Samstag, 20. September 2014

NPD-Landeschef Wieschke kommt mit einem braunen Auge davon

Für Patrick Wieschke hat das miserable Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl in Thüringen nur geringfügige Konsequenzen. Zwar wird sich der 33-Jährige aus dem NPD-Bundesvorstand zurückziehen, die Landesspitze allerdings hat dem vorbestraften Kader ihr Vertrauen ausgesprochen. Selbst Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Gewalt gegen seine Familie bleiben ohne Folgen.

Patrick Wiesche: Gewalt bleibt folgenlos (Foto: Lars Klingenberg, Archiv)

An diesem Wochenende stand für den Landeschef der thüringischen NPD, Patrick Wieschke, nicht weniger als seine politische Zukunft auf dem Spiel. In Eisenach kam die Führung der vor knapp zwei Wochen bei der Landtagswahl gescheiterten Partei zusammen, um über mögliche Konsequenzen sowie den zukünftigen Kurs zu beraten. Außerdem hielt in Berlin der Vorstand der Bundes-NPD ein Scherbengericht ab. Beobachter sind sich einig, dass die Verluste der NPD nicht nur auf das Konto der AfD gehen, sondern vielmehr hausgemacht seien.

Die kurz vor dem Wahltag von einem Rechercheblog veröffentlichen Ermittlungsakten über die dunkle Vergangenheit von Spitzenkandidat Wieschke dürften selbst für eingefleischte Unterstützer zu viel gewesen sein. Die früheren Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines 12 Jahre alten Mädchens und die Gewalt gegen seine Mutter und seine jüngere Schwester, die der heute 33-Jährige laut Akten selbst eingeräumt hatte, warfen sein sorgsam aufgebautes bürgerlich-seriöses Image endgültig über den Haufen.

Die anderen sind schuld

In den Beratungen des Landesvorstandes räumte Wieschke laut einer Parteimeldung Fehler ein. So habe er die damaligen Vorkommnisse 15 Jahre lang verschwiegen. Für die NPD scheinen die Verfehlungen ihres Spitzenmannes damit abgehakt. In gewohnter Manier suchten sie bei der Gegenseite einen Schuldigen. Es sei ein „beispielloses kriminelles Vorgehen, das mutmaßlich auf einer Kumpanei staatlicher Stellen und linkskrimineller Kreise“ basiere, dass die entlarvenden Akten an die Öffentlichkeit gelangten. Denn eigentlich hätten diese längst vernichtet sein müssen. Zusammengefasst: Die NPD hat mit einem gewalttätigen Spitzenmann keinerlei Probleme – die thüringische Parteiführung sprach dem u. a. wegen Anstiftung zu einer Sprengstoffexplosion vorbestraften Wieschke das Vertrauen aus.

Die NPD sei „keine reine Wahlpartei“ analysierten die Teilnehmer der Sitzung. Zukünftig müsse ihr sozialpolitisches Profil stärker herausgearbeitet werden, um bei den Menschen punkten zu können. Außerdem soll der Weg der Modernisierung weiter beschritten, der NPD ein „neuer Anstrich“ verpasst werden. Angesichts des massiv ins kriminelle Milieu verstrickten Personals dürfte dieser Neustart kaum gelingen.

Seine Ämter auf Bundesebene legte Wieschke hingegen nieder. Bislang gehörte er als Organisationsleiter dem Parteipräsidium an. Am Rande der Präsidiumssitzung in Berlin wurde weiterhin bekannt, dass Pressesprecher Frank Franz seine Absicht, im Herbst als NPD-Chef zu kandidieren, bekräftigt habe. Mittlerweile hat der frühere Bundesvorsitzende Udo Voigt angekündigt, ebenfalls über einen Antritt nachzudenken.