Dienstag, 07. Juni 2016

Gemeinde untersagt Neonazi-Open Air in Brandenburg

Die Werbung für das am vorletzten Juni-Wochenende geplante Neonazi-Open Air im brandenburgischen Finowfurt läuft bereits seit Wochen. Medienberichten zufolge machen die Behörden dem braunen Treffen einen Strich durch die Rechnung. Eine Verfügung sei bereits verschickt worden, bestätigte der Bürgermeister der Gemeinde der Märkischen Online-Zeitung auf Nachfrage.

Teilnehmer eines Neonazi-Konzertes (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

„Kommt vorbei!“, forderte Julian Fritsch alias „Makss Damage“ seine Fans am 6. Mai auf Facebook auf. Der Gütersloher Neonazi-Rapper sollte nach den Planungen der Organisatoren das „Sonnentanz Festival“ vom 17. bis 19. Juni in Finowfurt (Landkreis Barnim) co-headlinen. Die erwarteten 300 bis 500 extrem rechten Musikfans hätten das Treffen vermutlich zu einem der größten Neonazi-Musik-Veranstaltung der letzten Zeit in Brandenburg gemacht. Verantwortlich für den Großevent zeichne nach Informationen der Potsdamer Neuste Nachrichten (PNN) der Veltener NPD-Stadtverordnete Robert Wolinski.

Nach derzeitigen Stand wird Fritsch in zwei Wochen wahrscheinlich nicht auf der Bühne stehen. Das gesamte Festival sei untersagt worden, schreibt die Märkische Onlinezeitung. Uwe Schoknecht, Bürgermeister der Gemeinde Schorfheide, habe der Zeitung gegenüber erklärt, ein entsprechender Bescheid sei an den Anwalt des Veranstalters gegangen. Dieser haben nun Zeit, sich zu äußern. Zu den Gründen für die Untersagung habe sich Schoknecht öffentlich allerdings nicht einlassen wollen.

Einschlägiges Billing

Neben „Makss Damage“, der am 1. Mai am Aufmarsch der Neonazi-Partei die Rechte in Erfurt teilgenommen hatte, listet ein Webeflyer mindestens ein Dutzend weitere Bands auf. Das Amtsgericht Bielefeld hatte Fritsch im vergangenen November wegen Volksverhetzung und Verbreitung von gewaltpornografischen Inhalten zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Lippischen Landeszeitung zufolge habe er seine zunächst gegen das Urteil eingelegte Berufung zurückgezogen, weshalb die Strafe Rechtskraft erlangt habe.

Als Zugpferd haben die Festival-Macher „H8Machine“ aus den USA verpflichtet. Die „NS-Hardcore“-Gruppe hat bereits mehrere Veröffentlichen vorzuweisen, zuletzt „Fighting solves everything“ (2016). Ohnehin dominieren „Hatecore“-Bands das Billing des „Sonnentanz“-Festivals. Aus Mecklenburg-Vorpommern sind die beiden über die Landesgrenzen hinaus bekannten Hasskapellen „Thrima“, die von den Behörden im Raum Nordvorpommern verortet wird, und „Painfull Awakening“ (Raum Güstrow) mit an Bord. „Thrima“ steuerte vor drei Jahren u. a. den Song „Erich Priebke“ zum mittlerweile von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indizierten „Pommernsampler“ bei. Vertreten waren die Neonazis ebenfalls auf dem „Soli-Sampler“ zum letztjährigen „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) in Neuruppin – wie auch „Painfull Awakening“, die dort „Die Bombe tickt“ unterbrachten.

Nicht der erste Event

In den vergangenen Jahren war Fibowfurt bereits öfter Austragungsplatz von Rechtsrock-Konzerten. Treffpunkt war und ist das Gehöft von Klaus Mann, einem Wanderer zwischen verschiedenen Rechtsaußenparteien. Nach Aktivitäten für die DVU und die NPD war zuletzt die Rechte an der Reihe. Laut PNN soll Mann aber den Landesvorsitz der Neonazis mittlerweile wieder aufgegeben haben.

Im Sommer vor drei Jahren waren zwei Konzerte in Finowfurt von der Polizei aufgelöste worden. Nachdem einige Besucher zunächst den verbotenen Hitlergruß gezeigt hatten, führte wenige Wochen später das Spielen von indizierten Liedern zum Einschreiten der Ordnungsmacht. Über 200 Beamte waren damals im Einsatz – der braune Spuk dauerte nur rund zwei Stunden.

UPDATE, 16. Juni, 12.00 Uhr:

Wie der Tagesspiegel berichtet, habe das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) die Duchführung des Festivals mit einem Beschluss am Freitag doch noch ermöglicht, da die Richter einem Antrag des Veranstalters auf einstweiligen Rechtsschutz stattgegeben hätten. Allerdings wird das Hass-Konzert wahrscheinlich nur in einer abgespeckten Variante über die Bühne gehen. Statt der ursprünglich geplanten Drei-Tages-Veranstaltung soll nur noch für den heutigen Samstag ein Programm geplant sein.