Mittwoch, 15. Januar 2014

Geprügelt und gewürgt: NPD-Funktionär wegen Misshandlung seiner Stieftöchter vor Gericht

+ + Mit Nachtrag + + Vor dem Pirmasenser Amtsgericht muss sich derzeit der NPD-Funktionär Sascha Wagner verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 41-Jährigen vierfache Körperverletzung vor – begangen an seinen heute 15 und 17 Jahre alten Stieftöchtern. Dabei blickt das ältere der beiden Mädchen auf eine schwere Kindheit zurück. Im Alter von 13 Jahren zeugte sie mit einem NPD-Wahlkampfhelfer ein Kind, der dafür 32 Monate hinter Schloss und Riegel wanderte.

Transparent auf einer NPD-Demo in Schwerin (Foto: ENDSTATION RECHTS.)

Den Beginn seiner vierten oder fünften politischen Karriere hatte sich der NPD-Aktivist eigentlich anderes vorgestellt. Vor wenigen Wochen war der frühere Vorsitzende der NPD Westpfalz als Beisitzer in den saarländischen Landesvorstand gewählt worden. Warum der 41-Jährige das Bundesland und die Funktion gewechselt hatte, darüber schwieg er sich aus. Auf diversen Neonazi-Seiten wurde ihm gegenüber allerdings der Vorwurf erhoben, eine für den Wahlkampf bestimmte Spende in Höhe von 1.000 Euro unterschlagen zu haben.

Die Anschuldigungen blieben folgenlos. Möglicherweise, weil einige Spitzenkader der Partei ihre schützende Hand über den einstigen Geschäftsführer der rheinland-pfälzischen NPD hielten, wie das Vorstandsmitglied Ricarda Riefling vermutete. Der umtriebige frühere Organisator von Rechtsrock-Konzerten gehörte laut NIP Sachsen seinerzeit zum ersten Mitarbeiterstab der sächsischen NPD-Fraktion. Dieses Netzwerk dürfte dem nach Informationen des BNR u. a. wegen Körperverletzung und Beleidigung verurteilten Ex-JN-Spitzenaktivisten bis heute hilfreich sein. Enge Seilschaften bestanden besonders zu Peter Marx. 

Vielleicht auch deswegen schaffte es Wagner in den NPD-Vorstand – die Personaldecke ist im kleinsten Bundesland besonders dünn. Allerdings dürfte der Mannschaft um den Landesvorsitzenden Marx, der nach der Absage des geplanten NPD-Bundesparteitages in Saarbrücken in der Partei unter Druck geraten ist, und seines Vize Peter Richter langsam dämmern, dass sie mit Wagner eine tickende Zeitbombe in dem Gremium platziert haben. Denn das frühere Kreistagsmitglied – sein Mandat soll er mittlerweile niedergelegt haben – muss derzeit auf den harten Anklagebänken im Pirmasenser Amtsgericht Platz nehmen. Vertreten wird er von der Anwältin des mutmaßlichen NSU-Unterstützers, Ralf Wohlleben, Nicole Schneiders. An acht Sitzungstagen möchte die Kammer herausfinden, ob der Angeklagte für vier Körperverletzungen verantwortlich ist. Dabei soll er nicht fremde Personen angegangen haben, sondern die beiden heute 15 und 17 Jahre alten Töchter seiner Ehefrau.

Die Printausgabe der Pirmasenser Zeitung berichtet, Wagner habe laut Anklage die beiden Mädchen beschimpft, geschlagen, getreten und gewürgt. Außerdem soll er seine Opfer gegen eine Tür gestoßen oder an den Haaren durch das Zimmer geschleift haben. Später wurden sie vom Jugendamt aus der Familie geholt. Der Maßnahme vorausgegangen war eine weitere Straftat. Die Ältere hatte mit einem mindestens zehn Jahre älteren ehemaligen NPD-Wahlkampfhelfer ein Kind gezeugt. Zum Tatzeitpunkt hatte der einschlägig vorbestrafte Neonazi auf die beiden Stiefkinder von Wagner aufgepasst. Erst im November hatte das Landgericht Zweibrücken seine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs zu zwei Jahren und acht Monaten bestätigt.

Die gestrige Verhandlung gegen Wagner jedenfalls musste nach rund sieben Stunden, in denen zahlreiche Zeugen befragt wurden, abgebrochen werden. Der NPD-Funktionär, der krankheitsbedingt auf Hartz IV angewiesen sein soll, konnte der Verhandlung aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr folgen. Die Verhandlung wird am 20. Januar fortgesetzt; ein Urteil wird für den 14. März erwartet.

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Nachtrag vom 3.7.2015:

Wie der ENDSTATION RECHTS.-Redaktion zwischenzeitlich bekannt wurde, ist das Strafverfahren gegen Sascha Wagner wegen des Verdachts der Körperverletzung zum Nachteil seiner Stieftöchter gegen Zahlung einer Geldauflage endgültig eingestellt worden.