Montag, 30. November 2015

Hundemord durch Ausländer: NPD-Geschichte frei erfunden

„Ausländerüberfall“ hieß es auf der NPD-Seite vor knapp zwei Wochen. Im Zuge einer Handgreiflichkeit soll ein Hund durch einen Ausländer „brutal abgeschlachtet“ worden sein, die NPD wollte sich als Aufklärer inszenieren. Nun stellte sich heraus: Die Geschichte war frei erfunden, an einer Richtigstellung haben die Rechtsextremen kein Interesse.

Screenshot der mittlerweile gelöschten NPD-Mitteilung

Die Nachricht verbreitete sich auf Facebook wie ein Lauffeuer, weit über eintausend Mal wurde sie von NPD-Anhängern in dem sozialen Netzwerk geteilt. „Ausländerüberfall in Stralsund: Deutscher angegriffen, sein Hund erstochen“, titelte der NPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern am 17. November und wollte auf einen vermeintlichen Skandal aufmerksam machen. Zur Erinnerung: Die Rechtsextremen griffen den Vorfall als erste auf, zuvor hatte niemand Kenntnis von solch einer Begebenheit gehabt.

„Es ist bekannt, daß Hunde im Islam als unrein gelten. Drei Ausländer haben jetzt in Stralsund ernst gemacht und den Hund eines Deutschen brutal abgeschlachtet...“ – die Stoßrichtung der NPD-Mitteilung ist schon anhand der Schlagworte des ersten Satzes deutlich zu erkennen. Ressentiments gegenüber Ausländern und Flüchtlingen sollen weiter geschürt, der Hass weiter befeuert werden. Und Sympathisanten des Landesverbandes sprangen auf die Steilvorlage an, der Beitrag verbreitete sich rasant auf Facebook, die Gewaltaufrufe ließen nicht lange auf sich warten.

#FaktengegenHetze Ja, ja, die NPD MV und ihre Lügengeschichten:Da behauptet die NPD auf ihrer Landesverbandsseite, das...

Posted by Rostock nazifrei on Montag, 30. November 2015


Selbst die Polizei sah sich veranlasst, auf den Vorfall zu reagieren. Es wurden zwei Pressemitteilungen veröffentlicht. So hieß es von Seiten der NPD, dass „drei dunkelhäutige Ausländer“ in den Vorfall verwickelt gewesen seien. In der Veröffentlichung der Polizei, die auf der Strafanzeige des vermeintlichen Opfers basierte, war davon plötzlich keine Rede mehr. Später wurde der zuerst verschollene Hund zur Begutachtung nach Rostock geschickt, die Ermittlungen liefen derweil weiter.

Wie eine Sprecherin gegenüber ENDSTATION RECHTS. mitteilte, hätte der Mann jetzt zugegeben, dass sich die Geschichte gänzlich anders zugetragen hatte. So seien in den Vorfall keine „drei dunkelhäutigen Ausländer“, sondern offenbar ein deutscher Gast verwickelt gewesen. Alkohol war im Spiel. Dann hätte der Gast auf den Hund eingestochen. Nun ermittelt die Polizei wegen Vortäuschens einer Straftat gegen den 33-jährigen Mann aus Stralsund.

Und die NPD? Die löschte den Beitrag kommentarlos, an einer Richtigstellung besteht offenbar kein Interesse.

Update, Mittwoch, 15:50 Uhr

Da der Fall auch von überregionalen Medien aufgegriffen wurde, veröffentlichte die NPD schließlich doch eine Stellungnahme. Dabei geben die Rechtsextremen erneut vor, mehr Informationen als der Rest der Presselandschaft vorliegen zu haben.

Der Mann, der sich die Geschichte mit dem Übergriff von ausländischen Personen nur ausgedacht haben soll, sei laut NPD während der Befragung durch die Polizei „zusammengebrochen“ und würde nur das erzählen, „was Polizei, Politik und Medien von ihm hören wollten.“ Einen Beleg für die steile These bleibt die NPD schuldig. Weiterhin sei es sogar „wahrscheinlich“, dass die ursprüngliche Version der Geschichte doch der Wahrheit entspräche.

Eine Sprecherin der Polizei weist die Vorwürfe auf Nachfrage als „völlig haltlos“ zurück.