Samstag, 15. März 2014

Nicht mal für die Bundespartei von Interesse: Hamburger NPD macht Neonazi Wulff zum neuen Chef

Die Hamburger NPD hat einen neuen Chef: Nach Parteiangaben hat der bisherige Vize Thomas Wulff den Chefsessel der Gliederung von Torben Klebe übernommen. Der Bundespartei ist der Führungswechsel kein Wort wert – dort ist Wulff seit seiner Abrechnung mit der Parteiführung in Ungnade gefallen. Trotzdem dürfte sein angedachter Parteirauswurf nach dem Abgang von Holger Apfel vom Tisch sein.

Selbst die Bundes-NPD interessiert sich nicht für ihn: Der neue Hamburger Landeschef Thomas Wulff (Foto: Oilver Cruzcampo)

Seit dem Tod des früheren stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden und Hardcore-Rassisten Jürgen Rieger im Jahre 2009 war Thomas Wulff das Gesicht der Hamburger NPD, obwohl er offiziell nicht als Chef der weitgehend erfolglosen Gliederung fungierte. An deren Spitze stand Torben Klebe, der aus der Kameradschafts-Szene der Hansestadt stammt. Nach Informationen der Zeit war der Neonazi in dem vor fast 14 Jahren verbotenen Netzwerk „Blood&Honour“ aktiv, die Verbotsverfügung soll ihm persönlich zugestellt worden sein. In Mecklenburg-Vorpommern versuchte sich Klebe als Geschäftsmann, sein Rostocker Szene-Laden, den er später an den Ex-NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow abtrat, musste nach zivilgesellschaftlichen Protesten dicht machen.

Wie die NPD nun mitteilte, sei in der vorigen Woche Thomas Wulff „in gemütlicher aber gesprächsintensiver Runde“ auf den Chefsessel der hanseatischen NPD gewählt worden. Außerdem sei der weitere Vorstand neu besetzt worden, über dessen Zusammensetzung schweigen sich die Rechtsextremisten aber aus. Um die Teilnehmer vor „verwirrten und gewalttätigen selbsternannten Linken oder Antifaschisten“ zu schützen, sei hierbei „besondere Geheimhaltung“ gewahrt worden, heißt es weiter in der nur wenige Zeilen umfassenden Mitteilung auf der Webseite.

Thomas Wulff, der im Vorfeld der sächsischen Landtagswahlen 2004 in die NPD eingetreten war, galt lange als Sinnbild des Schulterschlusses zwischen NPD und den radikalen Kameradschaften. Mit Kritik hatte der einstige Weggefährte des verstorbenen Neonazi-Führers Michael Kühnen nicht gespart, weder am vorherigen NPD-Chef Holger Apfel noch an dessen Vorgänger Udo Voigt. Mit Voigt hatte sich Wulff, der sich in Anlehnung an einen SS-General gerne „Steiner“ nennen lässt, bald überworfen, was ihn seine Position als persönlicher Referent des Vorsitzenden kostete. Zuletzt hatte er in einem scharfen Brandbrief mit Apfel abgerechnet, woraufhin ihn dieser aus der Partei werfen wollte.

Schwierige Beziehung: NPD-Chef Udo Pastörs und Thomas Wulff

Die Bemühungen der NPD-Spitze, Wulff loszuwerden, dürften mittlerweile der Vergangenheit angehören. Trotzdem scheinen die Beziehungen zwischen ihm und dem Rest der NPD noch immer angespannt, wenngleich die NPD mit Udo Pastörs einen Hardliner zu ihrem Vorsitzenden machte, der Wulff ideologisch nahe stehen dürfte. Warum sonst erwähnt die Bundespartei den Hamburger Parteitag mit keiner Silbe?