Samstag, 10. Juni 2017

Zwei mutmaßliche Neonazi-Anschläge in zwei Nächten

In den vergangenen beiden Nächten kam es jeweils zu mutmaßlich durch Neonazis verübten Anschlägen auf linke Organisationen in Mecklenburg-Vorpommern. Doch beide für Samstag geplanten Veranstaltungen sollen dennoch stattfinden.

Die mit weißer Farbe beschmierte Fassade des Demokratiebahnhofs in Anklam; Foto: Demokratiebahnhof

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde laut Pressemitteilung der Polizei eine „übelriechende Flüssigkeit“ im Inneren des Krummen Hauses in Burg Stargard verteilt. Die „Art und Weise der Einbringung“ sei unbekannt, heißt es weiter.

Am Samstagabend soll dort ein Punkkonzert unter dem Motto „People are People - unsere Welt ist bunt und laut“ stattfinden, die Polizei will somit eine politisch motivierte Tat nicht auszuschließen. Die Band Feine Sahne Fischfilet, die im vergangenen Jahr ebenfalls dort auftraten, schreiben auf Facebook, dass es im Vorfeld des diesjährigen Konzertes bereits zu Einschüchterungsversuchen durch Neonazis gekommen sein.

Im letzten Jahr sei es vor einem Konzert ebenso zu einem Anschlag gekommen, bei dem Buttersäure verteilt wurde, die Veranstaltung konnte jedoch durchgeführt werden. „Gerade haben wir mit den Leuten von vor Ort telefoniert und auch diesmal lassen sie sich nicht unterkriegen und freuen sich trotzdessen auf den morgigen Tag“, heißt es in gestrigen Mitteilung von Feine Sahne Fischfilet.

„Höhepunkt organisierter rechter Gewalt“

Im rund 50 Kilometer entfernten Anklam kam es nur eine Nacht später zu einem ähnlichen Vorfall. Gegen 3 Uhr nachts seien heute laut NDR zwei Brandsätze und sieben mit Latexfarbe gefüllte Handschuhe auf das Jugendzentrum Demokratiebahnhof in Anklam geworfen worden. Ein Ausbreiten der Flammen konnte verhindert werden, heißt es in der Pressemitteilung der Einrichtung. Zu dem Zeitpunkt des Anschlags schliefen mehrere Jugendliche in dem Gebäude.

„Mich erschüttert die Tatsache, dass bei dem Anschlag billigend in Kauf genommen wurde, Menschen zu verletzen“, heißt es. Die Organisatoren des Demokratiebahnhofs sähen in dem Angriff „einen traurigen Höhepunkt organisierter rechter Gewalt gegen demokratisches Engagement in der Hansestadt Anklam.“

Auch auf dem Gelände war für heute Nachmittag eine Veranstaltung geplant – diese sollte dennoch durchgeführt werden. Der Demokratiebahnhof hat kürzlich zwei Preise gewonnen. Ende April gewann die Einrichtung den Sonderpreis „Kultur öffnet Welten”, vor rund drei Wochen gab es einen Preis im Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2016.