Freitag, 07. August 2015

Rote Karte: Neonazi-Fußballverein soll ausgeschlossen werden

Nach den jüngsten Ereignissen hatten Beobachter mit dieser Entscheidung gerechnet. Der mit Neonazis durchsetzte Kreisliga-Verein FC Ostelbien Dornburg soll nach dem Willen des Landesfußballverband Sachsen-Anhalt ausgeschlossen werden. Entsprechende Absichten hatte auch der Landessportbund zuvor geäußert.

Neonazis sind im Fußball unerwünscht (Foto: Tim Reckmann, CC BY-NC-SA 2.0)

Geht es nach den Vorstellungen des Landesfußballbundes Sachsen-Anhalt, wird dem brutalen Treiben des FC Ostelbien Dornburg bald ein Riegel vorgeschoben. Der Kreisliga-Verein hatte in den vergangenen Wochen und Monaten seine Gegner und Schiedsrichter in Angst und Schrecken versetzt. Brutale Fouls, rassistische Beleidigungen oder Bedrohungen waren eher die Regel als die Ausnahme bei Spielen mit Beteiligung der Kicker aus dem Jerichower Land. Vor wenigen Tagen erklärten 59 der 65 Unparteiischen, den FC Ostelbien Dornburg nicht mehr Pfeifen zu wollen. Im Nachgang eines verlorenen Spiels zeichnete ein anwesendes MDR-Reporterteam neben wüsten Prügelszenen die Bedrohung eines Referees auf: „Du brauchst dich nicht zu wundern, wenn wir dich irgendwann mal anstecken!“ Vier Liga-Konkurrenten wollen zukünftig außerdem nicht mehr gegen den mit Neonazis durchsetzen Klub spielen. Laut dem Landesamt für Verfassungsschutz seien 15 der 18 Aktiven der extrem rechten Szene zuzuordnen.

Ausschluss soll kommen

Nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung vereinbarte das Präsidium des Landesfußballverbandes, der zuvor ob seiner zögerlichen Haltung in der Kritik stand, gestern Abend, einen Ausschluss beim Landessportbund (LSB) zu beantragen. Der machte seinerseits ebenfalls Nägel mit Köpfen. Der LSB-Vorstandsvorsitzender Lutz Bengsch sagte dem Blatt: „Die unsportlichen, einschüchternden und gewalttätigen Aktionen der Spieler des FC Ostelbien Dornburg im Rahmen des Punktspielbetriebes des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt haben in diesem Jahr Dimensionen angenommen, die meiner Meinung nach einen Ausschluss des Vereins aus dem LSB Sachsen-Anhalt und damit auch aus dem FSA und dem offiziellen Spielbetrieb rechtfertigen“. Ein möglicher Rauswurf der Neonazi-Kicker könnte auf Grundlage der LSB-Satzung noch im August erfolgen.

Offiziell will sich der Landesfußballverband erst nächsten Dienstag äußern. Derzeit arbeiten wohl die Anwälte an einer schriftlichen Begründung zur Verbandsmaßnahme. Danach kommt möglicherweise die Justiz ins Spiel, sollte der FC Ostelbien Dornburg dagegen vorgehen. 2011 war ein Versuch des Verbandes, die Aufnahme der Dornburger in die Liga zu verhindern, vor dem Landgericht gescheitert. Eine Stellungnahme des betroffenen Fußballklubs liegt nicht vor. Die Facebookseite ist nicht mehr erreichbar.

Neonazi und „Kümmerer“

Für den Neonazi-Verein geht mit Dennis Wesemann ein bekannter Aktivist auf Torejagd. Der mutmaßliche Mitbegründer der Magdeburger Hooligan-Truppe „Blue White Street Elite“ (BWSE) zog im letzten Frühjahr in den Ortsrat von Stresow, das mit seinen NPD-Ergebnissen bei der Landtagswahl 2011 für Aufsehen sorgte, ein. Dort gibt sich der Neonazi, gegen den bereits wegen Gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt worden sein soll, als „Kümmerer“.