Montag, 28. Oktober 2013

Frei.Wild vs. „Nordwand“: Südtiroler Rocker erhöhen Schlagzahl

Die juristische Auseinandersetzung zwischen der umstrittenen Südtiroler Band „Frei.Wild“ und der Berliner Punkcombo „Nordwand“ nimmt die nächste Eskalationsstufe. Das Hamburger Landgericht hat eine einstweilige Verfügung gegen die Satiriker erlassen, die sich davon aber keinesfalls entmutigen lassen. Im Gegenteil.

Frei.Wild-Demo, Berlin (Foto: Oliver Cruzcampo)

Wenn es um ihre geschäftlichen Belange geht, fährt die umstrittene Südtiroler Gruppe Frei.Wild schwere Geschütze auf. Ein Anwaltsschreiben, das im Auftrag der Frei.Wild GdR versandt wurde, droht „Nordwand“, einer Punkband aus Berlin, eine Klage wegen vermeintlicher Verletzung des Urheberrechts und Beleidigung zum Nachteil von Frei.Wild an. Zuvor hatten die fünf jungen Musiker, die sich mit Haut und Haaren der Parodie von Rechtsrock-Kapellen verschrieben haben, den aktuellen Frei.Wild-Tourflyer aufs Korn genommen.

Nun erreichte „Nordwand“ ein weiterer Brief mit für sie unerfreulichem Inhalt. Die Frei.Wild GbR habe über das Hamburger Landgericht im Eilverfahren eine Einstweilige Verfügung erwirkt, nach der die veränderte Version des aktuellen Tourflyers von Frei.Wild rechtswidrig sei und daher nicht länger genutzt werden dürfe. Zusätzlich seien ihnen die entstanden Kosten des Eilverfahrens auferlegt worden.

„Wir haben uns gründlich überlegt, ob es sinnvoll wäre, gegen die Verfügung Widerspruch einzulegen. Nachdem wir kurzfristig unser eigenes Rechts- und Demokratieverständnis gefesselt und geknebelt in den Keller verbannt haben, sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir das Urteil hinnehmen müssen“, sagten die fünf Musiker zu ENDSTATION RECHTS.. Das finanzielle Risiko, das aus einem weiteren Verfahren sowie eventuell daraus folgende Revisions-Verfahren resultieren könne, zeigte sich „Nordwand“ zerknirscht, sei leider nicht tragbar.

Ihre satirische Ader haben die Punkrocker trotzdem nicht verloren und schicken einen nicht ganz ernstgemeinten Glückwunsch in Richtung der Frei.Wild GbR, die sich in „szene- und straßentypischer Art und Weise gegen ihre Kritiker zur Wehr gesetzt“ habe. Mit der Bedrohung einer kleiner Band durch eine Anwaltskanzlei, habe die umstrittene Kapelle, der Kritiker die Verbreitung von nationalistischem und völkischem Gedankengut vorwerfen, „eine Menge Mut bewiesen“.

„Schorsch Klunkikoff“, „Smirnoff“, „Ciroc“, „Absolut Wodka“ und „Becherovka“ wählten aber auch selbstkritische Töne. Ihr Umgang mit den ihrer Meinung nach „rechtspopulistischen, völkisch-nationalischen Band Frei.Wild“ sei im „Nachhinein betrachtet unvorsichtig“ gewesen. Hierzu führten die Ostberliner aus: „Wir als `linksradikale Hetzer´ hätten eigentlich wissen müssen, dass in unserem so genannten Rechtsstaat Copyright über der im Grundgesetz verankerten Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit steht.“ Ferner sei ihre „mangelnde Straßen-Kredibilität“ dafür verantwortlich, dass wir „bislang noch keinen Anwalt in unserer Gang hatten, der unsere Propaganda vorsorglich auf System- und Verfassungs-Konformität prüft“.

Vom eigentlichen Inhalt ihrer Botschaft distanziert sich die laut Eigenaussage „Punkband mit antifaschistischer Grundeinstellung“ ohnehin nicht – trotz des kleinen „Missgeschicks“, wie sie es nennen. Rechtsrock dürfe einfach nirgends eine Bühne geboten werden.  

Zum Abschluss des Gesprächs zeigten sich „Nordwand“ unvermindert kämpferisch: „Keinesfalls lassen wir uns entmutigen, `Frei.Wild´ aufs Korn zu nehmen, nur werden wir uns in Zukunft noch intensiver mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln auseinander setzen, um auf unserer Jagd schärfer und zielsicherer zu schießen als dieses Mal.“