Montag, 29. Juni 2015

Sickergruben-Streit: Neonazi-Gastronom Tommy Frenck hat ein braunes Problem

Der „Goldene Löwe“ im thüringischen Kloster Veßra öffnet heute womöglich für längere Zeit zum letzten Mal seine Türen. Der von dem umtriebigen Neonazi Tommy Frenck betriebene Gasthof verfügt nach Meinung des zuständigen Landratsamtes nicht über das notwendige Abwasserentsorgungssystem. Frenck schäumt vor Wut und stellt bereits Solidaritätsaktionen in Aussicht.

"German Soldier" mit Problem (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Dass ausgerechnet eine Sickergrube dem braunen Treiben im „Golden Löwen“ ein vorzeitiges Ende bereitet, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Nach Auffassung des Landratsamtes Hildburghausen entspreche die Abwasserentsorgung des von Tommy Frenck betriebenen Gasthofes in Kloster Veßra nicht den gesetzlichen Vorschriften. Die noch aus DDR-Zeiten stammende Sickergrube sei mit 2,5 Kubikmetern zu klein. Deshalb, berichtet der MDR Thüringen, bestünde die Gefahr, dass Abwässer ungeklärt in die Werra gelangen könnten. Auf einen Bestandsschutz, den der vorherige Betreiber genossen habe, könne sich Frenck nicht berufen. Der Neu-Gastronom bezifferte die Kosten für die „Scheiße-Grube“ auf mehr als 10.000 Euro.

Der Kreistagsabgeordnete des NPD-nahen „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ (BZH) hatte das Fachwerkhaus in unmittelbarer Nähe des Hennebergischen Museums im Dezember 2014 für 80.000 Euro gekauft. Seitdem finden im „Goldenen Löwen“ regelmäßig Veranstaltungen der Neonazi-Szene statt. Die antisemitische „Europäische Aktion“ referierte zur „Geostrategischen Lage von Russland und Europa“, im März redete der Ex-NPD-Chef und mehrfach vorbestrafte Holocaust-Leugner Günter Deckert auf einem BZH-Treffen. Mit einem Balladenabend des früheren Sängers der als kriminellen Vereinigung verurteilten Rechtsrock-Band „Landser“, Michael „Lunikoff“ Regener, lockte der einstige NPD-Lokalpolitiker wenige Tage später über 150 Gäste an, auch die extrem rechte Hooligan-Band „Kategorie C“ stand hier schon auf der Bühne.

Bekannte Opferrolle

Der 1987 geborene laut Spiegel Online wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte Frenck reagierte auf die Schließung seiner Gaststätte mit einer rassistischen Erklärung auf Facebook. Er habe mehr „Ämter im Haus gehabt als jeder Döner-Grill“, und während „die unerträgliche Zustände rund um das Asylantenheim den Behörden keinen Anlass zur Beanstandung“ geben würden, witterte Frenck im bekannten Opfer-Duktus einen Versuch, „aufrecht stehende Bürger wie in DDR-Zeiten regelrecht kaputt zu machen“. Wie „kaputt dieses System“ sei, könne „jeder normal-denkende Bürger mittlerweile sehen“. Selbst seine Steuerberater seien unter Zugzwang geraten und führten ihr Mandat nicht weiter aus, beklagt er sich.

Kennt sich mit Kistenschleppen aus: Tommy Frenck (Foto: Thomas Witzgall, Archiv)

Von der Schließung nicht betroffen sei indes der neue Laden „Werbetechnik Tommy Frenk“. Außerdem betreibt der Hobbypolitiker einen entlarvend betitelten Versandhandel „Druck 18 Werbetechnik“, in dem neben Rechtsrock-CDs, „T-Hemden“ der „Divisionen“ Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt Aufkleber mit dem Motiv „Refugees not welcome“ erworben werden können. In seinem Shop vertreibt der „geschäftstüchtige Revolutionär“ Kleidungsstücke von „Ansgar Aryan“, der Modemarke von Patrick Schröder, mit dem er in der Vergangenheit Rechtsrock-Konzerte organisiert hatte. Schröder, der zuletzt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen – er hatte nach Auffassung des Gerichts vor laufender Kamera den Hitlergruß gezeigt – zu einer Geldstrafe von 4.200 Euro verurteilt worden war, versuchte die gegen seinen Internetsender „FSN TV“ verhängten Strafgelder durch „Solidaritäts-T-Shirts“ wettzumachen. Diesen Weg möchte Frenck ebenfalls einschlagen – entsprechende „T-Hemden“ sind bereits angekündigt.

Schließung droht ohnehin

Derweil veröffentlichte der Neonazi auf Facebook zwei Telefonnummern des MDR, der zuvor in einem Artikel die Schließung des „Goldenen Löwen“ öffentlich gemacht hatte. Diese könnten genauso wie die Kommentarspalten des Senders genutzt werden, um dem Sender, der mit „Zwangsabgaben roten Müll“ verbreite, die Meinung zu sagen: offensichtlich eine Aufforderung zu einem Shitstorm gegen den Sender.

Dessen ungeachtet kündigte Frenck an, mit Anwälten gegen die Anordnung des Landratsamtes vorgehen zu wollen. Juristischen Beistand wird er brauchen: Denn die Gemeinde hat ihr Vorkaufsrecht, nachdem der Verkauf bekannt geworden war, geltend gemacht. Damit droht dem Gastronomen der Verlust seiner Immobilie; die Prüfung seines Widerspruchs dauert an.