Samstag, 08. Februar 2014

Groß Germersleben rechtsrockfrei – Oliver Malina verkauft Schloss

Eine Gemeinde atmet auf. Erst im vergangenen Jahr hatte der umtriebige Rechtsrock-Veranstalter Oliver Malina bei Magdeburg ein Schloss samt Grundstück erworben, um dort Szene-Events durchzuführen. Doch jetzt hat der Neonazi das Objekt an einen Ortsansässigen abgetreten, offenbar waren ihm die Auflagen zu hoch.

Aufruf der Initiative „Groß Germersleben rechtsrockfrei“ anlässliches des bevorstehendes Konzertes im vergangenen Jahr

„Ich bin der neue Besitzer von Schloss und Park in Groß Germersleben. Oliver Malina hat es mir verkauft“, sagte der Groß Germersleber Mario Fleischhauer am Freitag gegenüber der Volksstimme. Der Mann, der unmittelbar neben dem Schloss wohnt, versichert, dass er kein Mittelsmann Malinas sei und es definitiv keine Rechtsrock-Konzerte auf dem Grundstück geben werde. Der Park soll geschlossen bleiben.

Die genauen Beweggründe für Malinas Rückzug sind nicht bekannt. Fleischhauer, der Malina kennt und von dem Rechtsrock-Veranstalter angesprochen worden sei, vermutet, dass die Proteste zu groß und die Auflagen zu hoch gewesen seien.

Malina hatte das Schloss erst im März vergangenen Jahres auf einer Versteigerung erworben – 12.000 Euro soll er für das Objekt samt Grundstück berappt haben. Doch bereits zu dem Zeitpunkt stand fest, dass die Durchführung von Veranstaltungen mit etlichen Hindernissen verbunden sein würde. Das Barockgebäude wurde 1999 bei einem Brand fast vollständig zerstört, die Kosten für eine Instandsetzung dürften ein Vielfaches der Kaufsumme betragen. Zudem steht der Park, in dem die Konzerte stattfinden sollten, unter Denkmalschutz.

So hätte Malina für seine sogenannte Skinhead-Party im Mai letzten Jahres dann auch etliche Auflagen erfüllen müssen, was dem Mann offenbar nicht gelang. So wurden offenbar Fristen nicht eingehalten, die Gemeinde untersagte die Nutzung des Geländes. Am Ende kehrte Malina an seine alte Wirkungsstätte nach Nienhagen zurück, wo er in den vergangenen Jahren bereits etliche Rechtsrock-Konzerte auf die Beine gestellt hatte. Erneut kamen rund 1.200 Anhänger in die kleine sachsen-anhaltische Gemeinde, um Bands wie „Endstufe“ aus Bremen und „Kommando Skin“ aus Stuttgart zu lauschen.

Auch bezüglich der Überweisung des Kaufpreises für das Objekt in Groß Germersleben gab es anfangs Verwirrung. So soll Malina diesen nicht fristgerecht überwiesen haben; der Deal wurde als geplatzt angesehen. Erst im August kam dann die Kehrtwende: Der Rechtsrock-Organisator hatte die noch ausstehende Summe inklusive der Gerichtskosten überwiesen und war seitdem rechtmäßiger Eigentümer.

Die Initiative „Groß Germersleben rechtsrockfrei“, die sich anlässlich des Schlosserwerbs gegründet hatte, zeigt sich nun sichtlich erfreut. Die Gefahr, dass sich mehrmals im Jahr Hunderte Neonazis in die kleine Gemeinde im Landkreis Börde begeben würden, scheint gebannt. „Ich bin natürlich froh, dass der Spuk ein Ende hat“, so Donald Dölle, Chef der Bürgerinitiative.