Montag, 15. Februar 2016

Demo-Anmeldung in Gröditz: NPD heizt Stimmung weiter an

Nach gut einer Woche sind die Hintergründe des Überfalls auf zwei Fußballer in Gröditz nach wie vor ungeklärt. Dennoch versuchen zahlreiche rechte Gruppierungen aus dem Vorfall politisches Kapital zu schlagen und sehen ihre fremdenfeindlichen Ansichten bestätigt. Für kommenden Mittwoch mobilisiert die NPD nun zu einer Anti-Asyl-Demonstration in der Kleinstadt.

Foto: Fare network, CC BY-NC 2.0

Was genau in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar geschah, ist bis heute unklar. Am Montagmorgen hatte der Amateur-Fußballverein SV Frauenhain über Facebook eine Meldung veröffentlicht, in der mitgeteilt wurde, dass zwei Spieler des Vereins von einer 20-köpfigen Gruppe Nordafrikanern mit Eisenstangen bewaffnet gejagt und krankenhausreif geschlagen“ worden seien.

 

Erhebliche Zweifel an Tathergang

Eine Welle der Empörung breitete sich vor allem in sozialen Netzwerken aus. Schnell wurden Anwohner der naheliegenden Asylbewerberunterkunft als vermeintliche Täter identifiziert. Doch noch am Montag kamen erhebliche Zweifel am von den Opfern dargestellten Tathergang auf, nach dem die beiden Fußballer nur Zigaretten an einem Automaten nahe der Unterkunft holen wollten und dann überfallen worden seien.

Die Polizei teilte mit, dass beide Männer „erheblich alkoholisiert“ gewesen seien. Kurz darauf tauchten Zeugen auf, die angaben, die beiden Männer mit einer weiteren Person pöbelnd vor der Gebäude der Asylbewerberunterkunft gesehen zu haben. Laut dem Tagesspiegel hätten die Männer rassistische Parolen gegrölt und gefordert, dass die „verfickten Neger“ herauskommen sollen. Danach seien wohl in der Tat Männer aus der Unterkunft auf die Straße gekommen und es habe die tätliche Auseinandersetzung gegeben. Bis heute ist der genaue Ablauf des Abends ungeklärt und die Täter sind nicht gefasst.

Rassistische Stimmungsmache im Ort

Gleich nach Bekanntwerden des Vorfalls versuchten rechte Gruppen das Geschehen für ihre ausländerfeindlichen Parolen auszunutzen. So forderte der Pressesprecher der „Jungen Alternative Meißen“, der Jugendorganisation der AfD: „Auf die Anklagebank gehört daher neben den Angreifern auch die Bundesregierung, die außer Symbolpolitik nichts gegen die unkontrollierte Masseneinwanderung unternimmt.“ Auch die Pegida-Organisatoren meldeten sich via Facebook zu Wort und echauffierten sich darüber, dass die Polizei angeblich nicht über die Tat informiert habe. Das sei aber nicht verwunderlich, „schließlich darf man auch diese Gewalttaten nicht in Zusammenhang mit den Gästen der Kanzlerin bringen“.

Die NPD darf in dieser Gruppe nicht fehlen. So schrieb der ehemalige sächsische Landtagsabgeordnete und Meißner NPD-Kreisrat Jürgen Gansel ebenfalls über Facebook: „Deutsche sind jetzt schon in sächsischen Kleinstädten Freiwild für die kulturfremden Asylbetrüger!“ Die Partei hat außerdem für kommenden Mittwoch eine Demonstration unter dem Motto „Ausländergewalt stoppen! Asylbetrüger abschieben! Heimat schützen!“ angemeldet.

Starten soll der Demozug um 18.30 Uhr auf dem Gröditzer Marktplatz. Die weiterhin ungeklärten Tatumstände scheinen der NPD keinen Abbruch zu tun. Im Vordergrund stehen pauschale Verurteilungen und rassistische Hetze. So würden die Rechtsextremen den „feigen Angriff von nordafrikanischen Asylbetrügern“ nicht hinnehmen wollen.

Der SV Frauenhain hat seinen Facebook-Eintrag vom 7. Februar mittlerweile gelöscht. In der Stadt haben derweil Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos), die beiden Pfarrer Christian Thiele und Walter Lechner sowie Gerlinde Franke vom Bereich Migration der Diakonie und Norbert Ehme, Vorsitzender vom Bündnis für Demokratie und Zivilcourage eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin wollen sie den Gewaltakt nicht rechtfertigen, aber vor der polarisierenden Stimmung in Gröditz warnen. In dem Schreiben wird dargestellt, dass die Provokation wohl von den späteren Opfern ausgegangen sei, man für weitere Angaben den Abschluss der polizeilichen Ermittlungen abwarten müsse.

Schließlich richten sie sich mit der Bitte „um Besonnenheit, Fairness und Ehrlichkeit im Umgang mit den verfügbaren Fakten sowie um ein gewaltfreies Verhalten in Wort und Tat, das dem Miteinander dient“ an die Bürger und warnen vor Instrumentalisierungsversuchen Rechtsextremer.