Freitag, 10. Januar 2014

Dort, wo er gegen die „Judenrepublik“ hetzte: Pastörs Krönung zum NPD-Chef in Saarbrücken?

In gut zwei Wochen steht für die NPD ein Parteitag mit richtungsweisendem Charakter an. Nach dem unrühmlichen Abgang von Ex-Chef Holger Apfel soll der Schweriner Scharfmacher Udo Pastörs den Karren aus dem Dreck ziehen. Der 61-Jährige kündigte schon einmal vorsorglich an, wieder den Schulterschluss mit den Kameradschaften suchen zu wollen. Als Tagungsort ist offenbar die saarländische Hauptstadt Saarbrücken im Gespräch. Genau dort, wo der Hardliner 2009 gegen die „Judenrepublik“ sowie „ausländische Samenkanonen“ hetzte.

Udo Pastörs und Holger Apfel - hier noch gemeinsam (Foto: Oliver Cruzcampo)

Der kommende Bundesparteitag der NPD stand von vornherein unter keinem guten Stern. Auf dem Treffen sollten die Delegierten – so die ursprüngliche Planung – die NPD-Liste zur Europawahl im kommenden Mai aufstellen. Um die Spitzenkandidatur war allerdings ein Dreikampf ausgebrochen, in dem vor persönlichen Anfeindungen nicht zurückgeschreckt wurde. Der bayerische Landeschef Karl Richter warf einer Clique um den mittlerweile geschassten Bundesvorsitzenden Holger Apfel und den Generalsekretär der Partei, Peter Marx, vor, seine Kandidatur hintertrieben zu haben. Ziel sei eine Verbesserung der Chancen von Udo Pastörs gewesen. In einer Email bezeichnete Richter seine Parteifreunde als „unkameradschaftliche, intrigante und defizitäre Charaktere“. Zusätzlich hatte der einstige Frontmann der Partei, Udo Voigt, Ambitionen auf den Spitzenplatz angemeldet.

Wo sich die Parteianhänger – wohl hinter verschlossenen Türen – die Köpfe einschlagen wollten, war bis zuletzt nicht bekannt. Der unrühmliche Rückzug des seit 2011 amtierenden Bundesvorsitzenden Holger Apfel, dem seine innerparteilichen Gegner mindestens einen Übergriff auf einen jungen „Kameraden“ vorwerfen, hat dem Treffen zusätzliche Brisanz verliehen.

Zukünftig wird mit dem Schweriner Fraktionsvorsitzenden Pastörs ein ausgewiesener Hardliner die NPD führen. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt lässt sich die Handschrift des 61-Jährigen erkennen: Gegenüber der Süddeutschen Zeitung kündigte der wegen Volksverhetzung verurteilte Kader an, wieder verstärkt die Nähe der Neonazi-Kameradschaften suchen zu wollen, die sich unter Apfel vorübergehend vom „parlamentarischen Arm des nationalen Widerstandes“ abgewandt hatten. Deshalb soll auch sein anderer Widersacher um den Platz in Straßburg, Udo Voigt, wieder verstärkt in die Arbeit des Spitzengremiums einbezogen werden.

Als Austragungsort der NPD-Zusammenkunft ist nach Informationen des SR der Saarbrücker Stadtteil Schafbrücke im Gespräch. In der dortigen Festhalle finden immer wieder Veranstaltungen der Partei statt. Am 1. Dezember führte der saarländische Landesverband hier seinen Parteitag durch, auf dem Peter Marx als Vorsitzender bestätigt wurde. Als neuer Vize fungiert der Saarbrücker Rechtsanwalt Peter Richter, der den Posten von Bundespressesprecher Frank Franz übernimmt. Richter ist zugleich Bevollmächtigter der NPD im Verbotsverfahren. Musikalisch umrahmt wurde das Treffen vom ehemaligen NPD-Bundespräsidentenkandidaten und Neonazi-Barden, Frank Rennicke.

Ironie der Geschichte: Damit würde Pastörs an dem Ort zum neuen NPD-Chef gekrönt werden, an dem er vor knapp vier Jahren seine berüchtigte „Aschermittwochsrede“ hielt und mit derben Worten gegen die „Judenrepublik“ sowie „ausländische Samenkanonen“ hetzte. Diese Hasstiraden machten den vorherigen Bundesvize nicht nur zum unfreiwilligen Gast auf den harten Anklagebänken saarländischer Gerichte, sondern zementierten auch seinen Ruf als fanatischer „völkischer Taliban“ (so der NPD-Aussteiger Andreas Molau).

Das Vorsitzende der saarländischen Jusos, Philipp Weis, machte gegenüber ENDSTATION RECHTS. auch das fehlende öffentliche Interesse und die lasche Vergabepraxis der Behörden für die Aktivitäten der Neonazi-Szene in der Landeshauptstadt verantwortlich. „Die NPD kann auf mehrere Veranstaltungsorte im Saarbrücker Umland zurückgreifen und nutzt diese eifrig“, sagte der Nachwuchspolitiker. Zugleich stellte Weis Gegenproteste in Aussicht.