Dienstag, 21. Januar 2014

Neue Allianz gegen schlechten Modegeschmack: YouTube-Star Dahlemann wird „Ehrenbotschafter der Storchenstaffel“

Für seinen Mut, an ein „offenes Mikrofon“ der NPD zu treten, erhielt Patrick Dahlemann, ein junger SPD-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern, in den letzten Wochen viel Zuspruch. Ein entsprechendes Video verbreitete sich in den Sozialen Netzwerken in Windeseile. Bis die NPD die beleidigte Leberwurst mimte und den 15-Minüter unter dem Hinweis auf ihre Urheberschaft stoppen ließ. Für den engagierten Kampf gegen „die braunen Leichtmatrosen“ wurde Dahlemann gestern zum „Ehrenbotschafter der Storchenstaffel“ ernannt.

Gestern wurde der Jungpolitiker von Führer-, Front- und Modestorch Heinar in den „Führerhorst“ zu einer persönlichen Audienz geladen. Dort betonte Heinar, es sei ihm eine große Freude, Patrick Dahlemann zu treffen. Denn dieser habe „der braunen Brut gehörig den Marsch“ geblasen. Für „vorbildhaftes Handeln nach adebarischen Tugenden“, so der Frontkämpfer gegen schlechten Modegeschmack weiter, „ernenne ich Patrick Dahlemann zum Ehrenbotschafter der Storchenstaffel für Demokratie und Frohsinn“. Dahlemann zeigte sich sichtlich gerührt und stolz wie Bolle.

In den letzten Wochen hatte der 25-jährige Sozialdemokrat mit einem Video, in dem er die rassistischen Botschaften der NPD auseinandernimmt, in den Sozialen Medien – aber nicht nur hier – für Furore gesorgt. Weit über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus erhielt er für seinen Mut Respekt, an das „offenen Mikrofon“ der NPD zu treten und den Hetzern bei einer Veranstaltung Paroli zu bieten.

Für die NPD endete ihre Propagandaaktion als Bumerang. Die Mannschaft um Udo Pastörs und Stefan Köster erwies sich als Spielverderber; beleidigt ließ die Landespartei das Dahlemann-Video mit dem Verweis auf ihrer Urheberschaft auf YouTube löschen. Doch bekanntlich ist diese Vorgehensweise in Zeiten des Web 2.0 ein stumpfes Schwert. Zahlreiche Nutzer luden den 15-Minüter einfach erneut hoch und sorgten so dafür, dass die Bloßstellung der braunen Wahlkämpfer ohne Probleme weiterhin abrufbar ist.

Auch Dahlemann selbst kündigt an, sich nicht geschlagen zu geben. Den Vorwurf einer Urheberrechtsverletzung wies er energisch zurück: „Zunächst möchte ich mich bei allen Menschen bedanken, die mir in den vergangenen Tagen so viele Nachrichten, Mails und Kommentare geschrieben haben. Das gibt Kraft und motiviert uns im Engagement gegen Rechtsextremismus enorm. Viele Menschen wollen das Video sehen und sich selbst ein Bild machen. Deshalb werden wir selbstverständlich alles versuchen, damit das Video wieder auf meinem YouTube-Account zu sehen ist. Politische Meinungsbildung und Meinungsfreiheit wiegen in einem demokratischen Rechtsstaat unserer Auffassung nach schwerer als diese Urheberrechtsverletzung.“

Gegen die Löschung des Videos sei bei YouTube Widerspruch eingelegt worden. „Nach juristischer Recherche sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass unser Vorgehen, das Originalvideo der NPD zum Zwecke der politischen Auseinandersetzung zu zitieren, durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist“, ergänzte Eric Hartmann von der „Agentur-Sofa“.

Heute Abend ist Patrick Dahlemann bei Markus Lanz (ZDF, 22.15 Uhr) zu Gast.