Dienstag, 25. Februar 2014

Ex-AfD-Mitglied mit Neonazi-Vergangenheit heuert bei NPD an

Er gilt als „Macher“ der ausländerfeindlichen Proteste in der thüringischen Kleinstadt Greiz: David Köckert. Nach eigener Aussage war Köckert bis vor Kurzem Mitglied der AfD, nun hat er sich der NPD angeschlossen. Dort trifft er auf einen Gesinnungsgenossen mit ebenso brauner Vergangenheit. Den verurteilten Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, Patrick Wieschke.

David Köckert in der NPD-Geschäftsstelle (Foto: Screenshot)

Die Alternative für Deutschland (AfD), so wie sie derzeit in Thüringen aufgestellt sei, sei zu „keiner Politik fähig“, versichert David Köckert im Gespräch mit dem NPD-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten der Rechtsextremisten zur Landtagswahl im Freistaat, Patrick Wieschke. Der Unternehmer, nach eigenen Angaben zuvor Mitglied der AfD, sei „maßlos enttäuscht“, denn seine frühere Organisation sei nicht in der Lage, im Landtag oder in den Kommunen mitzuregieren, heißt es in dem Propagandavideo weiter. Die „Katastrophe“ habe er mit eigenen Augen am 1. Februar in Erfurt gesehen, so der mutmaßliche Organisator der fremdenfeindlichen Protestumzüge gegen ein Flüchtlingswohnheim in der knapp über 21.000 Einwohner zählenden Stadt Greiz weiter. Deshalb verlasse er die Truppe um Bundessprecher Bernd Lucke und heure bei der NPD an. Zufrieden überreicht Wieschke daraufhin den Parteiausweis. Er freue sich auf eine „erfolgreiche Zusammenarbeit“.

Die nun besiegelte Kooperation kommt keinesfalls überraschend. Im November letzten Jahres schloss sich die NPD der Demonstration der vermeintlichen „Bürgerinitiative gegen ein Asylheim“ an, Landeschef Wieschke durfte einen Redebeitrag beisteuern. Im Zusammenhang mit der Entstehung von neuen Asylbewerberwohnheimen sprach der strafrechtlich einschlägig in Erscheinung getretene Neonazi von einem „Flächenbrand“. Er bellte weiter seine Parolen wie „Asylflut stoppen“ in die Runde der geschätzten 100 Zuhörer. Außerdem schreckte er nicht davor zurück, den Schlachtruf der friedlichen Revolution von 1989 – „Wir sind das Volk“ – für seine Zwecke zu instrumentalisieren.

Facebook-Seite der „Bürgerinitiative Greiz“ (Foto: Screenshot)

Ex-AfD-Mitglied mit braunen Flecken auf der Weste

Wieschke und Köckert verbindet mehr, als man auf den ersten Blick erahnen mag. Recherchen des MDR-Magazins „exakt“ zufolge blickt das ehemalige AfD-Mitglied auf eine braune Vergangenheit zurück. Er habe sich nicht nur wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten müssen, sondern habe sich auch im Umfeld des in Deutschland seit 2000 verbotenen militanten Neonazi-Netzwerkes „Blood&Honour“ bewegt. Der Staatsschutz habe den Hetzer jahrelang als Rechtsextremisten eingeordnet.

So darf auch Wieschke mit Fug und Recht bezeichnet werden. Der aus der Kameradschaftsszene stammende Bundesorganisationsleiter der NPD trat eigenen Angaben zufolge bereits mit 16 Jahren in die NPD ein. Schlagzeilen machte der 32-Jährige, seit Mai 2012 Landeschef, aber vor allem durch einen anderen Vorfall. 2002 war Wieschke, der zugleich der NPD-Fraktion im Eisenacher Stadtrat vorsitzt, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, da er eine Gruppe Gesinnungsgenossen zu einem Sprengstoffanschlag auf einen Imbiss angestiftet hatte.

Für die Mobilisierung gegen das Greizer Flüchtlingswohnheim kann sich Köckert auf die Unterstützung seiner „Kameraden“ verlassen. Mit Kevin P. und Rico Döhler, beide sollen der rechtsextremistischen „Revolutionären Nationalen Jugend Vogtland“ (RNJ) angehören, unterstützen ihn nach MDR-Informationen weitere regional bekannte Neonazis. Dass die Unterkunft nur eine Zwischenlösung sein soll, stört den Unternehmer und seine Mitstreiter nicht. Ebenso ficht sie nicht der Vorfall aus dem Jahre 2003 an, als einige braune Gewalttäter versuchten, eine anderes Wohnheim in Brand zu stecken.

AfD - „Wir sind die Guten“. Wirklich?

AfD zunehmend in Erklärungsnot

AfD-Sprecher Lucke hingegen hat Probleme ganz anderer Art: Zwar versichert der Volkswirtschafts-Professor gebetsmühlenartig, seine Partei halte Distanz zu rassistischem Gedankengut, doch mehrere Fälle aus den zurückliegenden Wochen und Monaten ziehen diese Darstellung in Zweifel. Nicht nur, dass eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung (pdf-Dokument) den Euroskeptikern „wohlstandschauvinistische, marktradikale wie zum Teil auch nationalistische und kulturalisierende Tendenzen“ bescheinigte, in Mecklenburg-Vorpommern sorgt derzeit auch ihr Landeschef Holger Arppe für Wirbel. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Dass nun die AfD-Vergangenheit des neuen NPD-Migliedes Köckert öffentlich wird, dürfte Lucke, der selbst zu Beginn des Jahres Sinti und Roma als „unerwünscht“ bezeichnet hatte, neue Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Titelfoto: Screenshot YouTube