Montag, 08. September 2014

Auf Apfels Spuren: Frank Franz greift nach NPD-Parteivorsitz

„Ja, ich habe die Absicht, Parteivorsitzender zu werden“, verkündete Frank Franz, derzeit NPD-Bundespressesprecher, in der gestrigen Sendung des Neonazi-Internetfernsehprojektes „FSN TV“ des bayerischen NPD-Kaders Patrick Schröder. Programmatisch verspricht er – ganz der Linie seines Vor-Vorgängers Holger Apfel folgend –, keine Aufweichung der Inhalte, aber eine andere Verpackung. Seine Rechnung dürfte der meist gut gekleidete Funktionär allerdings ohne den Hardliner-Flügel gemacht haben: Der hatte ihn auf dem letzten Wahlparteitag noch als NPD-Vize durchfallen lassen.

Übte auf der letzten Deutschland-Fahrt seinen großen Auftritt: NPD-Möchtegern-Chef Frank Franz (Foto: ENDSTATION RECHTS., Archiv)

Wenige Monate vor dem geplanten Bundesparteitag der NPD bringt sich mit Bundespressesprecher Frank Franz der erste potentielle Kandidat in Stellung. Der frühere saarländische Landeschef nutzte gestern Abend seine zweite Einladung zu „FSN TV“, um seine Zukunftspläne sowie seine Vorstellungen für die weitere Entwicklung der NPD zu erklären. Auch wenn der Moderator des Web-Formats, der zuletzt mit dem Gesetz in Konflikt geratene Patrick Schröder, Franz auf den Zahn fühlen wollte, hatte der 35-Jährige wenig Neues mitzuteilen. Grundsätzlich möchte er den von Ex-Parteichef Holger Apfel eingeschlagenen politischen Kurs fortsetzen. Die Inhalte der NPD sollten nicht verändert werden. Allerdings müsse sich die Partei, so Franz weiter, den politischen Rahmenbedingungen anpassen. Ziel sei eine Modernisierung und die Etablierung als Wahlpartei. „Die NPD muss erwachsen werden“, sagte Franz.

Auf Apfels Spuren

Ähnlich hatte Apfel, der nach seinem unrühmlichen Abgang mittlerweile eine Kneipe auf Mallorca betreibt, seinerzeit argumentiert. Mit seiner freilich ziemlich nebulösen Strategie der „seriösen Radikalität“ konnte der 43-Jährige die Gesamtpartei indes nicht hinter sich bringen. Ein derartiges Schicksal dürfte auch Franz über kurz oder lang blühen – wenn er denn tatsächlich die Mehrheit der Delegierten von sich und seinen Vorstellungen überzeugen könnte. Die an der Basis mehrheitlich „radikal“ aufgestellte NPD wird nur schwer für die „ernsthafte Politik“ zu gewinnen sein. Franz sagte, er möchte weg vom „Kasperletheater“ und vom „Demo-Tourismus“. „Kameraden“, die nur „Fun wollten“, sollten aussortiert werden.

An diesem Vorhaben wird er sich vermutlich die Zähne ausbeißen, gehören doch für nicht unwesentliche Teile der NPD der „Straßenkampf“ in Form von Demonstrationen und die Verklärung des Nationalsozialismus zum Selbstverständnis. Wie schwierig es für die Parteiführung ist, ihrer Meinung nach nicht willkommene Mitglieder vor die Tür zu setzen, zeigt aktuell der Fall des Landesvorsitzenden von Hamburg, Thomas Wulff. Der bekennende Neonazi hatte sich gegen seinen Rauswurf gewehrt und von einem Schiedsgericht Recht bekommen.

Die Rechnung nicht ohne Voigt machen

Der Gegnerschaft der Hardliner ist Franz sicher. Eine besondere Rolle dürfte dabei dem langjährigen NPD-Frontmann Udo Voigt zufallen. Nach seinem Einzug in das Europaparlament hat der zwar kein Auge mehr auf den Chefsessel geworfen, ein Vorsitzender Franz dürfte trotzdem kaum in seinem Interesse sein. In der Vergangenheit hatte Franz seine Abneigung gegen den 62-Jährigen offen gezeigt: „Schreibt Voigt jetzt nur noch besoffen, oder kommt die Rechtschreibschwäche mit der Demenz?“, fragte der Saarländer seine Twitter-Follower nach einer Attacke von Voigt auf den damaligen NPD-Chef Apfel.

Screenshot des Tweets von Frank Franz (Foto: Screenshot Twitter)

Darüber hinaus standen und stehen die anderen Strömungen der Partei Franz skeptisch gegenüber. Auf dem letzten Wahlparteitag zogen ihm die Delegierten den Voigt-Vertrauten Frank Schwerdt als Vize vor, obwohl Franz auf dem Ticket des damaligen „starken Mannes“ Apfel stand. Offensichtlich überschätzt der dreifache Familienvater, der pedantisch auf sein Äußeres achtet, seine Rolle in der NPD.

Vielen NPD-Unterstützern unvergessen ist auch der massive „Hack“ von 26 Parteiseiten im Mai 2011. Damals gelangten sensible Daten an die Öffentlichkeit. Die Webseiten lagen offenbar auf einem einzigen Server, der von der Völklinger Firma „Naweko“ betrieben wurde. Inhaber der „Unternehmensberatung und Agentur für Neue Medien“: Frank Franz. Immerhin hat es Franz geschafft, sich rechtzeitig aus dem Vorstand der NPD Saar zurückzuziehen und damit von den Skandalen um „Peniskuchen“ oder frühere Porno-Darstellerinnen, über die Generalsekretär Peter Marx stolperte, verschont zu bleiben.

Erfolgsduo Franz & Roßmüller?

Unterdessen kündigte der bayerische Landesvize Sascha Roßmüller auf einer NPD-Veranstaltung am Samstag an, seinen Hut wieder als stellvertretender Bundesvorsitzender in den Ring werfen zu wollen. Diesen Posten begleitete der frühere Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion bereits zwischen 2006 und 2009. „Die Partei wäre dumm, wenn sie auf einen politisch intelligenten Mann verzichten würde“, zeigte sich Franz bei „FSN TV“ angetan von dieser Idee. Ihm sei egal, was Roßmüller in seiner Freizeit mache. Damit spielte er auf ein heikles Thema an: Der Funktionär ist bei dem mutmaßlich in kriminelle Machenschaften verstrickten Motorradclub „Bandidos“ aktiv.