Donnerstag, 26. September 2013
- von Redaktion

Braune Abenteuer im Wald

Ehemals führende „Heimattreue“ bieten Erlebnistouren als „Waldläufer“ an – der ehemalige HDJ-Bundesführer soll am Freitag bei der NPD in Lübtheen referieren. Mit freundlicher Genehmigung des Blick nach Rechts übernommen.

Anhänger der 2009 verbotenen „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ) könnten versuchen, unter einem neuen Tarnmantel Jugendliche für Fahrten und Lager anzuwerben. Sehr unauffällig bietet ein „Norddeutscher Baumdienst“ Erlebniswochenenden und Abenteuer in „niedersächsischen Wäldern“ mit „Notvorsorge und Krisenmeisterung“ und „Führung von Gruppen“ an. Eine „bewusste Lebensweise“ soll mit Selbstverteidigungsübungen, dem Bau von Notunterkünften, Ausflügen in kleinen Gruppen erzielt werden.

Die Kurse in der Wildnis kosten 150 Euro inklusive „militärischer Notversorgung“ und sollen „Handwerkszeug für das alltägliche Leben“ bieten. Das alles klingt sehr nach den Aktivitäten der verfassungsfeindlichen Blut- und Boden-Fans der HDJ, wenn auch die Worte „völkisch“ oder „heimattreu“ im Internetauftritt des „Norddeutschen Baumdienstes“ vermieden werden. Mit Abseilaktionen über Flüsse und Lagerfeuerromantik wird auch hier gelockt. Die Fotos vom „Natur-Erlebnis“ ähneln sehr den Werbebildchen der HDJ.

Brauchtumsfeiern und nationalistische Zusammenkünfte

Die Homepage des „Norddeutschen Baumdienstes“ verantwortet das Bundesvorstandsmitglied der Jungen Nationaldemokraten, Sebastian Richter. Der aus Hoyerswerda stammende Richter, der der HDJ-Einheit „Preußen“ in Brandenburg zugeordnet wurde und polizeilichen Ermittlungen zufolge an einem uniformierten Aufmarsch in Oranienburg teilnahm, ist inzwischen – wie viele andere Aktivisten – nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen. So umfasst dann auch das „Einsatzgebiet“ des Baumdienstes speziell diese und angrenzende Regionen. Insbesondere die Lüneburger Heide galt bereits für die „Wiking-Jugend“ und später die „Heimattreue Deutsche Jugend“ als Schwerpunktgebiet für Ausmärsche sowie Zeltlager mit Mut- und Messerproben. Aber auch im Stadtgebiet von Lübtheen trafen sich die einschlägigen Kreise zu Brauchtumsfeiern und nationalistischen Zusammenkünften.

Als umtriebiger Hintergrunddrahtzieher kündigte Richter 2009 die Gründung einer „IG Fahrt und Lager“ in der JN-Zeitung „Der Aktivist“ der NPD-Jugendorganisation an und betonte in Zeiten des HDJ-Verbotes die Bedeutung von Lagerveranstaltungen. Diese konspirative Zelle innerhalb der NPD geriet zum Zielobjekt der Sicherheitskreise, denn dort wurde eine HDJ-Fortführung vermutet. Ein geplantes Lager am Quitzdorfer See in Ostsachsen mit dem ehemaligen Bundesführer der „Heimattreuen“ Sebastian Räbiger löste die sächsische Polizei 2010 rechtzeitig auf.

Bei NPD-Ordnertrupp aufgetaucht

Auf einer weiteren Homepage wirbt Forstwirtschaftsingenieur Martin Götze aus Lübtheen neben Fällarbeiten auch unauffällig für einen „Waldläuferlehrgang“. Der Neonazi, ursprünglich in Hannover lebend, studierte Forstwirtschaft in Baden-Württemberg und turnte bereits beim großen Pfingstlager der HDJ in der Nähe der Externsteine 2006 auf einem hohen Holzbalken herum, knapp über dem Schild „Der Heimat und dem Volke treu“. HDJ-Fotos zeigten ihn bei Kletterseilaktionen. Zunächst zählte Götze zur „Einheit Hermannsland“, dann während seiner Studienzeit soll er eine neue länderübergreifende HDJ-„Einheit“ im Südwesten aufgebaut haben. Der 1983 in Halle Geborene gehörte Behördenangaben zufolge bereits als junger Mann der berüchtigten Skinhead-Szene in Langenhagen bei Hannover an und war Teilnehmer eines „Nationalen Stammtisches“ .

Inzwischen bringt auch Neusiedler Götze sich aktiv in Lübtheen ein. Nebenher taucht er immer mal wieder beim NPD-Ordnertrupp auf. Meistens jedoch im Umfeld des Schweriner NPD-Fraktionschefs Udo Pastörs, der einst selbst bei der militanten „Wiking-Jugend“ mitmarschierte. Beruflich versucht Martin Götze sich wie Richter als Gewerbetreibender. Teil I von Götzes angebotenen „Waldläufer“-Lehrgängen sollte laut Internetauftritt im Juli stattfinden, Teil II dann Ende August in Süd-Westmecklenburg mit Inhalten wie „Tarnen und Täuschen“, „Selbstverteidigung“ oder „Nachtwanderung“. Der dritte Teil ist noch nicht terminiert, kündigt aber als Inhalte „Grundlagen der Menschenführung“ oder „ Bewegungsarten im Gelände“ an.

Spezielle Veranstaltung mit dem ehemaligen HDJ-Chef

Um die völkisch-nationalistische Erlebniswelt zu erweitern, wurde in Mecklenburg neben dem „Thinghaus“ in Grevesmühlen das „Hotel Stadt Hamburg“ in Lübtheen als zentraler Veranstaltungsort eingerichtet. Vergangenes Wochenende besuchten rund 150 Sympathisanten mit sehr vielen Kindern den „Tag der offenen Tür“ des Fort-ähnlichen „Thinghauses“. In Lübtheen wird für den 27. September ab 19.00 Uhr nun eine spezielle Veranstaltung mit dem ehemaligen HDJ-Chef Räbiger angekündigt. Seine ehemaligen Gefolgsleute Götze und Richter organisieren vor Ort kräftig mit.

Für den Räbiger-Vortragsabend am kommenden Freitag in Lübtheen wirbt die NPD mit dem Slogan „Wählst du noch oder kämpfst du schon?“ und ergänzt: „Eine kritische Betrachtung der volkstreuen Arbeit in den BRD-Parlamenten“. Im Hintergrund der Einladung ist ein fiktiver Wahlzettel zu sehen, auf dem die NPD als „Natürlich deutsch“ bezeichnet wird und die anderen Parteien nur als Heuchlerpartei, Lügnerpartei, Genderpartei oder Ausländerlobbyisten bezeichnet werden. Hinter den Kulissen könnte sich in Lübtheen allerdings weitaus mehr tun, als die Neonazis die Öffentlichkeit wissen lassen.