Dienstag, 23. Februar 2016

Ex-Neonazi Axel Reitz konnte nach eigener Aussage nicht bei der AfD landen

Lange Zeit war es still um Axel Reitz, den „Hitler von Köln“, der nach eigenen Angaben der extrem rechten Szene vor vier Jahren den Rücken kehrte. In einem Beitrag auf der Webseite der „Blauen Narzisse“ plädiert er für eine Resozialisierung von Aussteigern, in seinem Fall bei der AfD, die seine Liebe bislang verschmäht haben soll.

Ex-Neoanzi Axel Reitz (recht), gemeinsam mit Siegfried Borchert (Foto: Wikopedia, public domain)

Nach ihrem Ausstieg haben es ehemalige Neonazis im gesellschaftlichen Leben oft nicht einfach. Nur mühsam können manche von ihnen im kulturellen Leben oder auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen, zu schwer wiegt für mögliche Partner oder Arbeitgeber ihre Vergangenheit. Voraussetzung, dass ihnen eine „zweite Chance“ zuteil wird, ist eine glaubhafte Distanzierung von ihrer bisherigen politischen Einstellung, von ihren Aktivitäten. In einer demokratischen Gesellschaft sollte „Rückkehrern“ die Tür stets offen stehen.

Dieses „Recht“ reklamiert der langjährige Neonazi-Kader Axel Reitz für sich. Der Ex-Kopf einer mittlerweile verbotenen Kölner Kameradschaft schildert in einem längeren Artikel auf der Internetseite der neurechten „Blauen Narzisse“ seine vergeblichen Annäherungsversuche an die Alternative für Deutschland in Nordrhein-Westfalen. Dass seine Wahl für die Veröffentlichung ausgerechnet auf ein Organ der Neuen Rechten fällt, lässt einen faden Beigeschmack zurück.

Reitz will in die AfD - die will ihn nicht

In der AfD sehe er eine „Bereicherung der Parteienlandschaft“. Da diese Partei aber „unter dem Generalverdacht des `Rechtsextremismus´“ stehe, könne er ihre Entscheidung, seinen Aufnahmeantrag abzulehnen, verstehen. „Ich empfinde es allerdings als sehr schade, dass nie auch nur der Versuch unternommen wurde, sich mit mir zu unterhalten und mir somit die Chance zu geben, zu beweisen, dass ich in der Vergangenheit ein anderer Mensch gewesen bin als heute“, zeigt sich der mehrfach vorbestrafte 33-Jährige enttäuscht. Sein Mitgliedsantrag sei „formlos und ohne nähere Begründung“ abgewiesen worden.

Weiter analysiert Reitz: Die Aufnahme „einzelner Extremisten“ könnte der AfD Schaden zufügen. Denn „rechts“ sei heute „immer automatisch rechtsextremistisch“. Dabei spiele es keine Rolle, „ob nun ein Islamisierungsgeängstigter, ein Kritiker der gleichgeschlechtlichen Ehe, ein traditionalistischer Burschenschafter, ein x-beliebiger AfD-Anhänger oder ein`echter´ Neo-Nazi kategorisiert“ werden sollten. Eine „Sippenhaft“ wäre die Folge, außerdem würde die Gleichsetzung von „rechts und rechtsextrem“ insbesondere Jugendliche in „die Fänge tatsächlicher Rechtsextremisten treiben“. Reitz, der sich selbst als „geläuterten Patrioten und Freigeist mit konservativen Bezügen“ beschreibt, bedient mit dieser Argumentation ein gängiges Muster des rechten Milieus, das manchmal zutrifft, in der Realität so pauschal aber nicht angewendet werden kann.

Im Denken gefangen

Seine eigenen extrem rechten Aktivitäten redet Reitz als „Fehler meiner Jugend“ klein oder vergleicht sie an anderer Stelle gar mit einer „lästigen Angewohnheit“. Als Kronzeugen für seinen Ausstieg führt er darüber hinaus den Verfassungsschutz ins Feld. Für die Gesellschaft könne es nur von Vorteil sein, wenn „diese Gestrauchelten“ wie er ins demokratische Spektrum zurückfinden. Der AfD könne kein Vorwurf gemacht werden, wenn sie „ehemaligen Rechtsextremisten eine politische Heimat“ biete. In diesem Kontext fragt Reitz „wie viele ehemalige Nationalsozialisten nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches am Aufbau aller Volksparteien mitgewirkt“ hätten oder „wie viele ehemalige RAF-Sympathisanten und linksautonome Gewalttäter in den Reihen der Grünen sitzen“ würden. Derartiges kommt einem sattsam bekannt vor, es sind gängige Szene-Floskeln.