Montag, 04. März 2013

Mobbing bei der „German Defence League“ – Sebastian Nobile „steigt aus“

Umsteiger, Aufhörer, Rückzieher – auf dem Gebiet der „Aussteiger“ gibt es bekanntlich viele verschiedene Sichtweisen. Nun hat Sebastian Nobile, einer der wenigen szeneprominenten Protagonisten der Gruppierung „German Defence League“ seinen Ausstieg bekanntgegeben. Mobbing und unterschiedliche Vorstellungen seien ausschlaggebend für den Ausstieg gewesen, der nicht mehr ist als ein Teilrückzug.

Was ist eigentlich ein „Aussteiger“? Als Vorsitzender eines Vereines, der sich „Aussteigerhilfe Bayern“ nennt, müsste ich diese Frage doch leicht beantworten können. Auch ich selbst bezeichne mich immerhin nicht selten als einen solchen. In den letzten Jahren hat sich ein breites Feld an Personen gebildet, die ob ihrer Vergangenheit als NPD- oder Kameradschaftsaktivist dieses Prädikat gerne für sich verwendet wissen, obwohl sie sich teils seit Jahrzehnten meist gänzlich lückenlos in einschlägigen rechten Organisationen engagieren.

Blickt man auf die Vita einiger dieser Aktivisten, bleiben oft nicht einmal wenige Monate Pause zwischen den Aktivitäten bei den verschiedenen Organisationen am rechten Rand. Keine Lücke also, die darauf schließen lassen könnte, dass auch nur annähernd genügend Zeit für einen (Um)denkprozess vorhanden gewesen wäre.

Manfred Rouhs zum Beispiel, laut Wikipedia früher CDU-Mitglied, wechselte dann in den achtziger Jahren zur NPD bzw. JN, um später jahrelang in der NPD- Abspaltung „Deutsche Liga für Volk und Heimat“ aktiv zu sein. Heute ist er Bundesvorsitzender der „Bürgerbewegung PRO Deutschland“, welche u. a. im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Landes NRW als „rechtsextrem“ geführt wird. Bei einer Demonstration im November vergangenen Jahres in München skandierte Rouhs mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern sogar mehrfach „Nazis raus“.

Wie immer, diesmal zumindest zeitweise, mit dabei : einer seiner engsten Weggefährten, Lars Seidensticker, ehemaliges DVU-Mitglied und heute Berliner Landesvorsitzender der „Bürgerbewegung“. Seidensticker wurde auf dieser Demonstration zwischenzeitlich gar in Gewahrsam genommen, nachdem es zu einer Rangelei mit ungeliebten NPD-Sympathisanten kam, die an der Demonstration teilnehmen wollten.

Diese „echten Nazis“ können sich offensichtlich thematisch mit PRO Deutschland zu 100 Prozent identifizieren. Identität, das ist das Stichwort, der Kampfslogan schlechthin dieser Generation von Menschen, die sich zwischen den Konservativen und Nationalsozialisten über die Jahre zusammengeschlossen haben.

„Identitätsstiftende Musik“ hierzu liefert (freiwillig oder unfreiwillig?) passenderweise die umstrittene Südtiroler Deutschrockband Frei.Wild. Mit der „Hexenjagd“, welche immer wieder darin gipfeln würde, „heimatverbundene“ und „identitäre“ Menschen als „Nazis“ zu betiteln, fühlen sich beide Parteien auf die gleiche Art und Weise von „Gutmenschen und Moralaposteln“ diffamiert. Werde ich zu den Distanzierungen aus diesen Personenkreisen befragt, sage ich häufig: „Die machen im Endeffekt genau das, was ich früher gemacht habe. Nur, dass man heute zwischendurch „Nazis raus“ dazu skandiert!“.

