Dienstag, 12. November 2013

NPD stellt sich an die Seite militanter griechischer Neonazis

Die griechische Neonazi-Partei „Goldene Morgenröte“ (Chrysi Avgi) gilt vielen Aktivisten der hiesigen „Bewegung“ ob ihrer politischen „Erfolge“ und ihres Rückhalts im Volk als Vorbild. Seit die Behörden nach dem Mord an einem linken Musiker durch einen Chrysi Avgi-Anhänger mit harter Hand gegen die Neonazis vorgehen, hat die deutsche Szene eine breite Solidarisierungswelle gepackt. Ganz vorn dabei: die NPD und ihr Hausblatt Deutsche Stimme.

NPD-Fahne (Foto: Oliver Cruzcampo)

Es sind alle Flügel des „nationalen Widerstandes“, die aufmarschieren, um ihre Solidarität mit der griechischen Neonazi-Partei „Goldene Morgenröte“ (Chrysi Avgi) zu demonstrieren. Bei Protestveranstaltungen geben sich die von Christian Worch gegründete Splitterpartei Die Rechte (DR), die NPD wie im rheinland-pfälzischen Zweibrücken mit den Rednern Uwe Meenen und Ricarda Riefling oder das größte aktive Neonazi-Netzwerk „Freies Netz Süd“ die Klinke in die Hand. Anlass sind die tödlichen Schüsse auf zwei Parteianhänger; die Suche nach den Tätern läuft unterdessen auf Hochtouren.

Die NPD-Parteipostille Deutsche Stimme widmet den griechischen Vorkommnissen in ihrer aktuellen Ausgabe gleich eine ganze Seite. Die Autorin Stella Hähnel, die einst zu den Gründungsmitgliedern der NPD-Suborganisation „Ring Nationaler Frauen“ (RNF) gehörte, schreibt dort von einer „Pogromstimmung“ gegen ihre Gesinnungsgenossen in Hellas. Der politische Gegner würde immer heftiger unter Beschuss genommen. Diese Erkenntnis gelte übrigens ebenfalls für Deutschland, so Hähnel weiter. Es gebe „auffällige Parallelen“ in den Versuchen, eine Partei „zu kriminalisieren“. Damit hat es die Funktionärin auch in diesem Beitrag geschafft, ihre NPD als Sammlung von Märtyrern, als verfolgte Opposition darzustellen. Schließlich will das Selbstbild der NPD-Unterstützer bedient sein.

Ansonsten konstruiert Hähnel eine fantasievolle Rahmenhandlung, um das Vorgehen der Behörden gegen die „Goldene Morgenröte“ zu erklären. Darin spielt das militante Erscheinungsbild der Neonazis keine Rolle – ebenso wie die Verbrechen im Parteiumfeld. Anhänger der Organisation stehen im Verdacht, immer wieder an Übergriffen auf politische Gegner oder Migranten beteiligt gewesen zu sein. Die Verfasserin ist sich nicht einmal zu schade, den Spieß umzudrehen und den Neonazis eine friedensstiftende Wirkung zu attestieren. „Seit Mitglieder der Partei ihre Präsenz in den betreffenden Stadtteilen verstärkt haben, fühlen sich viele Anwohner der betroffenen Regionen wieder sicherer, sagen Augenzeugen“. In dieser Denke fällt es leicht, dem ermordeten linken Rapper Pavlos Fyssas gleich noch eine gewisse Mitschuld für seinen Tod mit auf den Weg zu geben. Denn dieser sei als „radikaler und hasserfüllter Antifa-Aktivist“ bekannt gewesen.

Nun aber hätte die Regierung der steigenden Popularität der „griechischen Nationalisten“, die auf einen „radikalen Sprachgebrauch“, ein schonungsloses Aussprechen von Wahrheiten“ und auf das soziale Engagement zurückzuführen sei, einen Riegel vorschieben müssen. Die „vom Zaun gebrochene Hexenjagd“ sei „von längerer Hand“ geplant gewesen. Es stehe die Frage im Raum, so die DS-Schreiberin weiter, „ob der gewaltsame Tod des Rappers reiner Zufall war“. Schwer vorstellbar sei, dass „diese professionelle und durchstrukturierte Hatz nicht geplant gewesen sein soll“.

In Griechenland selbst würden ganz andere „Strippenzieher“ für die Reaktionen des „Systems“ ausgemacht. Bei einer USA-Reise sei der griechische Ministerpräsident von einer „jüdischen Lobby“ unter Druck gesetzt worden, werde in dem südeuropäischen Land orakelt. Typisch antisemitische Ressentiments und Verschwörungstheorien also, die der NPD nicht ganz unbekannt sein dürften.