Dienstag, 11. März 2014

Bürgermeisterwahl in Mönchengladbach: NPD setzt auf greisen Holocaust-Leugner

Die Personalnot der nordrhein-westfälischen NPD ist groß. Für die Wahl zum Oberbürgermeister von Mönchengladbach schickt die Gliederung von Claus Cremer den 87-jährigen Udo Walendy ins Rennen. In der Szene hat das Parteiurgestein einen guten Ruf – er ist wegen Holocaustleugnung mehrfach verurteilt.

NPD-Fahne (Foto: Oliver Cruzcampo)

Udo Walendy hat schon bessere Tage seiner Partei gesehen. Der frühere NPD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen erklärte bereits im Gründungsjahr 1964 seinen Eintritt in die NPD, gab sein Parteibuch später aber wieder zurück. Schnell setzte die neue Kraft einen bis dahin ungekannten Höhenflug an, zeitweise sah es gar danach aus, als könnte sie das festgefahrene, aus Union, SPD und FDP bestehende Drei-Parteiensystem aufbrechen. Innerhalb von vier Jahren zog die NPD in sieben westdeutsche Landesparlamente ein und erkämpfte sich annähernd 500 kommunale Mandate. Im sozialdemokratisch geprägten Nordrhein-Westfalen verharrten die Rechtsextremisten allerdings auf Splitterparteien-Niveau, ihr bestes Ergebnis erzielten sie 1970 mit 1,1 Prozent.

Die NPD der späten sechziger, frühen siebziger Jahre ist mit der heutigen kaum vergleichbar. Sie segelte damals vielmehr in deutsch-nationalen Fahrwassern und war mittelstandsorientiert – trotz des vergleichsweise höchsten Anteils an ehemaligen NSDAP-Mitgliedern und sonstigen Nationalsozialisten in ihren Reihen. Aggressiv-systemfeindliche oder klassenkämpferische Rhetorik war eher die Ausnahme als die Regel. Der zweite NPD-Bundeschef Adolf von Thadden wollte nach eigenem Bekunden „die krummen Hunde vor der Tür lassen“. Walendy wiederum galt eher als Vertreter des radikalen Parteiflügels um den bayerischen Landesvorsitzenden Siegfried Pöhlmann, der nach verlorener Kraftprobe die „Aktion Neue Rechte“ (ANR) gründete.

Greiser Holocaust-Leugner soll die Kohlen aus dem Feuer holen

Bekannt wurde der diplomierte Politikwissenschaftler Walendy vor allem wegen seiner geschichtsrevisionistischen Schriften. In seinem Verlag, den er 1999 an seine Ehefrau übergab, erschienen laut Holocaust-Referenz zahlreiche Werke, in denen die Kriegsschuld Deutschlands und der Holocaust bestritten werden, unter anderem „Starben wirklich sechs Millionen?“ von Richard Harwood und „Der Jahrhundertbetrug“ von Arthur Butz. Im Laufe seines Lebens wurde der 87-Jährige mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt und verbüßte einige Monate im Gefängnis.

Der vorübergehende Vorsitzende des verbotenen „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ (VRBHV) soll für die NPD bei der Oberbürgermeisterwahl am 25. Mai in Mönchengladbach die Kohlen aus dem Feuer holen. Selbst wenn Landeschef Claus Cremer, ebenfalls wegen Volksverhetzung vorbestraft, die Kandidatur des Parteiurgesteins überschwänglich feiert, ist sie nicht mehr als Ausdruck des dünnen Personaltableaus der NRW-NPD. Daran kann das Engagement ehemaliger REP-Hinerbänkler nichts ändern. Nach dem weitgehend unbekannten Landesvorstandsmitglied Marcel Happel ist nach Parteiangaben auch der kommissarische Kreisvorsitzende der Republikaner in Dortmund, Herbert Bernhardt, zur NPD gewechselt.