Donnerstag, 22. Oktober 2015

Neonazi-Portal: Thiazi-Chef zu Gefängnisstrafe verurteilt

Hunderte Beiträge wurden auf dem Thiazi-Forum täglich gepostet. Der Nationalsozialismus wurde verherrlicht, Rechtsrock-CDs zum Download angeboten, Rechtsextreme konnten sich vernetzen. Heute verurteilte das Landgericht Rostock den Kopf des ehemaligen Neonazi-Portals zu einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren.

Wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung in drei Fällen wurde Klaus R. vor dem Landgericht Rostock heute zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, innerhalb einer Woche kann der Mann Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

Bereits Ende November 2014 wurde der Prozess gegen drei Männer und eine Frau eröffnet, gegen die die Staatsanwaltschaft Rostock Anklage erhoben hatte. Die ersten vier Verhandlungstage wurden alleine benötigt, um die 342 Seiten starke Anklageschrift zu verlesen. Anschließend wurde der Prozess aufgegliedert. Daniela W., Denny S. und Dominik S. hatten Geständnisse abgelegt, seien teilweise aus der Szene ausgestiegene und kooperierten im Zuge des Prozesses mit dem Gericht. Die drei ehemaligen Admininstratoren wurden im Juni zu Bewährungsstrafen verurteilt. R. zeigte sich hingegen kaum geständig – somit wurden gegen seine Person eigene Verhandlungstage anberaumt.


Die Angeklagten vor dem Landgericht Rostock

Der Prozess gegen die vier Administratoren brachte interessante Details ans Tageslicht. So strich R. über Bannerwerbung auf dem ehemals größten deutschen Neonazi-Forum etliche Tausend Euro ein. Diese landeten jedoch offenbar ausschließlich auf seinem Privatkonto. Der 34-Jährige, der bis zur Razzia gegen die Betreiber vor über drei Jahren in Barth als Erzieher arbeitete, hatte die Server der Internetseite im Ausland stehen – so sollte die deutsche Strafgesetzgebung umgangen werden.