Sonntag, 09. Februar 2014

NRW-Innenminister thematisiert eine Vermengung von Hooliganismus und Rechtsextremisten in Fußballstadien

In Nordrhein-Westfalen, dass aufgrund seiner Bevölkerungsstärke den Schwerpunkt des deutschen Fußball beheimatet, gab man sich lange Jahre der behaglichen Vorstellung hin, dass rechtextremistische Umtriebe in diesem Sport vor allem ein Problem der östlichen Bundesländer seien. Mehrere Ausschreitungen deuteten in der letzten Zeit jedoch bei einigen Vereinen auf eine Vermengung zwischen sogenannten erlebnisorientierten und politisch motivierten Fans hin. Nun zeigte ein Auftritt des NRW-Innenministers Ralf Jäger, dass sich die Landespolitik stärker mit diesem Thema auseinandersetzt.

Den Rahmen für den ministerialen Auftritt bildete das politische Nachspiel zu der am 18. Januar 2014 in der Kölner Innenstadt eskalierten Hooliganschlägerei, die beinahe das Leben eines Beteiligten gekostet hatte. Dazu tagte am 6. Februar der Innenausschuss des Düsseldorfer Landtages, während dessen öffentlicher Sitzung der Inspekteur der Polizei NRW, Dieter Wehe, einen Überblick über den Ermittlungsstand gab. Dabei sorgte im Sitzungssaal sein Hinweis für Verwunderung, dass die Alterspanne der 55 in Köln verhafteten Personen von 19 bis 55 Jahren reicht und es somit zu einem Auftreten älterer Fußballschläger in einer Szene gekommen ist, die man vornehmlich als eine von Jungerwachsenen geprägte Erscheinung wahrnimmt.

Während die Medien unmittelbar nach der Schlägerei auf die Beteiligung zweier Ultragruppen hingewiesen hatten, denen rechtsextremistische Tendenzen nachgesagt werden, vermied Wehe eine Einschätzung hinsichtlich einer rechtsextremistischen Motivation von Tatbeteiligten. Andererseits gab Innenminister Ralf Jäger allgemein an, dass die Behörden ein Wiedererscheinen von Alt-Hools in Stadien feststellen und es dadurch zu einer Vermengung mit Rechtsextremisten komme.

Eine nähere Erläuterung seiner Aussage erfolgte nicht. Dennoch dürfte der Minister darauf abgezielt haben, dass nach Jahren des unauffälligen Verhaltens wieder ältere Hooligans auftreten, die ihre Sozialisation in den ihre Subkultur prägenden 1980er Jahre hatten. Ein Merkmal der Hooligangruppen jener Zeit war, dass es keine Abgrenzung zum Rechtsextremismus gab und sich sogar einzelne rechtsextremistisch geprägte „Firms“ bildeten. Träfe vor diesem Hintergrund Jägers Aussage zu, bestünde die Gefahr, dass ein erneutes Auftreten dieser Personen, unter anderem aufgrund einer Vorbildfunktion für jüngere Hooligans, eine Verbreitung rechtsextremistischen Gedankenguts fördern könnte.

Demnach wäre nicht nur das Ausmaß des Wiedererscheinens entsprechender Personen zu klären, sondern auch ob sie aus einem unpolitischen Interesse am Fußball und an Fußballschlägereien auftreten oder eine politische Motivation haben. Somit darf man auf weitere Ermittlungen in der Angelegenheit hoffen, zumal der Minister ein verstärktes Vorgehen angekündigt hat, das eine Identifizierung von Rädelsführer beinhalten soll. Dadurch könnten sich Erkenntnisse ergeben, die einer genaueren Einschätzung des Ausmaßes der tatsächlich existierenden rechtsextremistischen Betätigung im NRW-Fußball dienlich wären.

Foto: Great Beyond, Lizenz: CC