Freitag, 20. März 2015

Neonazi Heise übernimmt Deutsche Stimme-Versand

Nach fast zwei Jahren Stillstand kehrt der bisherige NPD-eigene Deutsche Stimme Versand mit einem eigenen Online-Versandhandel an den Markt zurück. Die Geschäfte liegen fortan in den Händen des einschlägig vorbestraften Neonazis Thorsten Heise, der sein Business damit weiter ausbaut.

Thorsten Heise gibt die Neuigkeiten bekannt (Foto: Screenshot Deutsches Warenhaus)

Kunden des NPD-eigenen Deutsche Stimme (DS)-Verlages mussten sich bereits seit Mai 2013 in Geduld üben. Damals indizierte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) das Online-Angebot des Händlers mit Sitz im sächsischen Riesa. Ein BPjM-Gremium hatte gleich mehreren Produkten bescheinigt, den Nationalsozialismus zu verherrlichen.

„Dieses Internet-Warenangebot ist zurzeit nicht öffentlich verfügbar“, vertröstete die zugehörige Webseite Parteianhänger und Rechtsrock-Fans seitdem in knappen Worten. Fast zwei Jahre schafften es die wechselnden Geschäftsführer des DS-Verlages – derzeit schmücken sich der Ex-NPD-Landtagsabgeordnete Andreas Storr und der frühere Fraktionsmitarbeiter und Chefredakteur des gleichnamigen Parteiblattes, Peter Schreiber, mit diesem Titel – nicht, Tonträger, Bücher oder Flaggen wieder im „Weltnetz“ anzubieten.

Diese Durststrecke soll nun vorbei sein. Er habe den DS Versand aus „guten Händen“ übernommen, teilte der thüringische NPD-Landesvize Thorsten Heise den „lieben Kameraden“ kürzlich mit. Nach den Plänen des einschlägig vorbestraften Neonazis soll das „Deutsche Warenhaus“ in den nächsten Wochen auf neue Füße gestellt werden. Dazu gehöre ein erweitertes Sortiment und eine Lieferung der bestellten Ware innerhalb von 24 Stunden.

Geschäftstüchtiger Neonazi

Heise, der vor einigen Wochen als Hoffnungsträger des radikaleren Parteiflügels für das Amt des NPD-Bundesvorsitzenden im Gespräch war, erweitert mit dem neuen Standbein sein braunes Imperium. Zu diesem gehört der „WB Versand“, der bereits die „kleinen Germanen“ mit Holzschwertern, Wikingerhelmen oder Streitäxten an die „Bewegung“ binden will. Deren Eltern werden ebenfalls fündig – etwa mit Eva Hermanns Pamphlet „Die Wahrheit und ihr Preis“ zu 12,00 Euro, Kleidern von „Ansgar Aryan“ oder der aktuellen CD „das Beste der 30er und 40er und das Neuste von heute“ der berüchtigten Neonazi-Band „Kommando F[reisler, die Red.]“. Außerdem gibt der einstige Spitzenkader der verbotenen FAP mit seinem „Nordland Verlag“, der genauso wie der „WB Versand“ aus Fetterode (Thüringen) agiert, das extrem rechte Theorieorgan „Volk in Bewegung – Der Reichsbote“ heraus.

Nach Informationen des Blicks nach Rechts übernimmt der einst von dem früheren Aktivisten der verbotenen „Wiking Jugend“ (WJ) und der ebenfalls verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ), Eric Kaden, geführte „Buchdienst Kaden“ die Buchkunden der Deutsche Stimme. Kaden, vor einigen Jahren Mitarbeiter der Schweriner NPD-Fraktion, legte 2008 eine Biographie des SS-Angehörigen und Schriftstellers Kurt Eggers vor, in der er jede kritische Distanz vermissen lies. Kein Wunder, dass das Werk bald darauf indiziert wurde. Derzeitiger Inhaber des „Buchdienst Kaden“, in dessen Bestsellerliste Heinz Buschkowsky einmütig neben einem Buch über Erwin Rommel auftaucht, ist mit Dankwart Strauch ein Ex-Mitarbeiter des rechtsextremen Verlegers Dietmar Munier aus Schleswig-Holstein.

Verlag in Schieflage

Bereits seit einigen Jahren befindet sich die Deutsche Stimme in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. So seien die Umsätze zwischen 2009 und 2012 unter der Ägide der beiden Geschäftsführer Uwe Meenen und Eckart Bräuniger, der Anfang des Jaheres 2013 seinen Parteiaustritt erklärt hatte, um rund die Hälfte von 1,3 Millionen Euro auf 690.000 Euro (Schätzung) eingebrochen. Nur eine Kapitalerhöhung habe die Zukunft des Verlages gesichert. Der Verlust habe sich 2011 auf 109.000 Euro belaufen, die Verbindlichkeiten auf 260.000 Euro, wie am Rande des NPD-Bundesparteitages 2013 in Weinheim bekannt wurde.

Die Zukunft der Verlags-Immobilie in Riesa ist darüber hinaus ungewiss. Bislang unterhielten in dem Gebäude in der Geschwister-Scholl-Straße auch Landtagsabgeordnete ihre Bürgerbüros. Der Wegfall dieser Querfinanzierung nach dem Ausscheiden der NPD aus dem sächsischen Landtag dürfte weitere Löcher in die Parteikasse reißen.