Montag, 13. Juli 2015

Facebook schränkt Hetzseite „Netzplanet“ ein

„Unabhängige News“ aus „Politik, Multikulti oder Panorama“ verspricht die Internetseite „Netzplanet“. Dass es mit der vorgeblichen Unabhängigkeit nicht weit her ist, offenbart der erste Blick auf die Themenauswahl, die von Meldungen über angeblich kriminelle Ausländer dominiert wird. Facebook allerdings hat vor wenigen Tagen die Hetze unterbunden. Wie die „Netzplanet“-Macher mitteilten, wurde ihr Seiten-Admistrator gesperrt.

"Netzplanet": Auf Facebook vorerst stumm (Foto: Screenshot)

Bei der Veröffentlichung seiner Artikel legt „Netzplanet“ eine ordentliche Schlagzahl vor; täglich erscheinen auf der nach eigenen Angaben „unabhängigen“ Nachrichtenseite mehrere Beiträge. Der große Wurf freilich gelingt dem unbekannten Redaktionsteam nicht. Viele der Artikel bestehen aus wenigen Zeilen, von Absätzen oft ganz zu schweigen. Beliebt sind außerdem eingebettete YouTube-Videos, die nicht selten Berichte von Fernsehsendern zum Inhalt haben, die in diesen Kreisen sonst zur „Lügenpresse“ gezählt werden. Die Realität wird eben so lange gebogen, bis sie passt. Polizeimeldungen über mutmaßlich ausländische Tatverdächtige stehen bei den Verantwortlichen ebenfalls hoch im Kurs, genauso wie revisionistische Geschichtsdarstellungen. Die Stoßrichtung ist klar: Die Vorurteile der Leser über „kriminelle Ausländer“, „korrupte und faule Politiker“ oder „im Schlaraffenland lebende Flüchtlinge“ zu bestätigen, und die Debatten weiter anzuheizen.

Facebook setzt Hetzern zu

Trotzdem – oder gerade deswegen – gilt „Netzplanet“, der auf das vorgeschriebene Impressum verzichtet, Pegida-„Wutbürgern“, Neonazis oder Verschwörungstheoretikern als seriöse Informationsquelle. In Zeiten wachsender rassistischer Ressentiments, die nicht nur, aber auch im Internet ausgelebt werden, finden die Artikel schnell Verbreitung. Im letzten Monat belegte „Netzplanet“ deutschlandweit Platz 24 der Charts von „1000 Flies“, die „Likes“, „Shares“ und „Tweets“ zusammentragen. Das Portal kam auf 466.249 Interaktionen und landete damit vor dem Tagessiegel, dem DFB, Pro Sieben oder der taz.

Seit einigen Tagen ist es auf der rund 14.000 Fans zählenden Facebook-Seite von „Netzplanet“ ruhig geworden. Der Grund: Das Soziale Netzwerk hat die Rechte des Administratoren eingeschränkt. Facebook verlange, um die Zugehörigkeit des Kontos zu überprüfen, einen amtlichen Ausweis mit Name, Geburtsdatum und Foto. So lange dieses Dokument nicht eingereicht worden sei, könnten keine neuen Artikel auf der „Netzplanet“-Seite eingestellt werden, erklären die Macher des Hetz-Projektes. Diese Unterlagen würden dem „Spionageportal Facebook“ nicht zur Verfügung gestellt. Ohnehin diene die Maßnahme zur schrittweisen Abschaffung der Meinungsfreiheit im Stile einer „DDR 2.0“. Weiter heißt es, die Hobbyjournalisten hätten „die Schnauze voll von Facebook“, weshalb sie nun den Aufbau eines eigenen Sozialen Netzwerkes vorantreiben würden.

Das Kind braucht einen Namen: „ProBioD“ oder „Realitäts Check BRD“? 

Mittlerweile stehe der Name des rechten Tummelplatzes fest. Unter den Vorschlägen seien Volltreffer wie „ProBioD“ für „Pro Bio Deutscher“, „Prod“ für „Pro deutsch“, „Realitäts Check BRD“ oder „Watch-Book“ gewesen. In den Kommentarspalten mussten die Hintermänner allerdings „Finanzierungsprobleme“ einräumen. Die Sperrung bei Facebook treffe zudem den laufenden Betrieb, denn 80 Prozent der User finden nach Darstellung von „Netzplanet“ den Weg zu den Beiträgen über Facebook.

Ein Kommentator machte indes „die Meldungen von versifften Linken“ für den Schritt von Facebook verantwortlich. Derweil stellte „Netzplanet“ selbst seine „Unabhängigkeit“ in einem Kommentar zum letzten auf Facebook eingestellten Artikel „Mengerskirchen: Geplante Flüchtlingsunterkunft mit Schweineköpfen und Schmiererei `Go Home´ attackiert“ am 3. Juli unter Beweis: „Wenn ihr linken Gutmenschen nun glaubt, hier [auf Facebook, die Red.] freie Bahn zu haben, weil der Admin gesperrt wurde, irrt ihr euch gewaltig. […] Also ihr linken Vollpfosten, sucht euch eine andere Spielwiese für euren geistigen Dünnpfiff.“