Samstag, 11. Januar 2014

„König Udo“. NPD-Parteivorstand bestätigt Pastörs als Vorsitzenden

In seiner gestrigen Sitzung bestätigte der NPD-Parteivorstand Udo Pastörs als amtierenden Chef der Rechtsextremisten. Damit ist die Abkehr der Partei vom „seriösen“ Weg seines Vorgängers Apfel beschlossene Sache. Eine Hürde muss der Hardliner allerdings noch nehmen. Laut NPD-Satzung wählt der Bundesparteitag den Parteivorsitzenden – was allerdings Formsache sein dürfte.

Udo Pastörs 2012 in Schwerin (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

„Soeben wurde Udo Pastörs vom Parteivorstand als amtierender Parteivorsitzender bestätigt“ twitterte der NPD-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen, Claus Cremer, gestern Abend von der Krisensitzung des NPD-Vorstandes. Das Gremium hatte sich in Dresden getroffen, um nach dem Abgang des vorherigen Chefs Holger Apfel die Organisation wieder auf Linie zu bringen. Kurz vor Weihnachten hatte der damals 42-Jährige mit seinem Rücktritt als Bundes-Chef und Vorsitzender der sächsischen Fraktion für einen Paukenschlag gesorgt. Schnell kam ans Licht, dass die angeblich gesundheitlichen Umstände, die für diesen Schritt verantwortlich gemacht wurden, nur vorgeschoben waren. Sein Kritiker warfen dem dreifachen Familienvater Übergriffe auf zwei „Kameraden“ vor. Sogar von Erpressung war die Rede. Apfel zog die Konsequenzen und trat aus der NPD, nicht aber aus der Fraktion aus, was in den Parlamentsräumen unter seinen ehemaligen Kollegen für schlechte Stimmung sorgt.

Die Spitzen und die Basis einigten sich schnell: Einzig der Schweriner Fraktionschef Udo Pastörs sei in der Lage, die Partei aus dieser existenzgefährdenden Glaubenskrise zu führen. Der 61-jährige Hardliner hatte bereits unmittelbar nach dem Rückzug seines Vorgängers in einer Videobotschaft eine „harte Hand“ gefordert. Der mehrfach – wenn auch noch nicht rechtskräftig – verurteilte bisherige Parteivize gilt als Galionsfigur des radikalen Parteiflügels, einen engeren Schulterschluss mit den Neonazi-Kameradschaften kündigte er bereits an. Um diese Aufgabe soll sich dem Vernehmen nach Udo Voigt kümmern, der neonationalsozialistischen Aktivisten 1996 Tür und Tor der NPD geöffnet hatte. Damit dürfte der von Apfel favorisierte, wenn auch in den letzten Monaten kaum noch zur Anwendung kommende, gemäßigtere Kurs endgültig der Vergangenheit angehören.

Wie der Neonazi Dieter Riefling erfahren haben will, sei die Wahl Pastörs ohne Gegenstimme erfolgt. Ob der Bundessparteig der Rechtsextremisten in rund zwei Wochen in Saarbrücken auch in einer derart harmonischen Atmosphäre verlaufen wird, darf aber mit Fug und Recht angezweifelt werden. Vermutlich hinter verschlossenen Türen werden die Delegierten mit Apfel abrechnen. Dort muss sich Pastörs dann laut NPD-Satzung auch dem Votum der anwesenden Basis stellen – was allerdings Formsache sein dürfte.

Spannung verspricht demgegenüber die Aufstellung der NPD-Liste zur Europawahl. Mit Pastörs, Voigt und dem bayerischen Landesvorsitzenden Karl Richter, der seinen innerparteilichen Kontrahenten zuletzt „Mobbing“ vorgeworfen hatte, wetteifern drei führende Kader um den Spitzenplatz. Die Quittung hatte Richter bald kassiert: Er wurde als Chefredakteur des NPD-Parteiblattes Deutsche Stimme abserviert. Trotz seiner verstärkten Einbindung in die Gremienarbeit hat Voigt seinen Anhängern, die sich in den sogenannten Freundeskreisen sammeln, versprochen, nicht zurückziehen zu wollen.