beobachtern nichts anmerken lassen.

Die inneren Querelen, die den Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Udo Voigt seit seiner Wahl im November 2011 begleiteten, sollen laut Franz bei der Entscheidung keine Rolle gespielt haben. Zahlreiche Kritiker in und außerhalb der NPD werfen Apfel vor, den bereits unter Voigt einsetzenden Niedergang der ehemals erfolgreichsten Partei der extremen Rechten nicht aufgehalten oder sogar durch seine umstrittene Strategie der „seriösen Radikalität“ noch befeuert zu haben. Die fortwährenden Finanzprobleme der Partei, die aus der Abgabe eines falschen Rechenschaftsberichts resultieren, hatten den einstigen Anführer der NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) ebenfalls unter Zugzwang gesetzt.

Die angeschlagene Partei befindet sich damit unmittelbar nach Eröffnung des Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht auf der Suche nach einem neuen Chef. Mittlerweile machen in den Sozialen Netzwerken Meldungen die Runde, die Krankheit Apfels sei nur vorgeschoben. 

Apfels Vorgänger Voigt wittert Morgenluft und sagte gegenüber NDR Info, er sei bereit, wieder für sein früheres Amt zu kandidieren. Allerdings müssten hierfür die beiden mächtigen Landtagsfraktionen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hinter ihm stehen. In der rechtskonservativen Jungen Freiheit erklärte der wegen Volksverhetzung vorbestrafte Berliner NPD-Vize, Apfel haben zuletzt auf ihn einen „ziemlich fertigen Eindruck“ gemacht. Ähnlich äußerte sich Udo Pastörs, der ebenso wie Voigt Ambitionen auf die Spitzenkandidatur der NPD bei den Europawahlen im nächsten Mai anmeldet: „Ich war überrascht von der Nachricht, wenngleich ich das Gefühl hatte, dass Herr Apfel, um es vorsichtig zu formulieren, zuletzt überfordert schien“. Hatte der Schweriner Fraktionsvorsitzende zuvor stets den Eindruck zu erwecken versucht, zwischen ihn und Apfel passe kein Stück Papier, fällt die Kritik nach Apfels Abgang verhältnismäßig hart aus. 

Das NPD-Parteipräsidium wird am kommenden Sonntag zusammenkommen, um über die Lage zu beraten. Bis dahin sollen die drei Stellvertreter Apfels, Udo Pastörs, Frank Schwerdt und Karl Richter, der Apfel und Pastörs zuletzt Mobbing vorgeworfen hatte, die Partei leiten. Das private Facebookprofil von Apfel ist derweil nicht mehr erreichbar.