Freitag, 18. März 2016

Betrieb eingestellt: Hetzseite „Netzplanet“ kapituliert

Die zuletzt nicht mehr aktualisierte Internetseite ließ es erahnen, nun ist es offiziell. Das Hetzportal „Netzplanet“ stellt seinen Betrieb ein. Gründe für das Aus nannten die anonymen Betreiber nicht.

Die Hetzer streichen die Segel (Foto: Screenshot)

Die Internetseite „Netzplanet“ galt als wichtiger Baustein einer vermeintlichen Gegenöffentlichkeit zur „Lügenpresse“. Oft und gerne greifen Pegida-„Wutbürgern“, Neonazis oder Verschwörungstheoretiker auf die Seite als augenscheinlich seriöse Informationsquelle zurück, auf Facebook und anderen Sozialen Medien werden die Beiträge „geliket“, geteilt, kommentiert und „retweetet“, was „Netzplanet“ in der Vergangenheit schon einmal vordere Plätze in den Social Media-Chars bescherte.

Zwischen zehn und 15 Meldungen pro Tag stellten die Hobbyjournalisten auf dem Portal ein. Die Artikel waren meist einfach gestrickt; eine „copy & past“-Mentalität gepaart mit YouTube-Videos und den eigenen hasserfüllten Kommentaren. Nicht selten nahmen die Autoren reale Meldungen zum Anlass, „Skandale“ zu konstruieren. „Moslemkrawall in Suhl – Polizistin berichtet: Beamte rannten aus Angst weg“, „Es reicht! Nordafrikaner verfolgt zwei Mädchen bis in Schultoilette“ oder „Wegen Sicherheit: EU-Bonzen gönnen sich neue Luxuslimousinen“ – nur drei Beispiele aus den letzten Tagen. Die Realität wird eben so lange gebogen, bis sie in das eigene verquere Weltbild passt. Die Vorurteile der Leser über „kriminelle Ausländer“, „korrupte und faule Politiker“ oder „im Schlaraffenland lebende Flüchtlinge“ will die Seite bestätigten, und die Debatten damit weiter anheizen.

Gründe werden nicht genannt

Seit gut einer Woche war es still auf der Seite. Von weiteren Hetzartikeln wird die Öffentlichkeit fortan verschont bleiben. „`Netzplanet´ stellt seine Arbeit ein“, verkündeten die anonymen Hintermänner gestern in einer dünnen, nur wenige Zeilen umfassenden Mitteilung. Ursächlich seien eine „Menge Gründe, die wir hier nicht erörtern möchten“, schreiben die Verfasser weiter. Bereits nächsten Monat soll die Seite gelöscht werden. 

Die auf der ohne Impressum betriebenen Seite eingegangenen Kommentare äußerten Unverständnis für diesen Schritt. Gängiges Deutungsmuster: „Repressionen von Außen“. „Das untergehende System schlägt noch einmal mit aller Härte um sich. Ich denke hier wurde massiv Druck ausgeübt und Leib und Leben bedroht“, schreibt etwa „Malocher“, während ein anderer Kommentator den Kampf gegen „die Finanzmaffia & NWO-Faschisten“ beschwört, um schließlich zu analysieren: „[Das wird] die Politik & Medien-Maffia aber freuen, endlich den Störenfried losgeworden zu sein.“

Nicht die erste Einschränkung

Im letzten Sommer hatte Facebook bereits die „Netzplanet“-Fanseite kaltgestellt. Das Unternehmen verlangte damals, um die Zugehörigkeit des Kontos zu überprüfen, einen amtlichen Ausweis mit Name, Geburtsdatum und Foto. So lange dieses Dokument nicht eingereicht worden sei, könnten keine neuen Artikel auf der „Netzplanet“-Seite eingestellt werden, erklären die Macher des Hetz-Projektes. Diese Unterlagen würden dem „Spionageportal Facebook“ nicht zur Verfügung gestellt. Ohnehin diene die Maßnahme zur schrittweisen Abschaffung der Meinungsfreiheit im Stile einer „DDR 2.0“.