Mittwoch, 23. Oktober 2013

Gemeinsame Feier der Neonazi-Urgesteine „Lunikoff“ und „SS-Siggi“

Als Partei spielt Die Rechte nach wie vor keine Rolle – dafür aber als Szeneakteur. Sie bietet nicht nur zahlreichen Neonazis aus verbotenen Kameradschaften eine neue politische Heimat, sondern etabliert sich auf dem „Demonstrations- und Konzertmarkt“. Ihr neuster Coup: Ein „Balladenabend“ mit dem vorbestraften Ex-Sänger von „Landser“, Michael „Lunikoff“ Regener.

Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt (Foto: Oliver Cruzcampo)

Michael „Lunikoff“ Regener hat bekanntlich keine Berührungsängste. Zuletzt gehörte er zum festen Inventar von NPD-Veranstaltungen. Als Publikumsmagnet sorgte der Sänger der als kriminellen Vereinigung eingestuften Hassband „Landser“ dafür, dass die NPD-Führungsriege um Holger Apfel zu einem weit größeren Zuhörerkreis sprechen konnte als dies üblicherweise der Fall ist. 2009 sahen bei „Rock für Deutschland“ in Gera rund 4.000 Rechtsrock-Fans den Auftritt des Berliners und seiner Begleitband, die sich aus Mitgliedern der Rechtsrock-Combo „Spreegeschwader“ rekrutiert.

Gestern nun trat „Lunikoff“ nach Angaben der Partei Die Rechte bei der Konkurrenz auf. Auf Einladung des Dortmunder Kreisverbandes, dem der bundesweit bekannte Neonazi-Hooligian Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt vorsteht, seien 80 Musikanhänger zu einem „gemütlichen Balladenabend“ zusammengekommen. Die Veranstaltung, bei der „alte und neue Lieder“ gespielt worden wären, sei „rundum störungsfrei“ verlaufen, berichtet das der Partei nahestehende Internetportal „DortmundEcho“ weiter.

Regener genießt bis heute einen guten Ruf in der Szene; mit seiner vorherigen Band „Landser“ hat er braune Musikgeschichte geschrieben. Aufgrund ihrer menschenverachtenden Texte, die bei Produktion und Vertrieb eine konspirative Vorgehensweise erforderten, erspielte sich die Kapelle Kultstatus. Aber nicht nur das: Das Berliner Kammergericht verurteilte die drei Bandmitglieder u. a. wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu mehrjährigen Haftstrafen. Eine abschreckende Wirkung auf den beinharten Überzeugungstäter blieb indes aus. Kaum überraschend, dass eine Fortsetzung des gestrigen Balladenabends bereits angekündigt wurde.