Mittwoch, 12. März 2014

Hochmut kommt vor dem Fall: Bruchlandung für NPD-„Nachwuchsstar“ Patrick Kallweit

Mit einem lauten Knall ist die Nachwuchshoffnung der niedersächsischen NPD, Patrick Kallweit, auf dem harten Boden der Realität gelandet. Bei den Stadtratswahlen in seiner Heimatstadt Goslar verlor er am Wochenende sein Mandat – nur 0,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler wollten den „Seriös Radikalen“ in der Volksvertretung sehen. Entnervt schmiss der umtriebige Funktionär das Handtuch und kehrte seinem Heimatverband den Rücken.

Patrick Kallweit (Foto: Oliver Cruzcampo)

„Wenn am 9. März zum Auftakt des Wahljahres 2014 in Goslar ein neuer Rat zu wählen ist, stimmen die Rahmenbedingungen mehr als zuversichtlich. […] Die Vorzeichen für einen kleinen Paukenschlag im Westen und den Einzug mit Fraktionsstatus, der in Niedersachsen per Gesetz schon bei zwei Mandaten festgeschrieben ist, stehen gut.“ Die Goslaer NPD konnte vor Kraft kaum laufen, als diese Zeilen Anfang März im Parteisprachrohr Deutsche Stimme veröffentlicht wurden. Doch das politische Geschäft ist schnelllebig und die Truppe um den NPD-„Nachwuchsstar“ Patrick Kallweit erlebt ein Desaster, das in der jüngeren Parteivergangenheit seinesgleichen sucht.

Niederschmetterndes Ergebnis

Bei der Auszählung der Stimmen wurden die Sorgenfalten auf der Stirn des früheren Wirtschaftsgymnasiasten tief und tiefer. Laut dem offiziellen Endergebnis bei der Wahl zum Stadtrat von Goslar erhielt Kallweit, der als Referent für die sächsische NPD-Landtagsfraktion arbeitet, nur 241 Stimmen oder 0,5 Prozent. Auf die NPD-Liste insgesamt entfielen 1,04 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 38 Prozent.

Das Resultat reichte nicht einmal aus, um den einen Sitz der NPD zu verteidigen; das Bundesvorstandsmitglied der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) büßte sein Mandat ein. Besonders enttäuschend seien die Resultate in einigen Wahllokalen gewesen, in denen die NPD nicht einmal die Ein-Prozent-Marke habe überwinden können, teilte er am Abend über Facebook mit. Bei der vorgezogenen Bürgermeisterwahl vor sechs Monaten hatte der NPD-Führungskader, der sich nach eigener Aussage bereits mit 17 Jahren ein Parteibuch ins Regal stellte, 6,8 Prozent gewonnen – allerdings als einziger Gegenkandidat gegen das aktuelle Stadtoberhaupt Oliver Junk (CSU).

„Nachwuchshoffnung“ wirft hin

Am Folgetag ließ die umtriebige NPD-Nachwuchskraft dann die Bombe platzen. Auf seiner Webseite kündigte der bei der Wahl seiner Kleidung auf den Spuren von NPD-„Dressman“ Frank Franz wandelnde Kallweit an, sein Kreistagsmandat ebenfalls niederzulegen. „Darüber hinaus werde ich in Niedersachsen und Goslar ab sofort für keine Funktion mehr zur Verfügung stehen“, machte er Nägel mit Köpfen. Für seinen Rückzug machte Kallweit „innerparteiliche Flügelkämpfe“ in seinem Kreisverband verantwortlich. „Zweifelhafte Methoden und unkameradschaftliche Umgangsformen seitens einiger Landesvorstandsmitglieder“, so der Jungfunktionär weiter, „führten zu unüberbrückbaren Differenzen.“ Vom Landesvorstand, an dessen Spitze der dem gemäßigten NPD-Flügel zugehörige Ulrich Eigenfeld steht, habe es keine Unterstützung für den Wahlkampf gegeben.

Damit verliert die niedersächsische NPD, von der ohnehin kaum Impulse ausgehen, ihren einzig wahrnehmbaren Aktivposten. Die von Kallweit angeschnittenden parteiinternen Differenzen dürften den Verband zusätzlich lähmen. Vermutlich wird sich der „Seriös Radikale“ zukünftig auf seine Aufgaben in Dresden und bei den NPD-Junioren konzentrieren. Aber an der Elbe droht ihm ein weiterer Rückschlag. Fliegt die NPD am 31. August aus dem Landtag – und hiernach sieht es derart aus – verliert der 28-Jährige auch seinen Job.