Mittwoch, 19. März 2014

Kein Kandidat: NPD zieht sich aus Schwerin zurück

Allmählich läutet die NPD in Mecklenburg-Vorpommern, einem ihrer stärksten Bundesländer, den Kommunalwahlkampf ein. Die Kandidatenlisten für Kreistage und Gemeindevertretungen mussten bis letzte Woche eingereicht werden. Doch ausgerechnet in der Landeshauptstadt, wo Pastörs´ Männertrupp im Parlament regelmäßig gegen das „System“ agitiert, konnte die NPD keinen einzigen Kandidaten aufstellen.

Günther Wohlert zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Tino Müller

Stichtag für das Einreichen von Wahlvorschlägen in Mecklenburg-Vorpommern war vergangenen Donnerstag 18 Uhr. Neben den demokratischen Parteien musste auch die rechtsextreme NPD ihre Wahlvorschläge einreichen. Derzeit wird in den entsprechenden Wahlausschüssen über die Zulassung der jeweiligen Kandidaten entschieden – sofern es welche gibt.

In der Landeshauptstadt Schwerin schaffte es der Verband um den Landesvorsitzenden Stefan Köster nicht, auch nur ein einziges NPD-Mitglied zur Kandidatur zu bewegen. Rund 180 Bewerber wollen einen der 45 Sitze in der Stadtvertretung erringen, auch die eurokritische und erste vor rund einem Jahr gegründete Alternative für Deutschland konnte acht Anhänger überzeugen, in Schwerin zu kandidieren.

NPD gelingt Versechsfachung der Mandate

Ausgerechnet in der Stadt, in der Udo Pastörs 2006 erstmals mit fünf weiteren Rechtsextremen in das dort ansässige Landesparlament einziehen konnte, wird die NPD auf kommunaler Ebene ab sofort nicht mehr vertreten sein. Schon seinerzeit lautete die in der parteieigenen Zeitung „Deutsche Stimme“ veröffentlichte Parole: „Erst wenn auf der kommunalen und Kreisebene die NPD präsent ist, wird ein landesweiter oder gar bundesweiter Wahlerfolg möglich sein.“

Dementsprechend gelang es Köster in dem Bundesland auch, nach dem Kommunalwahl 2009 die Anzahl der Mandate von zehn auf 60 zu erhöhen. Mehr als die Hälfte der NPD-Mitglieder saßen in Gemeindevertretungen, vor allem im östlichen Teil war die Partei stark vertreten. In den Städten hatten die fast ausschließlich männlichen Stadtvertreter jedoch seit jeher einen schweren Stand, in Rostock wurden die Besetzungen der beiden Mandate ständig durchgewechselt.

Hobbypolitiker in der Stadtvertretung

In der Landeshauptstadt konnte seinerzeit Bernd Wulf eines der 45 Mandate erringen. Insgesamt 2.653 Stimmen konnte die NPD 2009 auf sich vereinen und somit den Hobbypolitiker in die Stadtvertretung entsenden. Doch anscheinend verging dem NPD-Mann recht schnell die Lust, bereits 2011 warf er sein Handtuch.

Ab Oktober versuchte schließlich Nachrücker Günther Wohlert, der zwischenzeitlich auch bei der NPD-Landtagsfraktion angestellt war, sein Glück. Doch wahrhaftig für die Geschicke Schwerins schien sich auch der 1970 in Teterow Geborene nicht zu interessieren. Gleich der Hälfte der letzten zehn Sitzungen der Stadtvertretung blieb das NPD-Mitglied fern, auch die Landespartei konnte auf ihrer Internetseite nicht einen einzigen Bericht zu Wohlerts politischen Aktivitäten in Schwerin beisteuern. Nicht, dass der scheidende NPD-Stadtvertreter seinem Kollegen aus Stralsund Konkurrenz machen will.