Dienstag, 12. Juli 2016

Geburtstagsfeier von Neonazi-Kameradschaft fällt ins Wasser

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats wollte die rechtsextreme Szene in Mecklenburg-Vorpommern ein konspirativ organisiertes Rechtsrock-Konzert durchführen. Doch beide Male bekam die Polizei davon Wind und konnte die Veranstaltungen unterbinden.

Mitglieder der Neonazi-Kameradschaft auf einer Anti-Asyl-Demo in Torgelow

Ursprünglich wollte Robert Wolinski einen Rechtsrock-Event über ein gesamtes Wochenende auf die Beine stellen. Das „Sonnentanz-Festival“ sollte von 17. bis 19. Juni im brandenburgischen Finowfurt stattfinden, auf dem Gehöft eines ehemaligen Funktionärs der Rechten. Bis zu 500 Teilnehmer wurden erwartet, die rund zehn angekündigte Bands sehen wollten, darunter auch „Painful Awakeing“ und „Thrima“. Doch das Konzert fand an dem Ort nicht statt. Stattdessen wurde Wolinski, NPD-Stadtvertreter in Velten, am Abend des 18. Juni in der Greifswalder Chaussee in Stralsund gesichtet.

Konspirativ wurde auf das Gelände eines Rockerclubs mobilisiert, einige der für das Festival geplanten Bands sollten dort auftreten. Die Polizei, die mit 200 Beamten im Einsatz war, erlangte allerdings Kenntnis von der geplanten Aktion und konnte diese unterbinden. Doch der Veranstalter wollte sich auch nach der zweiten Pleite nicht geschlagen geben.


Veranstaltungsflyer, mit dem für das Festival geworben wurde

In einem Garagenkomplex in dem Ortsteil Zansebuhr in Niepars gelang zu später Stunde der dritte Versuch – allerdings mit deutlich weniger Anhängern und Bands. Die slowakische Gruppe „Old Firm“, die dort spielte, nannte es eine „Underground-Party“ und bedankte sich artig bei einem „Robert“. Damit dürfte erneut der NPD-Kommunalpolitiker gemeint sein. Auch ein „ACAB-Gruß“ („All cops are bastards“) an die Polizei durfte nicht fehlen. Diese hatte von der Ausweichveranstaltung dann offenbar nicht erfahren: „Es gab keine Hinweise darauf, dass eine ähnliche Veranstaltung an einem anderen Ort stattfinden sollte.“

Am vergangenen Wochenende wollte die aus Ueckermünde stammende Neonazi-Kameradschaft „Aryan Warriors“ ihr 15-jähriges Bestehen feiern. Mit der Lokalband „Stimme der Vergeltung“ sowie „Überzeugungstäter Vogtland“ aus Sachsen und „D.S.T.“ (Deutsch, Stolz, Treue) sollten gleich drei Szenegrößen auftreten. Die Polizei hatte Mitgliedern der Kameradschaft bereits vorab mitgeteilt, dass sie das Konzert nicht genehmigen würden. Trotz „äußerst konspirativer Vorgehensweise“ sei schließlich der geplante Veranstaltungsort ausfindig gemacht worden. In der 400-Einwohner-Gemeinde Nadrensee, die nur fünf Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt, sollte ein 230 m² großer Veranstaltungssaal eines altes Wirtshauses genutzt werden.

Die Polizei, die an dem Abend mit 125 Personen im Einsatz war, hätte daraufhin über 40 Identitätsfeststellungen durchgeführt, anschließend seien nur noch wenige Personen angereist. Zudem seien Instrumente der Band „Überzeugungstäter Vogtland“ vorsorglich sichergestellt worden – offensichtlich sollte ein Ablauf wie drei Wochen zuvor diesmal unterbunden werden.

Das Wirtshaus in Nadrensee wird seit Jahren nicht mehr betrieben. Gegenüber dem Nordkurier sagte die Bürgermeisterin, dass die ehemalige Gaststätte nicht als Treff der rechten Szene gelte. Doch genutzt wird sie offenbar immer noch. Erst im Februar hatte der „Viking Blade MC Germany“ dort eine Veranstaltung durchgeführt. Teilnehmer des rechtslastigen Motorrad-Clubs seien in der Vergangenheit bereits mehrfach auf rechtsextremen Demonstrationen gesichtet worden.