Donnerstag, 11. Juni 2015

„Zwischentag“ in Erlangen: Vernetzungstreffen der Neuen Rechten

Verglichen mit früheren Auflagen des neurechten „Zwischentages“ müssen die Organisatoren um Felix Menzel mittlerweile kleinere Brötchen backen. Die für den 4. Juli in Erlangen unter dem Rahmenthema „Geopolitik und Einwanderung“ stehende „Freie Messe“ wird mit ihrem abgespeckten Programm nichtsdestoweniger eine Vielzahl an Personen des rechten Randes abseits von NPD und Freien Kameradschaften anziehen.

Die Grenzen zwischen der extremen Rechten und dem Konservatismus verwischen - wie die Wellen des Meeres am Strand.

„Der Verkauf der Messekarten läuft sehr gut. Sie sollten also nicht zu lange mit ihrer Bestellung warten“, warnten die Veranstalter des mittlerweile vierten „Zwischentages“ mögliche Interessenten auf ihrer Webseite am 12. Mai. Vor wenigen Tagen wiederholten sie diese Wasserstandsmeldung – derzeit scheint der „Freien Messe“ kein Ausverkauft-Schild an der Eingangstür zu drohen. Nach eigenen Angaben bietet das neurechte Vernetzungstreffen Platz für 200 Besucher, die pro Person 14,00 Euro Eintritt auf den Tresen legen müssen.

Der auf Initiative des „Sezession“-Machers Götz Kubitschek, eines Vordenkers der Neuen Rechten mit Rednereinsatz auf den Dresdner-Pegida-Demonstrationen, ins Leben gerufenen „Zwischentag“ wird mittlerweile von dem Chemnitzer Felix Menzel organisiert. Der Gründer der „Blauen Narzisse“ konnte für den 4. Juli in Erlangen 13 Aussteller, darunter sein eigenen Projekt, die „Sezession“, das ebenfalls von Kubitschek gegründete „Institut für Staatspolitik“ (IfS), das rechte Monatsmagazin „Zuerst!“, die „Identitäre Bewegung“ mit einem kleinen Stand, die „Bürgerbewegung Pax Europa“ oder die vom bayerischen Verfassungsschutz beobachte Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ gewinnen. Gegen die Erwähnung im Bericht der Schlapphüte aus dem Jahr 2012 klagte der herausgebende Verein „Midgard“ – eine Entscheidung steht aber offenbar noch aus.

Who is who

Umrahmt wird das Treffen unter dem Motto „Geopolitik und Einwanderung“ von acht Vorträgen mit einer Dauer zwischen 30 und 45 Minuten. Die Rechtspopulisten von „Pax Europa“ werden laut Programm zu „Allah und IS, Mohammed und Charlie Hebdo“ reden, während die „Identitären“ über „den großen Austausch“ fabulieren. Menzel selbst obliegt das Schlusswort, sein Referat steht unter dem Titel „Repressive Toleranz und die globalen Ursachen der Masseneinwanderung“. Kein Wunder, dass der islamfeindlichen Hassblog „PI News“ die Werbetrommel für die Veranstaltung rührt.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung findet der „Zwischentag“ in den Räumen der Burschenschaft „Frankonia“ statt, die ebenfalls auf dem Beobachtungszettel des Verfassungsschutzes steht. Im Mai letzten Jahres folgte der umstrittene Autor Akif Pirinçci einer Einladung der Erlanger Verbindung. Vor Ort waren einige bekanntere Kader der extremen Rechten wie der Publizist Jürgen Schwab und der NPD-Landesgeschäftsführer Axel Michaelis.

Messe mit sinkendem Zuspruch

Inzwischen haben auch die Planungen für Gegenproteste Fahrt aufgenommen. Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) sagte den Nürnberger Nachrichten: „Ich finde es widerlich, wenn sich Rechte in unserer Stadt tummeln. Das passt nicht zum Image und zu den Inhalten unserer Stadt“.

Der gesellschaftliche Widerstand der letzten Jahre dürfte auch zu einem verminderten Zuspruch des „Zwischentages“ unter der anvisierten Klientel beigetragen haben. Im letzten Jahr kamen etwa nach einem Verwirrspiel um den tatsächlichen Austragungsort gut 200 Interessenten nach Bonn. Bei seinen ersten beiden Auflagen hatte die neurechte Zusammenkunft noch mehrere Hundert Unterstützer und rund 40 Aussteller nach Berlin mobilisiert. 2013 befanden sich unter den Gästen auch der damalige sächsische NPD-Landtagsabgeordente Arne Schimmer und der Chef der Rechtsextremisten in der Hauptstadt, Sebastian Schmidtke.