Mittwoch, 01. Oktober 2014

Kampf um NPD-Vorsitz: Peter Marx und Hardcore-Neonazi Thorsten Heise im Gespräch

Das Kandidatenkarussell für den NPD-Vorsitz dreht sich munter weiter. Nach Pressesprecher Frank Franz erklärte vor wenigen Stunden der frühere Generalsekretär der Partei und jetzige Landeschef des Saarlandes, Peter Marx, seine Bereitschaft für einen Antritt. Chancen werden dem intern höchst umstrittenen Multifunktionär kaum eingeräumt. Dafür brachte der Neonazi Dieter Riefling einen weiteren Namen ins Spiel: Den vom BKA auf einer Liste mit Kontakten zum NSU geführten Thorsten Heise.

Als NPD-Chef im Gespräch: Neonazi Thorsten Heise

Die Liste der NPD-Funktionäre, die tatsächlich oder gerüchteweise mit dem Amt des Bundesvorsitzenden liebäugeln, wird immer länger. Zunächst hatte mit Bundespressesprecher Frank Franz ein eher dem „gemäßigteren“ Flügel zugehöriger Kader seine Ambitionen verkündet. Die Absichten des früheren saarländischen Landesvorsitzenden, der bei der Wahl der Stellvertreter auf dem letzten Parteitag noch durchgefallen war, rief sofort die radikale Strömung auf den Plan. In einem Brandbrief griff Thomas Wulff, dessen Rausschmiss aus der NPD zuletzt an einem Schiedsgericht gescheitert war, neben dem amtierenden Vorsitzenden Udo Pastörs auch „Firle-Franz“ scharf an.

Außerdem schaltete sich mit Udo Voigt, den seit dem letzten verlorenen Machtkampf gegen eine Clique um Holger Apfel, Pastörs und deren Unterstützer, mit Franz eine erbitterte Feindschaft verbindet, bald der langjährige Frontmann der NPD in die Diskussion ein. Auch er denke über eine mögliche Kandidatur nach, um an seine Amtszeit von 1996 bis 2011 anzuknüpfen, ließ der Europaabgeordnete die Medien wissen. Unter Voigt hatte sich die NPD für militante Neonazis aus den Freien Kameradschaften geöffnet. Seinerzeit erklärten Wulff, Ralph Tegethoff und auch Thorsten Heise ihren Parteieintritt.

Peter Marx vor Comeback?

Laut Parteiangaben hat sich darüber hinaus der Vorstand der NPD Saar bei seiner letzten Sitzung für Peter Marx als Kandidaten für das höchste NPD-Amt ausgesprochen. Seine Partei brauche jemanden, der sie aus der derzeitigen „Abwärtsspirale“ herausführe, erklärte der Ex-Geschäftsführer der NPD-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern. Offenbar hält sich Marx für den richtigen Mann, die Parteibasis und weite Teile ihrer Führung dürften aber anderer Meinung sein.

Erst Generalsekretär, nun Chef? Peter Marx, hier mit dem geschassten Holger Apfel (Foto: Oliver Cruzcampo)

Erst vor wenigen Monaten waren dem 57-Jährigen die Skandale seines Landesverbandes zum Verhängnis geworden. Nach der Teilnahme an einer umstrittenen Party musste er seinen Posten als Generalsekretär räumen, an der Ostsee hatte die Fraktion ebenfalls keine Verwendung mehr für Marx, der nach dem Landtagseinzug 2006 von Dresden nach Schwerin gewechselt war. In der Vergangenheit machten über das Saarbrücker Stadtratsmitglied immer wieder Spitzelgerüchte die Runde, was seinem Ansehen unter den „Kameraden“ schweren Schaden zufügte. Nicht nur deshalb dürften seine Chancen auf den NPD-Vorsitz schlecht stehen. Trotzdem bleibt Marx ein Faktor in der NPD – durch die vielen Jahre in verschiedensten Führungspositionen weiß er über die „Leichen im Keller“ bestens Bescheid.

Angesichts der Alternativen Franz und Marx könnte Udo Pastörs einen Rückzieher vom Rückzieher machen. Das berichtet zumindest der umtriebige niedersächsische Neonazi Dieter Riefling auf „Altermedia“. Möglicherweise ginge es dem gescheiterten Parteichef auch darum, nach einem Ausscheiden aus dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern 2016 eine Machtposition in der NPD zu sichern. Grundsätzlich scheinen sich Pastörs und Riefling einig: Eine nach dem Vorbild der FPÖ oder des Front National nach außen derart weichgespülte NPD, wie sie Franz und Marx anstrebten, sei nicht zu verwirklichen. In Voigt sieht der Neonazi ebenfalls keine Alternative. Die Arbeit in Straßburg als Europaabgeordneter und in Berlin als NPD-Chef sei kaum vereinbar. Dafür hat Riefling einen weiteren Namen parat: den Landesvize von Thüringen, Thorsten Heise. Dieser müsste sich aber beeilen, heute endet die Frist für die Einreichung von Wahlvorschlägen.

Mutmaßlicher NSU-Unterstützer als NPD-Chef?

Zuspruch erntet Riefling für seinen Vorschlag von beinharten Überzeugungstätern. Für die Gesamt-NPD dürfte Heise trotzdem kaum eine Option darstellen. Zu viele Verurteilungen hat der Listenzweite zur Landtagswahl in Thüringen auf dem Kerbholz. Der einstige Aktivist der verbotenen FAP und Strippenzieher im Rechtsrock-Business ist mehrfach vorbestraft, u. a. wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruch, Nötigung oder Volksverhetzung. 2007 sicherten Spezialisten der Polizei bei einer Razzia auf seinem Anwesen in Fretterode drei Waffen, darunter eine Maschinenpistole.

Der Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses in Thüringen führt Heise im Kapitel „Unterstützer“ der Rechtsterroristen. Dort heißt es auch, der Inhaber des Neonazi-Musiklabels „WB Records“ sei vom BKA auf einer Personen-Liste mit „nachgewiesenen Kontakten zu Tätern oder Beschuldigten im NSU-Prozess“ geführt worden. Mit einem gewaltbereiten Neonazi an der Spitze dürfte das fast in Vergessenheit geratene NPD-Verbotsverfahren neuen Schwung bekommen.

Andererseits wird Heise für einen weiteren NPD-Spitzenposten gehandelt. Nach dem Desaster bei der Landtagswahl in Thüringen, zu dem nicht unerheblich die Veröffentlichung der dunklen Vergangenheit von Landeschef und Spitzenkandidat Patrick Wieschke beigetragen hat, sei dieser nach Rieflings Meinung dort nicht mehr tragbar. Erste Wahl könne nur Thorsten Heise sein.

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