Donnerstag, 20. März 2014

„Do not miss this when unique event, when the youth will comes together“: NPD-Nachwuchs gibt sich mit „Europakongress“ weltoffen

Am Samstag wird der NPD-Nachwuchs Junge Nationaldemokraten (JN) den Wahlkampf zur Europawahl einläuten. Obwohl die Parteijugend als Austragungsort den „Großraum Leipzig“ für ihren „Europakongress“ bewirbt, deuten einige Indizien auf das thüringische Kirchheim als Treffpunkt hin. Dort wollen sich verschiedene rechtsextremistische Organisationen aus zahlreichen Ländern versammeln, um den „Schulterschluss“ zu suchen. Probleme dürfte die Kommunikation zwischen den „Kameraden“ bereiten, legt man das holprige Englisch in einem JN-Mobilisierungsvideo zugrunde.

JN-Chef Andy Knape: Im Zweitberuf Dolmetscher? (Foto: Oliver Cruzcampo)

Seit Kurzem verbreitet die NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) über ihre Webseite sowie in den Sozialen Medien ein Mobilisierungsvideo, in dem ihr Chef Andy Knape zur Teilnahme am „Europakongress“ des Parteinachwuchses für den kommenden Samstag aufruft. Mit der Veranstaltung solle der Europawahlkampf auf „Touren gebracht“ werden, teilten die JN bereits vor einem Monat mit. Von dem Treffen werde, sind sich die Organisatoren sicher, ein „gemeinsames, starkes und wichtiges Zeichen“ ausgehen. Das Treffen diene der Vernetzung und sei als „Symbol des Schulterschlusses der europäischen Nationalen“ zu verstehen.

Die NPD-Junioren hatten in der Vergangenheit mehrere Anläufe für ähnliche Veranstaltungen unternommen. 2007 scheiterten die Planungen allerdings an zivilgesellschaftlichem Widerstand, berichtet der Blick nach Rechts. Damals konnten die Veranstalter in Sachsen keine geeigneten Räumlichkeiten finden. In den neunziger Jahren, unter der Ägide des damaligen JN-Vorsitzenden und mittlerweile aus der Partei ausgetretenen Holger Apfel, seien aber Tagungen ausgerichtet worden.

Neonazis aus zahlreichen Ländern angekündigt

Nach Parteiangaben sind für Samstag folgenden Organisationen angekündigt: „Chrysi Avgi“ (Goldene Morgenröte, Griechenland), „Blocco Studentesco“ (Studenten- und Schülerblock) aus Italien, die „Identitäre Bewegung Deutschland“, die „British National Party“ (BNP, Großbritannien), für die der Europaparlamentsabgeordnete Nick Griffin anreisen wird, „Nordisk Ungdom“ (Nordische Jugend, Schweden), „Nationalistisch Studentenverbond“ (Nationalistische Studentenvereinigung, Belgien), „Danskernes Parti“ (Partei der Dänen), die antisemitische „Europäische Aktion“, „Prawy Sektor“ (Rechter Sektor, Ukraine), „Delnická strána sociální spravedlnosti“ (Arbeiterpartei für soziale Gerechtigkeit, Tschechien) und „Svenskarnas parti“ (Partei der Schweden).

Screenshot (Facebook) der JN-Veranstaltung

Zumindest die „Identitäre Bewegung Deutschland“ streitet über Facebook ihre Teilnahme ab. „Wir wissen nicht, warum man zum wiederholten Male mit hinterhältigen Mitteln versucht eine Zusammenarbeit zu erzwingen. Wir sagen es noch einmal mit aller Deutlichkeit: Diese Zusammenarbeit wird es nicht geben!“, gibt sie bekannt. 

Verwirrspiel um Tagungsort

Wo der JN-„Europakongress“ stattfinden wird, ist bis zuletzt unklar. Der NPD-Nachwuchs jedenfalls mobilisiert konspirativ in den „Großraum Leipzig“. Demgegenüber verdichten sich die Hinweise, dass die Rechtsextremisten im thüringischen Kirchheim zusammenkommen werden. Die dortige „Erlebnisscheune“ gehört zu den am häufigsten genutzten Treffpunkten der NPD. Zuletzt stellte der Landesverband Thüringen hier seine Liste zur Landtagswahl auf, außerdem kürte die Bundespartei ihren Spitzenkandidaten zur Europawahl, Udo Voigt, in dem kleinen Hinterhofgastraum. Der wegen Volksverhetzung vorbestrafte Voigt wird zu der JN-Veranstaltung eine Rede beisteuern – ebenso wie der zweite aussichtsreiche NPD-Kandidat, Olaf Rose. Am Rande des Landesparteitages der „Kameraden“ aus Thüringen soll Andy Knape vor Ort die ersten Gespräche geführt haben.

JN stellt mit Video ihre Internationalität unter Beweis

Fraglich ist darüber hinaus, wie viele Neonazis der Fraktionsmitarbeiter Knape tatsächlich begrüßen darf, die den Eintrittspreis von 15 Euro entrichtet haben. Ausländische Gäste dürften sich von dem eingangs erwähnten Video ohnehin kaum angesprochen werden. Die Englischkenntnisse der Hobbyfilmer jedenfalls sind mehr als dürftig: „Do not miss this when unique event, when the youth will comes together“ [sic!].