Dienstag, 04. Februar 2014

Übermacht an Gegendemonstranten verdirbt Flüchtlingsheim-Gegnern Kundgebung in Leipzig

Die Köpfe hinter der Initiative „Leipzig steht auf“ erhofften sich von der Demonstration am Montagabend in Leipzig einen ähnlichen Erfolg, wie ihn die NPD Ende des vergangenen Jahres in Schneeberg hatte. Dieser Plan ging nicht auf; die 80 Rechtsextremen sahen sich einer Übermacht von 700 Gegendemonstranten gegenüber. Nach weniger als einer Stunde zogen die Flüchtlingsheim-Gegner wieder ab.

Für Montagabend hatte die Initiative „Leipzig steht auf“, hinter der lokale Funktionäre der NPD stecken, eine Kundgebung im Stadtteil Schönefeld angemeldet, um unter dem Motto „Leipzig steht auf – gegen Minderheiten-Politik im Rathaus“ zu demonstrieren.

Laut einer Pressemitteilung gehe es konkret um drei Vorfälle im Rathaus, die von den Anhängern der Initiative nicht toleriert werden. Zum eine gehe es um den Stadtteil Reudnitz: „Dort bringt es das Rathaus fertig, einen offen 'Vollzug' für Sexualstraftäter auf dem Gelände der ehemaligen Kinderklinik zu errichten.“ Der zweite Grund sei der Bau einer Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde. Deshalb schloss sich auch die vermeintliche Bürgerinitiative „Gohlis sagt Nein“ der Demonstration an. Und zu guter Letzt, weshalb die Kundgebung auch in Schönefeld stattfand, stören sich die Rechtsextremen an der Unterbringung von Flüchtlingen im ehemaligen Fechnergymnasium, welches neben einer Grundschule liegt.

Wie die Leipziger Volkszeitung berichtet, fanden sich etwa 80 Rechtsextreme in der Löbauer Straße Ecke Volksgartenstraße ein, um ihren Hass auf die Straße zu tragen. Laut verschiedener Twittermeldungen seien darunter der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Maik Scheffler, Alexander Kurth, der im vergangenen Sommer die sogenannte NPD-Deutschlandtour begleitete, und Enrico Böhm, der bei den Kommunalwahlen 2009 für die NPD kandidierte, gewesen.

Mit einer halben Stunde Verspätung begannen die Flüchtlingsheim-Gegner ihre Kundgebung um 19.30 Uhr. Eine Auflage erlaubte ihnen, 25 Fackeln zu entzünden. Obwohl die Veranstaltung bis 22.00 Uhr angemeldet war, zogen die Teilnehmer bereits nach 40 Minuten wieder ab.

Grund dafür waren wohl auch die 700 Gegendemonstranten, die einem Aufruf der Initiativen „Refugees Welcome“, „Leipzig nimmt Platz!“, „Leipzig hilft“, Schönefeld e.V., Kirchen, Parteien und Gewerkschaften gefolgt waren und Solidarität mit der den Flüchtlingen und der Ahmadiyya-Gemeinde zeigten. Der Leipziger Internetzeitung zufolge habe der Verein Schönefeld e.V. vor der Kundgebung mitgeteilt: „Die Hetzparolen von ein paar einfältig verbohrten und fehlgeleiteten Rechtsfanatikern fallen in Schönefeld nicht auf fruchtbaren Boden. Schönefeld ist ein vielseitiger, entspannter und interessanter Stadtteil. Und ist gerade dabei, sein Image zu verbessern.“

Der Verlauf der Kundgebung bestätige diese Ansicht. Die NPD erhoffte sich von der Veranstaltung ein zweites Schneeberg, scheiterte aber kläglich. In Schneeberg hatte die NPD Ende des vergangenen Jahres zu drei „Lichtelläufen“ mobilisiert, an denen jeweils mehr als 1.000 Menschen – unter ihnen viele angereiste Rechtsextreme – teilnahmen, um gegen Asylbewerber zu hetzen. Zu einem weiteren von dem NPD-Funktionär Stefan Hartung organisierten „Lichtellauf“ in der vergangenen Woche fanden sich nur noch 250 Gesinnungsgenossen ein, denen sich allerdings nur vereinzelte Gegendemonstranten entgegenstellten.

Die beiden Kundgebungen sind laut LVZ weitgehend friedlich verlaufen. „Gegendemonstranten hatten zeitweise die Kreuzung Löbauer-/Volksgartenstraße besetzt.“ Polizeibeamte hätten die Kreuzung geräumt, dabei aber niemanden in Gewahrsam genommen.

Fotos: Daniel Lima / visual-change.org