Dienstag, 09. Juni 2015

Nach Teilnahme an Neonazi-Aufmarsch: Borussia Dortmund entzieht Fanclub die Lizenz

Borussia Dortmund beweist im Kampf gegen menschenfeindliches Gedankengut einen langen Atem. Einem Fanclub, den „Borsig Borussen“, entzog die Vereinsführung wichtige Privilegien, was eine faktischen Auflösung der Gruppe gleichkommt.

Aufkleber: Dortmund Fans gegen Neonazis (Foto: Foto: malin156)

„Borussia Dortmund steht für Vielfalt, Toleranz und distanziert sich ganz klar von Rassismus und Diskriminierung jeder Art“, schließt eine E-Mail, die vorgestern von einem der Neonazi-Partei Die Rechte nahestehenden Internetportal veröffentlicht wurde. Der Inhalt des Schreibens hat es in sich. Offenbar verliert ein Fanclub des Fußballvereins seinen offiziellen Status. Fortan ist es der Gruppe untersagt, das Logo oder den Namen des mehrfachen deutschen Fußballmeisters zu benutzen. Der erleichterte Zugang zu Eintrittskarten, der Fanclubs normalerweise offensteht, dürfte ebenfalls wegfallen. Der Verlust dieser Privilegien kommt einer faktischen Auflösung gleich.

Alle Mitglieder eines Fanclubs seien den Werten von Borussia Dortmund verpflichtet, heißt es von Vereinsseite. Mit der Teilnahme an einer Demonstration Der Rechten unter dem Motto „Wir sind das Volk“ am zehnten Todestag eines von einem Neonazi ermordeten Dortmunder Punks hätten Mitglieder der „Borsig Borussen“ gegen diese Grundsätze verstoßen. Die entsprechenden Bestimmungen habe der Fanclub unterzeichnet.

Teilnahme eingeräumt

Ein Ansprechpartner der „Borsig Borussen“ bestätigte gegenüber der WAZ den Erhalt des Schreibens. Außerdem räumte er ein, dass drei Personen aus ihren Reihen an dem Neonazi-Aufmarsch teilgenommen hätten. Dort seien sie allerdings privat und nicht als Fanclub unterwegs gewesen. „Das war blöd und wir haben uns entschuldigt“, gibt der „Borsig Borusse“ kleinlaut zu. Von Borussia Dortmund ist zu hören, das Schriftstück sei bereits am letzten Freitag an die Mitglieder des Fanclubs versandt worden. In der Vergangenheit hatte der Club im Kampf gegen Neonazis in seiner Anhängerschaft außerdem auf Ausschlussverfahren zurückgegriffen. Im Januar 2014 hatte die Vereinsführung den Die Rechte-Kader Michael Brück vor die Tür gesetzt.

Die örtlichen Neonazis suhlen sich derweil in ihrer bekannten Opferrolle. Im Internet ist die Rede von einer Verletzung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, von politischen Säuberungen und von Sippenhaft. Den gemeinsamen Fußballbesuch von „politischen Menschen“ könne die „politisch gesteuerte Vereinsführung“ indes nicht verhindern.   

Foto: malin156, Lizenz: CC