Mittwoch, 13. Mai 2015

Dortmunder Neonazis fahnden nach Flüchtlingen im Kirchenasyl

In Dortmund gewährt eine evangelische Gemeinde einer Flüchtlingsfamilie Kirchenasyl. Für die lokale Neonazi-Szene eine willkommene Gelegenheit, um zur Hatz auf die vermeintlichen „Wirtschaftsflüchtlinge“ zu blasen. Mit Plakaten und Flugblättern soll das Geheimnis um den Aufenthaltsort der Familie gelüftet werden.

Der Kopf der Neonazis in Dortmund: Dennis Giemsch (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Die Dortmunder Neonazi-Szene ist für ihre aktionistische Ausrichtung bekannt. Unter dem Dach der Splitterpartei Die Rechte sammeln sich Kader mittlerweile verbotener Organisationen, um weiterhin den militanten Straßenkampf zu führen. Systematisch soll der politische Gegner, etwa durch Demonstrationen in unmittelbarer Nähe der Wohnorte, verunsichert werden. Regelmäßig läuft die Truppe um den früheren Kopf des „Nationalen Widerstandes Dortmund“ (NWDO), Dennis Giemsch, mit dem gleichen Ziel vor Flüchtlingswohnheimen auf. Den Asylsuchenden soll – trotz vieler Unterstützungsangebote hilfsbereiter Menschen – der Eindruck vermittelt werden, sie seien nicht willkommen.

Ein von der evangelischen Gemeinde gewährtes Kirchenasyl nutzt der örtliche Die Rechte-Verband nun für seinen nächsten Einschüchterungsversuch. Der derzeitige Aufenthaltsort der Familie, der in ihrem Herkunftsland nach Einschätzung von Kirchenvertretern Gefahren für Leib, Leben und Freiheit drohen, ist unbekannt. Nur wenige Eingeweihte wie etwa die Ausländerbehörde wissen Bescheid. Die Neonazis vermuten die Flüchtlinge in einem Gebäude der Kirche im Raum Dortmund.

Neonazis nehmen die Sache selbst in die Hand

Mit einer großangelegten Suchaktion möchten die selbsternannten braunen Detektive die Objekte ihres Hasses aufspüren. Während sie in einem auf einem Partei-nahen Internetportal veröffentlichten Artikel vorgeben, geltendem Recht zu seiner Anwendung verhelfen zu wollen, steht für die Neonazis tatsächlich eine Demonstration ihrer vermeintlichen Handlungsfähigkeit im Vordergrund. Unterstützen soll die weitgehend isolierte Gruppierung die Bevölkerung. „Macht euch auf zu den Gebäuden der evangelischen Kirche, fragt dort nach, hört euch in euren Bekanntenkreisen um und schaut ein wenig genauer hin“, heißt es dazu in der Erklärung.

„Um die Recherchearbeit zu unterstützen“ seien weitere Aktivitäten geplant. Dazu gehöre ein eigenes Plakat- und Flugblattmotiv, das im „Wild West“-Stil nach den vorgeblich „illegalen Asylanten“ fahndet. Mit einem für diese Art der Propaganda typischen Foto werden „Hinweise erbeten“. Eine durchschaubare Hetzkampagne also – wie gewohnt.