Mittwoch, 23. April 2014

Fortuna Düsseldorf - Schlägerei im Auswärtsblock vor dem Hintergrund einer Rechts-Links-Problematik

In der letzten Zeit kam es innerhalb der Fanszenen von Alemannia Aachen, Eintracht Braunschweig und MSV Duisburg zu handgreiflich ausgetragenen Rechts-Links-Auseinandersetzungen. Den Hintergrund bildeten linksorientierte Ultra-Gruppen, die anderen Fans eine rechtsextremistische Ausrichtung vorwarfen und daraufhin angegriffen wurden. Eine vergleichbare Eskalation ereignete sich nun auch bei Fortuna Düsseldorf, wo bereits seit einiger Zeit kurveninterne Spannungen bestehen.

Fußballfans in Düsseldorf (Foto: Joachim Bomann)

Während der am 22. März 2014 ausgetragenen Zweitligabegegnung beim FSV Frankfurt brach im Düsseldorfer Auswärtsblock eine Schlägerei aus, die von der Polizei beendet wurde. Sie entzündete sich, als die „Dissidenti Ultras“ eine von der Hooligan-Crew „Bushwhackers“ aufgehängte Fahne entfernen wollten. Dabei handelte es sich um ein Banner der mit den „Bushwhackers“ befreundeten „Frente Atletico“ aus dem Anhang von Atletico Madrid. Die zum linksorientierten Teil des Düsseldorfer Anhangs gehörenden „Dissidenti“ gaben in einer Stellungnahme allgemein an, die Beseitigung der Fahne gefordert zu haben und beschrieben die Attacke als Angriff von „Hooligans verschiedener Gruppen“. Ihr eigenes Auftreten begründeten sie mit einer „faschistischen, menschenfeindlichen Ausrichtung der Gruppe ,Frente Atletico’“. Diese Bewertung der Madrilenen belegten sie durch eine zweite Erklärung, der unter anderem ein Foto einer Kurven-Choreografie der „Frente Atletico“ beigefügt war, die einen SS-Totenkopf zeigte.

Unübersichtliche Situation

Während die „Dissidenti“ keine detaillierten Angaben über den Charakter ihres eigenen Auftretens machten, gab das die Lokalpresse prägende Blatt „Rheinische Post“ an, dass es sich nicht nur um eine reine Aufforderung zur Beseitigung einer Fahne gehandelt habe. Vielmehr sei unter akustischer Begleitung von „Nazis raus!“-Rufen versucht worden, das Banner herunterzureißen. Zudem zitierte die Zeitung einen „Bushwhacker“, der eine neonazistische Ausrichtung seiner Gruppe mit dem Hinweis auf außereuropäische Wurzeln einiger Mitglieder verneinte. Damit ergab sich eine unübersichtliche Lage, die von gegenseitigen Vorwürfen sowie unklaren Informationen über die Ausrichtung der Handelnden geprägt wurde. Dies ist jedoch keine erstmalige Erscheinung, denn bereits in Aachen, Braunschweig und Duisburg war es zu vergleichbaren Situationen gekommen.

In Düsseldorf scheinen neben den politischen Aspekten auch das starke Anwachsen des Anhangs infolge eines raschen Aufstiegs aus der Regionalliga West in die Bundesliga und der nach kurzer Zugehörigkeit erfolgte Abstieg in die 2. Bundesliga zu den Verwerfungen beigetragen zu haben. Die Düsseldorfer Fanszene fiel bislang dadurch auf, dass sie trotz starker Konkurrenz benachbarter Großvereine eine vielfältige Kurve stellt, die sowohl traditionelle Altfans und eingesessene Hooligans als auch linksalternative Gruppen umfasst. Vor diesem Hintergrund organisierten sich in den letzten Jahren jüngere Fans in kleineren Ultra-Vereinigungen, die sich gegen Rechtsextremismus engagierten sowie sich auch in anderen Bereichen politisch betätigten. Dies wiederum erschwerte Bemühungen, die unterschiedlich ausgerichteten Fangruppen zu einer einheitlich auftretenden Kurve zusammenzuführen.

Fortuna Düsseldorf positioniert sich

Die Schlägerei führte aktuell zu einer verstärkten Berichterstattung der Medien, die nicht nur die zuvor mühsam eingehegten Konflikte innerhalb der Kurve aufzeigte, sondern den nicht berechtigten Eindruck erweckte, als gäbe es rechtsextremistische Tendenzen bei Fortuna Düsseldorf. Diese reagierte auf die ihren Ruf schädigende Eskalation mit einer Presseerklärung, in der sie sich als „grundsätzlich politisch neutrale(n) und tolerante(n) Verein“ beschrieb und eine Aufarbeitung ankündigte. Dabei bekundete der Klub die Absicht, sich auch mit der Ausrichtung der spanischen Gruppe beschäftigen zu wollen und „alle beteiligten Seiten zu Wort kommen“ zu lassen.

Zudem kam es zu einer Reaktion der um ihre Freiräume und um Selbstregulierung bemühten Fanszene. Sie erfolgte durch die einflussreichen „Ultras Düsseldorf“ (UD), die sich mit einem „antirassistische(n) Grundkonsens“ durch die Initiative „Block 42“ um den „Zusammenhalt der Kurve“ bemühen. Die UD positionierten sich einerseits in aller Deutlichkeit generell gegen rechtsextremistische Aktivitäten und erklärten, sie haben sich „mit den ,Bushwhackers’ darauf verständigt, dass die Fahne von ,Frente Atletico’ … in Zukunft nicht mehr bei Fortuna-Spielen hängen wird.“ Andererseits warfen sie den „Dissidenti Ultras“ eine auch gegenüber den UD gezeigte grundsätzliche Kompromissunwilligkeit vor und verwiesen die Gruppe aus Angst vor einer „Spaltung der Fortuna-Fanszene“ aus dem zentralen Fanblock.

Foto: Joachim Bomann, Lizenz: CC