Dienstag, 01. September 2015

Neonazi-Fußballverein ausgeschlossen

Seit Montagabend ist es amtlich: Der Landessportbund Sachsen-Anhalt hat den Neonazi-Verein FC Ostelbien-Dornburg ausgeschlossen. Zuvor hatte die Mehrzahl der Schiedsrichter sowie einige Konkurrenten erklärt, nicht mehr gegen die braunen Freizeit-Kicker antreten zu wollen. Derweil wurde bekannt, dass gegen den Kopf der lokalen Neonazi-Szene, Dennis Wesemann, Ermittlungen wegen Körperverletzung laufen.

Vorerst ausgespielt (Foto: Great Beyond, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

Bereits vor Wochen standen die Zeichen auf Ausschluss des FC Ostelbien-Dornburg aus dem Spielbetrieb. Bei den Spielen des Kreisligavereins, bei dem nach Einschätzung des Landesamtes für Verfassungsschutz 15 der 18 Aktiven Verbindungen in die Neonazi-Szene haben, war es zuvor zu einer Reihe von Zwischenfällen gekommen. Spieler mit Migrationshintergrund wurden rassistisch beleidigt, die Gegenspieler brutal gefoult oder nach einer verlorenen Partei direkt angegriffen, Schiedsrichter bedroht.

Die Referees zogen dann die Reißleine. 59 von 65 Schiedsrichter kündigten an, aus Sorge um ihre Gesundheit keine Spiele mit Beteiligung des FC Ostelbien-Dornburg mehr leiten zu wollen. Diesem Boykott schlossen sich mehrere andere Vereine an. Der öffentliche Druck auf die Verantwortlichen beim Landessportbund und dem zuständigen Fußballverband wuchs und wuchs – bis sie schließlich handelten. Bis dahin hatten ihnen Kritiker eine zögerliche Haltung vorgeworfen.

Rechtsweg offen

Der tatsächliche Ausschluss erfolgte gestern Abend. Die einstimmig gefällte Entscheidung sei mit Verweis auf die Satzung, die extremistische, rassistische, fremdenfeindliche und sexistische Gesinnungen nicht dulde, konsequent. „Wir haben eine Fürsorgepflicht für die Sportler und die Schiedsrichter“, erklärte Andreas Silbersack, Präsident des Landessportbundes, der Mitteldeutschen Zeitung. Nun stünden dem Neonazi-Club rechtliche Schritte offen. Dazu gehöre laut Silbersack etwa eine einstweilige Verfügung, um sich wieder in die Spielbetrieb einzuklagen. Aber auch eine Neugründung des Vereins sei möglich.

Der Verein, dessen Facebook-Seite mittlerweile nicht mehr erreichbar ist, argumentierte bei einer Anhörung seinerseits mit einer Verletzung der Grundrechte. Das mit Vorwürfen gegenüber dem Fußballverband gespickte Schreiben eines Lüneburger Rechtsanwaltes habe die Verantwortlich nicht überzeugt, hieß es weiter.

Ermittlungen gegen mutmaßlichen Schläger

Die von einem MDR-Kamerateam gefilmte Schlägerei im Anschluss an ein Spiel aus der letzten Saison hat nach Informationen des Senders mittlerweile Konsequenzen für den wohl bekanntesten Spieler des FC Ostelbien-Dornburg, Dennis Wesemann. Demnach habe die Staatsanwaltschaft Stendal Ermittlungen wegen Körperverletzung eingeleitet. Dem Neonazi wird vorgeworfen, einen Gegenspieler niedergeschlagen zu haben. Ihm drohen eine Geld- oder eine Haftstrafe.