Dienstag, 09. Mai 2017

Wenn Neonazis trauern: Von „Greuelmärchen“ und einem SS-Mann

Knapp 200 Rechtsextreme zogen in den Abendstunden durch Demmin, um alljährlich Geschichte zu verklären und einseitig Opfern „unseres Volkes“ zu gedenken, auch an einen jüngst verstorbenen ehemaligen SS-Angehörigen wurde erinnert.

Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin
Fotogalerie des gestrigen "Trauermarsches" in Demmin

Bereits im Aufruf zum sogenannten Ehrendienst durch den zuletzt als NPD-Landesorganisationsleiter aktiven Norman Runge ist die Rede von „Greuelmärchen von der alleinigen Schuld und den Verbrechen Deutschlands“ und der „Geschichte der Besatzer“, die als Lüge gebrandmarkt werden soll.

Jedes Jahr versammeln sich Rechtsextreme und Geschichtsrevisionisten in Demmin, um die dortigen Geschehnisse zwischen dem 29. April und dem 4. Mai 1945 für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Mehrere Hundert Menschen nahmen sich seinerzeit aus unterschiedlichen Gründen das Leben.

Gedenken an verstorbenen SS-Mann

Diesmal rückte die Führungsriege der NPD jedoch von der Fokussierung auf Demmin ab, thematisiert wurden am gestrigen 8. Mai andere Städte und Regionen. Auf weißen Holzkreuzen standen Namen wie Rostock und Hamburg, aber auch Schlesien und Westpreussen. Als einziger Redner fungierte der Berliner NPD-Politiker Sebastian Schmidtke, der Demmin außen vor ließ. „Die gesamte deutsche Nation wurde ihrer Souveränität bis zum heutigen Tage beraubt. Wir sind nicht mehr frei, so wie es die Väter waren,“ (v)erklärte Schmidtke. Und immer wieder ging es ausschließlich um „unser Volk“. Nebenbei wird auch Sepp Biber erwähnt, der ehemalige Angehörige der SS und der mittlerweile verbotenen Wiking-Jugend verstarb Ende 2016.

Insgesamt kam der Aufzug, der am gestrigen Abend größtenteils störungsfrei die Strecke Richtung Hafen ablaufen konnte, nicht an frühere Inszenierungen heran. Mit rund 180 Teilnehmern konnten auch die Zahlen der letzten Jahre nicht erreicht werden. Zum Ende gesellten sich in gewissem Abstand jedoch rund 20 Personen des bürgerlichen Spektrums dazu.

Viele Kader fehlen erneut

Auch fehlten erneut Kameradschaften, die diese Szeneveranstaltungen üblicherweise fest im Kalender eingeplant haben. Udo Pastörs und Michael Andrejewski ließen sich in diesem Jahr nicht in Demmin blicken, viele ehemalige Fraktionsmitarbeiter und Parteikader fehlten erneut – wie bereits eine Woche zuvor in Stralsund. Umso aktiver war hingegen der Rostocker Neonazi Kevin K., der sich außerhalb der Demonstration bewegte und gezielt Gegendemonstranten abfilmte.

An den Gegendemonstrationen hätten sich laut Polizei rund 330 Personen beteiligt, es sei auch zum Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray gekommen. Das Bündnis „Demmin nazifrei“ spricht in einer Pressemitteilung von zahlreichen Schikanen der Polizei, auch ein Busunternehmen sei unter Druck gesetzt worden.

Etliche Neonazi-Gegner hätten sich in diesem Jahr den Protesten aufgrund der Geschehnisse in Stralsund nicht angeschlossen. Am 1. Mai hatte die Polizei rund 100 Personen über acht Stunden gekesselt, fast die Hälfte sei minderjährig gewesen. Der Vorfall, der diese Woche auch im Landtag thematisiert wird, soll juristisch aufgearbeitet werden.

Hier geht´s zur externen Flickr-Galerie