Auf Facebook gab nun der „German Defence League“-Aktivist, PI-News Autor und Unterstützer der Münchner Truppe der Kleinstpartei „Die Freiheit“, Sebastian Nobile, seinen „Ausstieg“ bekannt. Nicht etwa aus dem gesamten recht(spopulistisch)en Spektrum, sondern lediglich aus der „German Defence League“ (GDL). Nobile schreibt dort lapidar: „Bin ab sofort nicht mehr in der German Defence League. Bitte keine Anfragen mehr an mich bezüglich der Gruppe(…). Ich identifiziere mich immer weniger mit der Gruppe, sympathisiere mehr mit den Identitären und noch einige andere Gründe. Das heißt nicht, dass ich die GDL schlecht finde, aber jeder hat seinen Platz. Ich unterstütze die GDL aber gerne weiter, das Ziel ist ja das Gleiche.“

Zu den Hintergründen äußert sich Nobile im Folgenden nur zaghaft und zweideutig. Jemand, der bei Facebook mit Nobile befreundet ist, kommentiert: „Nach meinen Erfahrungen sind dort [GDL, Anm. d. Verf.] leider einige Leute unterwegs... die einfach nur Streit suchen.... Susi und ich wurden regelrecht raus gemobbt..... aber das waren einige, wenige.....sehr Schade, aber eine gute Entscheidung von Sebastian....“ Nobile scheint diese Situation nicht sonderlich fremd zu sein, vergütet er diesen Kommentar doch mit einem „Gefällt mir“.

Eine weitere Person kommentiert: „Gute entscheidung,Sebastian.....eigentlich finde ich die GDL auch gut...aber...was sich da so einige "Pappnasen" mit (…) einer guten Freundin und mir geleistet haben...geht echt zu weit...wir wurden als Nazis ...usw. beschimpft...absolut lächerlich.“ Auf just diesen Kommentar antwortet Nobile prompt: „Ja, genau die gleiche Geschichte ging da wieder ab,. Plötzlich waren alle von Pro `Naziwichser´ und diese Haltung bekam dann allgemeine Unterstützung. Da sind noch mehr solche Sachen. Ich identifiziere mich einfach nicht mehr mit der GDL. Ich passe sowieso nirgendwo wirklich rein, ist vielleicht auch ein gutes Stück mein `Problem´. Aber ich muss mich nicht an Dinge anpassen, mit denen ich mich nicht identifiziere. Wozu? Da bin ich lieber konsequent. Ich finde die Identitären viel passender für mich.“

„Immer derselbe Scheiss…“, sagt ein weiterer Facebook-Bekannter Nobiles hierzu. Und, etwas anders formuliert, würde ich an dieser Stelle sogar selbst auf „gefällt mir“ klicken: Wie oft wollen Menschen wie Nobile noch gegen Wände rennen, sich darüber ärgern, als „Nazis“ betitelt zu werden, diese und jene Gruppierung mit identischen Ansichten verlassen – um wieder von vorne anzufangen und den Menschen zu erklären, dass man doch eigentlich gar kein Rassist sei, alles ein großes Missverständnis…?

Nun hat Sebastian Nobile die GDL verlassen. Die meisten öffentlich auftretenden Aktivistinnen und Aktivisten der Gruppierung waren bislang auch Unterstützer von Nobile. Bislang floppt die GDL ihrem englischen Vorbild entsprechend auf ganzer Linie. Die Abkehr eines der öffentlich bekanntesten Aktivisten dürfte da nicht für einen Richtungswechsel sorgen. Nobile behauptet jedenfalls von sich, konsequent zu sein und hat wohl das beklemmende Gefühl, da „nirgendwo reinzupassen“.

In so einer ähnlichen Situation befand ich mich vor einigen Jahren auch mal. Wo sie endete, ist sicher ausreichend bekannt. Ich habe irgendwann Kontakt mit EXIT aufgenommen und meinen Ausstieg vollzogen. Konsequent. Weil „das besser passt für mich“, um es mit Nobiles Worten zu sagen.

Foto: BRVisions