Dienstag, 01. April 2014

Neonazi-Konzert „Live H8“ geht in die zweite Runde - organisiert von „Selbstdarsteller“ Patrick Schröder

Patrick Schröder weiß sich zu inszenieren. Der bayerische NPD-Nachwuchsfunktionär setzt auf ein Image als „netter“ Neonazi mit einem Gespür für Jugendkultur. Im Gegensatz zu manchem Gesinnungsgenossen hat er keine Berührungsängste zu den „Systemmedien“, sondern versucht diese für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Als neuestes Betätigungsfeld hat der Betreiber einer einschlägigen Bekleidungsmarke das Rechtsrock-Business entdeckt. Am 24. Mai geht sein „Live H8“-Konzert unter dem Motto „Break the silence“ in die nächste Runde. Mit an Bord: härtester Neonazi-Rock.

Patrick Schröder vor seiner Imagekur mit langen Haaren (Foto: Thomas Witzgall)

Im Februar buhlte die Neonazi-Modemarke „Ansgar Aryan“ mit einer Sonderaktion um Kunden. Ab einem Warenwert von 88,00 Euro sollte jeder Besteller in den Genuss einer besonderen Gratiszugabe kommen. „Quarzsand-Handschuhe zum Selbstschutz“ würden dem Paket beigelegt, versprach eine Anzeige – so lange der Vorrat reicht. Vermutlich konnten sich einige „Kameraden“ über die zusätzliche Straßenkampfausrüstung freuen, schließlich sind die „Ansgar Aryan“-Produkte nicht gerade preiswert. Das T-Shirt „Hausbesuche“, auf dem eine Gruppe Wehrmachtssoldaten an die Tür einer Holzhütte „klopft“, kostet schlappe 29,99 Euro. Abgerundet wird das Motiv von dem Spruch „wir kommen mit Freunden!“.

Auf vielen braunen Geschäftsfeldern zuhause

Betreiber von „Ansgar Aryan“ ist seit einiger Zeit der bayerische NPD-Funktionär Patrick Schröder. Der umtriebige Geschäftsmann „macht“ nicht nur in Kleidung, er hat mit „FSN TV“ ein Internetformat an den Start gebracht, das jeden Sonntag in einer Live-Sendung die braune Ideologie mal mehr, mal weniger in flotte Sprüche verpackt transportieren will. „Unser Ziel ist hier die sanfte, schmerzfreie und möglichst unterhaltsame Heranführung an unsere politische Grundhaltung“, erklärte der Nachwuchsmann, der 2008 ein Praktikum bei der NPD-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern absolvierte, in der März-Ausgabe des NPD-Parteiblattes Deutsche Stimme. Insbesondere Jugendliche sollen über das Medium Musik an die „Bewegung“ herangeführt werden. Hierfür setzt Schröder in seiner Sendung neben zugeschalteten Studiogästen, die allerdings nur selten etwas Interessantes zu berichten haben, auf vertonen Hass aus der Konserve, gespielt von Rechtsrock-Bands.

„Ansgar Aryan“-Werbung (Screenshot)

Bedienen möchte Schröder auch den harten Kern der braunen Musikliebhaber. Im Oktober letzten Jahres stellte er in der kleinen mittelfränkischen Gemeinde Scheinfeld ein Konzert auf die Beine, das aufgrund seines für Szeneverhältnisse hochkarätig zusammengestellten Billings gut 1.000 Neonazis in die bayerische Provinz lockte. Damals mussten die Behörden vor Ort Kritik einstecken, denn die Öffentlichkeit war über den Großevent im Vorfeld nicht informiert worden. Das Nürnberger „Bündnis Nazistopp“ nannte den Vorgang „Naziförderung 1. Klasse“ – und tatsächlich: Die Rechtsrock-Fans konnten ungestört zu den oft menschenverachtenden Texten ihrer Lieblings-Kapellen singen und tanzen.

Schröder hat Blut geleckt. In gut vier Wochen ist in Scheinfeld eine Neuauflage des „Live H8“-Konzertes geplant, dessen Name gleich eine doppelte Anspielung ist. Die Veranstalter möchten nicht nur leibhaftigen Hass bieten, sondern an die erfolgreichen „Live Aid“-Open Airs der achtziger Jahre erinnern, als die gesamte Welt zusammenrückte, um den Hunger in Afrika zu bekämpfen.

