Freitag, 03. Februar 2017

Neonazi-Block im Hörsaal? Podiumsdiskussion an Universität geplatzt

Zu einer Podiumsdiskussion, an der auch ein AfD-Vertreter teilnehmen sollte, hatte am Donnerstagabend das Schwulenreferat der Universität Dortmund geladen. Doch auch 20 Neonazis, darunter Kader der Rechten, waren vor Ort. Nach langer Diskussion musste die Veranstaltung schließlich abgebrochen werden, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Studenten mit Protestschildern im Hörsaal, Foto: Nadja Lüders

Bereits im Vorfeld der Podiumsdiskussion gab es reichlich Redebedarf an der Technischen Universität Dortmund, in erster Linie bezüglich der geplanten Teilnahme eines Vertreters der Jungen Alternative, der AfD-Jugendorganisation. So sahen sich die Veranstalter, das Autonome Schwulenreferat (ASR), veranlasst, am Montag eine Stellungnahme zu veröffentlichen.

„Parteipolitisch neutrale Veranstaltung“

„Wie viele von euch wissen, organisieren wir zurzeit eine allgemeinpolitische Podiumsdiskussion bezüglich der Landtagswahl 2017. In der letzten Zeit wurde viel Kritik und Unverständnis geäußert und es wurden uns diverse Dinge vorgeworfen, da wir auch einen Vertreter der AfD eingeladen haben“, schreibt das Referat. Da die Diskussionsrunde in Räumlichkeiten der Universität stattfinden sollte, müsse man eine „parteipolitisch neutrale Veranstaltung“ durchführen und hätte somit alle Parteien eingeladen, die laut aktueller Umfragen in den Landtag einziehen würden – und somit auch die Alternative für Deutschland. Es wird ergänzt: „Auch wenn die AfD in vielerlei Hinsicht Positionen vertritt, die mit den Interessen und Zielen des ASRs unvereinbar sind […].“

Auch nimmt das Referat Bezug auf einen ähnlichen Vorfall vor gut drei Wochen, der sich an der Universität Magdeburg ereignete. Dort war jedoch von der Hochschulgruppe „Campus Alternative Magdeburg“ ausschließlich der AfD-Landesvorsitzende André Poggenburg eingeladen worden. Massiver Protest hatte für einen Abbruch der Veranstaltung gesorgt, zudem hielten sich im Umfeld des AfD-Politikers zwei Funktionäre der Splitterpartei Die Rechte auf. In Dortmund wurden jedoch Vertreter von sechs Parteien eingeladen, zudem sollte es einen Moderator geben.

Sitzblock für Neonazis?

An dem Vertreter der JA, Matthias Helferich, scheiterte die geplante Diskussionsrunde in diesem Fall nicht. Für reichlich Missstimmung sorgten jedoch rund 20 Neonazis, die ebenfalls teilnehmen wollten. Unter diesen befanden sich etliche Funktionäre der Partei Die Rechte, unter anderem der Stadtvertreter Michael Brück und Siegfried Borchardt. Security und Polizei verwährten diesen anfangs den Einlass.

Es folgte ein heilloses Hin und Her, das sich über zwei Stunden zog. Verschiedenen Aussagen zufolge soll das ASR das Hausrecht nicht konsequent eingefordert haben, sodass die rund 20 Neonazis nach langen Diskussionen doch in den Saal gelassen werden sollten. Die Polizei habe anschließend versucht, einen kleinen Block an Sitzplätzen für diese Personen freizuhalten. Diese Plätze wurden dann aber von anderen Studenten blockiert, um die Gruppe Neonazis nicht in den Saal zu lassen.

Gegen 20.30 Uhr – und somit rund eineinhalb Stunden nach ursprünglich geplanten Beginn – wurde die Veranstaltung abgeblasen. Viele Studenten vor Ort zeigten sich enttäuscht, dass es nicht möglich war, die Situation zu klären und die Diskussionsrunde so doch noch durchführen zu können. Rechte-Kader twitterten in gewohnter Selbstüberschätzung: „Linke Umtriebe können sich an der TU nicht ohne Gegenwind etablieren“ und schicken ein Lob „an den konsequenten Veranstalter“ hinterher. Auf diese Wertschätzung hätten die Organisatoren sicherlich gerne verzichtet.