Mittwoch, 20. Mai 2015

Notorischer Holocaust-Leugner muss ins Gefängnis

Wieder einmal konnte der Szeneanwalt Wolfram Nahrath einen seiner Mandanten nicht vor einer Verurteilung bewahren. Arnold Höfs, pensionierter Steuerberater und bekannter Holocaust-Leugner, muss wegen Volksverhetzung für zehn Monate hinter Gitter. Das entschied gestern das Landgericht Hannover.

Arnold Höfs sei ihm seit Jahren bekannt und unbelehrbar, erklärte Oberstaatsanwalt Jens Lehman laut Medienberichten im Laufe des Verfahrens vor dem Landgericht Hannover, das über den notorischen Holocaust-Leugner in zweiter Instanz zu entscheiden hatte. Dazu passte, dass er mit Wolfram Nahrath, den letzten Vorsitzenden der 1994 verbotenen Wiking-Jugend, einen bekannten Szeneanwalt als Rechtsbeistand engagiert hatte. Der Berliner Jurist vertritt häufiger Relativierer und Leugner des deutschen Massenmordes, meist mit wenig Erfolg .

In der Tat ist Höfs in der Angelegenheit kein Unbekannter und in der Szene gut vernetzt, die ihm aufgrund seiner Ausbildung gerne auch in finanziellen Fragen vertraute. Er war Schatzmeister des 2008 verbotenen Vereins „Bauernhilfe e.V.“, einer Teilorganisation innerhalb des ebenfalls verbotenen „Collegium Humanum“, einem Sammelbecken bekannter Holocaust-Leugner. Für die neue Sammlungsbewegung der Szene, der Europäischen Aktion (EA), stellte er laut NDR-Recherchen zeitweise ein Spendenkonto zur Verfügung. Mit dem EA-Gründer Bernhard Schaub nahm Höfs 2006 an Ahmadinedschads „Holocaust-Konferenz“ in Teheran teil.

„Faktenspiegel“ nicht wissenschaftlich

Auf die Anklagebank brachte den 69-Jährigen einer seiner „Faktenspiegel“, kleine Bücher, die er unter dem Pseudonym „Herbert Hoff“ veröffentlicht. Wegen dieser Veröffentlichungen wurde er laut Medienberichten schon einmal zu einer kurzen Freiheitsstrafe verurteilt.

Welche Ansichten der Rentner in seinen Heftchen vertritt, kann einem Urteil des Verwaltungsgerichts Köln entnommen werden. Höfs versuchte im Mai 2012, eine Indizierung seiner Veröffentlichungen gerichtlich abzuwenden –erfolglos. An fünf Stellen des „Faktenspiegels Ausgabe V“ wird laut Analyse der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ der Holocaust insgesamt in Frage gestellt und an drei anderen Stellen als „amerikanische Erfindung“ bezeichnet. Schon damals urteilten die Richter, dass es Höfs nicht um einen „ernsthaften Versuch der Wahrheitsfindung“ ginge, sondern um die Propagierung einer politischen Auffassung. Dem schloss sich auch der Richter am Landgericht Hannover an.

Weitere Machwerke im Handel erhältlich

Höfs frühere „Werke“, mit so eindeutigen Titeln wie „Das Nürnberger (und andere) Verbrechen“ oder „Hitlers Leistungen für das Volk – Warum das Volk ihn liebte“ sind weiter ganz normal über die üblichen Online-Buchhändler wie Amazon, Thalia, Weltbild und dem herausgebenden Rita G. Fischer-Verlag erhältlich. Die mitgelieferten Buchbeschreibungen der Klappentexte strotzen nur so von neonazistischer Weltsicht. Rechtsextreme Propaganda, an dem sich bisher keines der Unternehmen größer störte.

Für die Einlegung weiterer Rechtsmittel bleibt Höfs nun eine Woche Zeit.