„Bist du rot, wirst du tot geboxt und im Ofen verkohlt“

Nur soll jetzt die gesamte Szene zusammenrücken, dafür bringt Schröder einige Veteranen auf die Bühne. „Nahkampf“, die zweite Band des Sängers der umstrittenen Hooligan-Gruppe „Kategorie C“, Hannes Ostendorf, zählt zu den radikalsten Genre-Vertretern. Von ihren sechs bisher erschienen Tonträgern sind fünf durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert. Hierzu zählt die 1994er CD „Schutt und Asche“ mit Songs wie „Zigeuner“, „Kameraden“ oder dem „Horst-Wessels-Lied“.

Auf eine wahre Flut an Veröffentlichungen kann die Gelsenkirchener Rechtsrock-Gruppe „Sturmwehr“ zurückblicken. Vor zehn Jahren war die Kapelle, von der es einige CDs ebenfalls auf den Index geschafft haben, auf der ersten NPD-Schulhof-CD mit dem Titel „Wahltag ist Zahltag“ vertreten. Gebucht sind außerdem neben „Terroritorium“ und den allgegenwärtigen „Words of Anger“ die Tiroler „T[error]sphära“, die über YouTube gerade einen Crossoversong mit dem bezeichnenden Namen „Sargnagelhagel“ verbreiten, an dem auch der „nationale Rapper“ „MaKss Damage“ beteiligt ist. Darin heißt es: „Wir kommen in Schwarz-Silber, blitzblanker Totenkopf […] bist du rot, wirst du tot geboxt und im Ofen verkohlt. [...] Ich box dich weg wie Peter Fox und seine Mongo-Bands. Fresse auf den Bordstein. Willkommen im Romper Stomper Land!“

„Imageberater“ Schröder

Diese Texte passen so gar nicht zu dem Image, das sich Schröder sonst zu geben versucht. In der Öffentlichkeit tritt er gerne als „der nette Neonazi von nebenan“ auf, der seinen „Kameraden“ den Weg in die Mitte der Gesellschaft weisen will. Dabei agiert er durchaus selbstbewusst, spielt mit rechtsextremistischen Klischees. Reporter-Teams führt er bis in sein Schlafzimmer, in dem wahrscheinlich „FSN TV“ produziert wird.

Dieser Geltungsdrang ist in der Szene nicht unumstritten. Das größte bayerische Neonazi-Netzwerk „Freies Netz Süd“ nannte ihn einen „Selbstdarsteller“, was die Sache wohl gut trifft. Weiter wird ihm vorgeworfen, gerne den einfachen Weg zu gehen oder die Nähe des verhassten „Systems“ zu suchen. „Ein Staatsschutzquatscher“, ein „no go“ für die Hardcore-Neonazis aus dem Freisaat. Aber es gibt auch andere Stimmen. So soll Schröder in diesem Jahr auf dem „politischen Fest der Nationalen“ in Berga in Sachsen-Anhalt reden. Dort wird er auf jemanden treffen, der beim FNS gern gesehen ist. Den Ex-Frontmann der als „kriminellen Vereinigung“ eingestuften Neonazi-Vorzeigeband „Landser“, Michael Regener.

Die Kasse muss klingeln

Beworben wird „Live H8“ als „Soliveranstaltung für wichtiges, nationales Immobilienprojekt“. Damit dürfte es leichter fallen, den Teilnehmern die wahrscheinlich wieder 25 Euro Eintritt aus der Tasche zu locken. Wer konkret unterstützt werden soll, darüber hüllt sich Schröder in Schweigen. Vermutlich ist es eher nicht die bekannte Münchner Neonazi-Weg, die dem FNS nahe steht.

Wahrscheinlich – um die Unkosten klein zu halten – findet bereits an diesem Wochenende eine ähnliche Veranstaltung in „Westeuropa“ statt. Am Samstag teilen sich wiederum „Nahkampf“, „Sturmwehr“ und „Words of Anger“ die Bühne. Für dieses Konzert unter dem Motto „Support the Movement“ rührt u. a. die von Christian Worch gegründete Neonazi-Partei Die Rechte die Werbetrommel.

Zurück nach Scheinfeld. Dorthin mobilisiert nämlich auch die NPD zu ihrem „Bayerntag“, der am gleichen Tag wie Schröders Konzert ab 12.00 Uhr stattfinden soll. Reden werden auf der offiziellen Veranstaltung der Landesvorsitzende Karl Richter, sein Vize Sascha Roßmüller sowie der Nürnberger Stadtrat der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA), Ralf Ohlert. Der angeschlagene Landesverband hofft auf regen Zuspruch, nicht zuletzt von Rechtsrock-Fans, die sich vor allem wegen der genannten Bands auf dem Weg nach Mittelfranken machen. Schröder selbst wird ebenfalls vor Ort sein. Mit Verkaufsständen von „Ansgar Aryan“ und „FSN TV“. Schließlich muss die Kasse klingeln.