Dienstag, 23. September 2014

Alemannia Aachen untersagt Anti-Nazi-Transparent auf dem Tivoli

Der Vorwurf ist nicht neu: Alemannia Aachen, derzeit in der Regionalliga West, verschließe vor rechtsextremistischen Aktivitäten in seiner Fanszene und im Umfeld des Vereins die Augen. Die Anschuldigungen bekommen nun neue Nahrung: Einer Ultra-Gruppierung aus Krefeld sei nach eigener Aussage das Zeigen eines Spruchbandes gegen Neonazis am letzten Spieltag verweigert worden.

Banner der „Karlsbande“ am 29. Mai 2013 (Foto: SurfGuard)

Es war ein Hilferuf der „Ultras Aachen“. Im Januar zog sich die linke Fangruppe aus den Kurven des damaligen Drittligisten Alemannia Aachen zurück. Zuvor war es zu mehreren Übergriffen durch die „Karlsbande“ gekommen, die sich 2010 nach Meinungsverschiedenheiten über die Form der Unterstützung ihrer Mannschaft und das Klima im Stadion abgespalten hatte. In der „Kalsbande“, auch KBU genannt, sammeln sich zahlreiche Personen aus dem Neonazi-Milieu der Kaiserstadt. Die Verantwortlichen des im letzten Jahr in die Regionalliga abgestiegenen Traditionsvereins wiesen die Vorwürfe damals wie heute zurück, Alemannia Aachen habe sich stets gegen Neonazis positioniert. Ferner untersagt die Stadionordnung „menschenverachtende, gewaltverherrlichende, rassistische, fremdenfeindliche, rechts- oder linksradikale, politisch-extremistisch, obszöne, anstößige oder provokative, beleidigende Parolen zu äußern oder zu verbreiten bzw. durch Gesten eine rechtsradikale Haltung kundzugeben.“

Ein von einer Ultra-Gruppierung aus Krefeld öffentlich gemachter Vorfall vom letzten Spieltag nährt indes Zweifel an dieser Haltung. Ein von den Gästefans mitgebrachtes Spruchband mit dem Text „Kein Bock auf Nazis“ sei vor Ort abgelehnt worden. „Vergesst alles, was ihr bisher mit dem Verein Alemannia Aachen und seinem Gequatsche `Rassismus und Extremismus haben am Tivoli keinen Platz´ bisher gehört habt!“, schreiben die Anhänger von Uerdingen 05 auf ihrer Webseite, um gleich die Begründung für die Beanstandung des Transparentes nachzuliefern. „Sowas will hier in Aachen keiner haben“, sei ihnen gesagt worden.

Allemannia-Verantwortliche bestätigen Vorfall

Die Entsorgung des Banners durch den Sicherheitsdienst am Aachener Tivoli sei „gerade noch“ verhindert worden. Selbst die anwesende Polizei habe in das Geschehen eingriffen. Falls die Uerdingen-Fans der Aufforderung nicht Folge leisten würden, sei ihnen eine Ingewahrsamnahme angedroht worden. Unterdessen hat ein Alemannia-Vertreter den Vorfall gegenüber der „Fanzeit“ eingeräumt. Die Hintergründe seien bislang unklar. Normalerweise stellten derartige Meinungsäußerungen kein Problem dar, hieß es von Seiten des Vize-Meisters von 1969, der 2012 Insolvenz beantragt hatte.

Angesichts dessen geriet das Ergebnis des Spiels – 2:1 für Alemannia Aachen – in den Hintergrund.

Foto: SurfGuard, Lizenz: CC